24 h Pflege/Versorgung im Quartier in Bamberg

Case-Managerin Diana Büttner im Gespräch mit Fachkräften

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Nach einem Schlaganfall ist die 78-jährige Emma Maier pflegebedürftig. Zwar wird sie von der Sozialstation versorgt, und dreimal pro Woche besucht sie die Tagespflege. Ansonsten ist sie allein, gerade nachts und am Wochenende.

Wie man diese Lücke schließen kann, erprobt das Modellprojekt „24h Versorgung/Pflege im Quartier in Bamberg“. Es wird vom Spitzenverband der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen GKV gefördert.

„Menschen sollen nicht in Lebensformen kommen, die sie freiwillig nie wählen würden“, nennt Projektleiter Josef Noppenberger als Ziel. Erreicht werden soll es, so der Abteilungsleiter für Gesundheits-, Alten- und Eingliederungshilfe beim Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg, durch individuelle Pflege- und Hilfearrangements.

Der Schlüssel dazu sind eine veränderte Sicht der Situation und der Einsatz einer Case-Managerin. Sie klärt mit Betroffenen und Angehörigen: Welche Unterstützung hat der Patient bereits, welche benötigt er noch und welche Ressourcen lassen sich in seinem Umfeld aktivieren?

„Diese Ressourcen sind auch wir“, sieht Noppenberger die Zivilgesellschaft gefordert: Selbsthilfegruppen, Bürgervereine, Nachbarschaftshilfe. „Familien wären damit überfordert, solche Kontakte zu knüpfen“, unterstreicht er die Bedeutung der Case-Managerin. Außerdem nehme sie alle Aspekte der Lebensqualität in den Blick. „Kann ein Pflegebedürftiger noch sein geliebtes Hobby ausüben?“, nennt er als Beispiel.

Daher will das Modellprojekt Netzwerke ausbauen, in denen Angehörige, Ehrenamtliche und Fachkräfte zusammenwirken. Träger des Projekts ist die „In der Heimat wohnen Verwaltungsgesellschaft mbH“. Sie hat Erfahrung im Quartiersmanagement und erstellt für das Projekt Sozialraumanalysen.

Beim Projekt „24h Versorgung im Quartier“ arbeitet sie zusammen mit den lokalen Gliederungen von Arbeiterwohlfahrt, Bayerischem Roten Kreuz, Caritas und Diakonie, die in Bamberg Pflegeleistungen anbieten. Im Projekt sollen sie neue Kooperationen entwickeln – etwa prüfen, ob sie nicht im Zusammenwirken von ambulanten Diensten und Pflegeheimen eine ambulante Nachtpflege einführen können. Die Ernst-Abbe-Hochschule Jena schult Hauptberufliche, Ehrenamtliche und Angehörige für ein besseres Zusammenspiel im Dreieck Familie – Fachkräfte – Freiwillige. Die Katholische Akademie für Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen entwickelt ein Erhebungsinstrument, um Lebenssituation und Wünsche der Betroffenen, die erforderlichen Ressourcen und das Netzwerk zu erfassen.

Das gemeinsame Vorgehen der Akteure vor Ort war entscheidend für die Förderung durch die GKV. 230.000 Euro erhält das Projekt bis Ende Februar 2018. Aus 200 Bewerbungen bundesweit wählte die GKV 54 aus. Das Bamberger Projekt ist neben München das einzige in Bayern. Und es gehört zu nur 8 Projekten, in denen ein bereits vorliegendes Konzept umgesetzt wird. In den anderen werden Konzepte erst entwickelt oder man wertet bestehende Modelle aus.