Katholische Kindertagesstätten als Familienstützpunkte

Kindertagesstätten in katholischer Trägerschaft sind Lebensräume für Kinder. Ihr Auftrag besteht in der Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern. Diese Erziehungsleistung erbringen sie, indem sie partnerschaftlich mit den Eltern zusammenwirken. Katholische Kindertagesstätten verstehen sich auch als Teil eines sozialen Netzwerks; zugunsten der Kinder und ihrer Familien kooperieren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unterschiedlichen Formen mit anderen Institutionen und Diensten.

Diese Aufgabe gewinnt angesichts der gesellschaftlichen Entwicklungen weiter an Bedeutung. Zunehmend mehr Kinder sind arm, beziehen Sozialhilfe, sind krank und/oder von Scheidung betroffen. Diverse weitere innerfamiliäre Probleme belasten die Entwicklung vieler Kinder. Häufig sind Eltern mit ihren Erziehungsaufgaben überfordert und benötigen kompetente, wohnortnahe Unterstützungsangebote.

Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen, dass in Kindertagesstätten viele dieser Problemlagen der Eltern und Kinder frühzeitig erkannt werden. Die Mitarbeiterinnen sind vertraute Ansprechpartner und können einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung der Schwierigkeiten leisten.

Gleichzeitig sind Kindergärten-, Krippen- und Horte tägliche Anlaufstelle und Treffpunkt junger Familien. Dort bringen Eltern auf vielfältige Weise ihre Kompetenzen ein und tauschen sich gegenseitig aus. Als Experten ihres eigenen Alltags sind sie bereit, die Kindertagesstätte an ihren Lebensvollzügen zu beteiligen.

„Die Kindertagesstätte auf dem Weg zum Familienstützpunkt“ bedeutet:

  • Die Kindertagesstätte bietet den Eltern (vermehrt) Kurse, Gesprächsgruppen und ähnliche Möglichkeiten an, ihre Erziehungskompetenz zu stärken. Diese Angebote werden durch Fachdienste, Multiplikatoren oder die Mitarbeiter/-innen der Tagesstätte durchgeführt.
  • Die Mitarbeiter/-innen erwerben Know-how über die Beratungs- und Hilfsangebote für Familien im unmittelbaren Umfeld und stellen diese Informationen den Familien zur Verfügung in Form von Vermittlungsberatung und Informationsbroschüren.
  • Angehörige der Kinder bringen ihr Können und Wissen systematisch in die Arbeit der Kindertagesstätte ein.
  • Die Kindertagesstätte erprobt neue Formen der Kooperation mit Beratungsstellen und Familienbildungsstätten.
  • Eltern gestalten in Eigenregie Räume für Selbsthilfe- und Interessensgruppen in der Kindertagesstätte.
  • Die Kindertagesstätte eröffnet Kindern und Eltern den Zugang zu Vereinen, Betrieben sowie kulturellen und sozialen Einrichtungen in der Umgebung, so dass Familien deren Angebote nutzen können.
  • Die Kindertagesstätte baut den Kontakt zu Gruppen und Angeboten der Pfarrgemeinde aus.
  • Für die Räume der Einrichtung wird ein neues Konzept verwirklicht.
  • Die Kindertagesstätte führt innovative Projekte und elementarpädagogische Programme ein, die Kindern einen hohen Grad an Beteiligung ermöglichen

Seit dem Projektabschluss 2008 (10 katholische Kitas entwickelten sich zwischen 2006 und 2008 zu Familienstützpunkten) bietet die Fachberatung des Diözesan-Caritasverbandes Bamberg jährlich eine Fortbildung an. Mit dem entwickelten Fortbildungskonzept sollen möglichst viele Kindertagesstätten die Möglichkeit bekommen, ihren individuell auf den Sozialraum abgestimmten Familienstützpunkt zu entwickeln. Familienstützpunkt sein wird so ein Schwerpunkt der Arbeit in der Kita. Um eine fortlaufende Qualitätssicherung zu erreichen, hat die Fachberatung Qualitätskriterien entwickelt, die in den Familienstützpunkten eingeführt und gepflegt werden.

1. Offenheit und Sensibilität für die Belange von Eltern und Familien

Träger, Leiterin und Mitarbeiterinnen eines Familienstützpunktes stehen den Eltern in Ihrer jeweiligen Lebenssituation offen gegenüber. Im Leitbild und in der Konzeption der Einrichtung ist die Orientierung der pädagogischen Arbeit an den Bedürfnissen der Eltern verankert.

2. Durchführung von Angeboten zur Stärkung der Elternkompetenz

Dies beinhaltet die Anregung des Austausches der Eltern untereinander z. B. in Form von Elterngesprächskreisen oder das Angebot von Elterntrainingsprogrammen.

3. Unterstützung der Familien bei der Lebensbewältigung

Diese Angebote orientieren sich an den differenzierten, alltags- und lebensweltbezogenen Bedürfnissen von Familien auf der Grundlage eines christlichen Menschenbildes.

4. Regelmäßige Durchführung einer Umfeldanalyse (insbesondere in Bezug zur Pfarrgemeinde und Öffnung zum Stadtteil)

Die Kindertagesstätte führt regelmäßig eine Analyse durch, damit sie die Situation und Infrastruktur im jeweiligen Sozialraum kennen lernt.

5. Projektarbeit im nahen Umfeld

Auf der Grundlage der Umfeldanalyse initiiert und organisiert die Einrichtung bedarfsge-rechte Angebote. Projektbezogene Mitarbeit in der Pfarrgemeinde und im Stadtteil wird als Netzwerkarbeit für Kinder und Familien gesehen und durchgeführt.

6. Erschließung, Vermittlung und Vernetzung professioneller Dienste

Der Familienstützpunkt ist eine Kontakt- und Vermittlungsstelle im Netzwerk der familienbezogenen Dienste in der Pfarrei und im Stadtteil. Die Kindertagesstätte kennt, die für Familien relevanten Sozialen Dienste. Es findet ein regelmäßiger Austausch mit diesen statt.

7. Selbstverständnis der Kindertagesstätte als lernendes System, Innovationskultur

Weiterentwicklung wird in einem Familienstützpunkt groß geschrieben. Qualitätssicherungsmaßnahmen (z. B. Elternbefragung, Fortbildung, Supervision, Beschwerdemanagement) werden durchgeführt insbesondere auch im Hinblick auf Familienarbeit.

8. Ehrenamtliches/Bürgerschaftliches Engagement

In einem Familienstützpunkt wird Nachbarschaftshilfe gefördert. Es ist ein Ziel Ehrenamtliche in der Pfarrei und im Stadtteil zur Unterstützung von Familien zu gewinnen.

9. Ressourcenorientierung, Niederschwelligkeit und Nachhaltigkeit

Die Angebote im Familienstützpunkt sind niederschwellig und ressourcenorientiert, d. h. Stärken und Fähigkeiten der Familien werden berücksichtigt. Sie zielen auf Nachhaltigkeit ab.


Downloads

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Tagungsdokumentation und Projektbericht "Kindertagesstätten auf dem Weg zum Familienstützpunkt" 40.794 KB
Sozialraumanalyse 79 KB
Förderrichtlinien 1.489 KB
Voraussetzungen Anerkennung 85 KB
Antrag Bischofsfonds Familienstützpunkte 87 KB