In der Heimat wohnen, ein Leben lang sicher und selbstbestimmt
Sebastian Fackelmann Haus
Frau Jule Prohaska
Amberger Str. 47
91217 Hersbruck
Tel. 09151 60 95 991
Fax 09151 60 95 995
E-Mail info@sebastian-fackelmann-haus.de
15 neuerbaute Wohnungen
Das Sebastian Fackelmann Haus steht auf dem Grund des ehemaligen städtischen Altenheims. Es ist von der Erzdiözese Bamberg und dem kirchlichen Wohnungsbauunternehmen Joseph-Stiftung neben der katholischen Kirche im Rahmen des Modells „In der Heimat wohnen – ein Leben lang“ als ein innovatives Sozialprojekt gebaut worden.
Das Haus besteht aus fünfzehn 1, 1,5 und 2- Zimmer-Wohnungen mit Dusche und Kochnische. Daneben befinden sich das großzügige „Wohncafe“ und ein Caritas-Stützpunkt. Das Projekt ist eine Antwort auf den starken Wunsch der meisten Seniorinnen und Senioren, im Alter eine Heimunterbringung zu vermeiden, was mit dem Verlust selbständiger Lebensführung und sozialer Beziehungen gleichgesetzt wird.
„Gesunde“ und Menschen mit psychischen oder körperlichen Behinderungen leben hier integrativ im Alter zwischen 8 und 89 Jahren zusammen, der Altersdurchschnitt liegt etwa bei Mitte 50.
Koordination und Vernetzung
Dank der Finanzierung durch die „Elfriede und Sebastian Fackelmann Stiftung“ arbeitet eine Sozialpädagogin im Caritas-Stützpunkt direkt im Haus.
Als Sozialraumcasemanagerin ist sie für die Hausgemeinschaft, aber auch für das Stadtviertel da. Ihre Hauptaufgabe ist die Vernetzung der verschiedenen Dienstleistungen und Angebote aus dem professionellen, ehrenamtlichen und nachbarschaftlichen Sektor. Es gilt herauszufinden, wer etwas anzubieten hat und wer etwas braucht. Die Einbindung ehrenamtlicher und nachbarschaftlicher Leistungen ist dabei von ausschlaggebender Bedeutung und darum in diesem Projekt ein zentraler Ansatzpunkt.
Die Stärkung der Selbständigkeit und Entscheidungsfähigkeit der Menschen ist neben Beratung, Vernetzung und Hilfekoordinierung seine wichtigste Funktion. Es ist eine Gratwanderung, den Menschen durch eine solche Koordination nicht die Verantwortung für ihr eigenes Handeln abzunehmen. Sie selbst vertreten ihre Ansprüche auf Hilfeleistungen, wenn auch mit der Beratungskompetenz des Caritasverbandes im Rücken. Dies gilt für hauswirtschaftliche Dienstleistungen, Mittagstisch oder allgemeine soziale Beratung. Ganz besonders gilt dies – unabhängig vom Mietverhältnis – im Hinblick auf ambulante Pflege oder Maßnahmen der Eingliederung für Behinderte, die in den barrierefrei und behindertengerecht ausgebauten Wohnungen in jeder Leistungsstufe möglich sind. Pflegekräfte der ambulanten Caritas-Pflegestation sind täglich im Haus. Trotzdem müssen die Mieter keine Betreuungspauschalen zahlen und haben freie Wahl des Anbieters von Pflege- oder anderen Leistungen.
Hausgemeinschaft
Neben Autonomie und Selbstbestimmung der Einzelnen steht die Hausgemeinschaft als unter-stützender Faktor für eine positive Entwicklung von Lebensqualität und sozialen Fähigkeiten. Jeder Mieter kann so viel und so wenig am gemeinsamen Leben der Hausgemeinschaft teilnehmen, wie er will. Wer nicht allein sein will, muss es auch nicht sein. Man besucht sich gegenseitig und man fragt nach, wenn man jemanden ein paar Tage nicht gesehen hat. Dieser Faktor lässt sich nicht so leicht planen und entwickelt sich behutsam, weil jeder Mieter sein eigenes Maß an Nähe und Distanz entwickeln muss. Gemeinsame Interessen und ein „Wir“-Gefühl können nicht produziert werden, fallen aber auch nicht einfach vom Himmel. Die diskrete Gestaltung einer Atmosphäre, in der man sich wohl fühlt und Interesse aneinander entwickelt, ist eine Aufgabe, die viel Fingerspitzengefühl und Moderation erfordert. Denn was für den einen Mieter zu wenig an Gemeinschaft und Hilfe ist, versteht der andere als Bevormundung.
Über den Tellerrand hinaus
Längst ist das Projekt in eine zweite Phase übergegangen. Die Beratungs- und Vernetzungsangebote sollen sich ja nicht nur an die 17 Mieter des Hauses richten, sondern auch an das weitere Wohnumfeld. Darum öffnet zweimal in der Woche das „Wohncafé“, an dem sich die Stadt Hersbruck beteiligt und das sich als öffentliches Stadtteilcafé etabliert und für seine guten, selbst gebackenen Kuchen bekannt ist. Geführt wird es von Ehrenamtlichen, manche sind selbst Mieter im Haus, mache Mitglieder der benachbarten Kirchengemeinde. Dieser nicht-kommerzielle Kristallisationspunkt für das nachbarschaftliche Geben und Nehmen entwickelt sich in dem Maße, in dem sich Mieter und Anwohner darin und miteinander wohl fühlen. Über gemeinsames Kochen, Spiele-, Sing- und Bastelkreise, Vortragsabende, Filmabende, Hausaufgabenhilfen, Ausstellungen und Feiern werden so im Sinne des sozialräumlichen Denkens die Menschen im Wohnumfeld erreicht. Das Haus steht nicht wie eine Enklave im Quartier, sondern soll Ort der Vernetzung für alle die werden, die Gemeinschaftserfahrungen, Beratung, andere Hilfen oder einfach nur eine Tasse Kaffee nicht allein getrunken suchen.
Das Institut für Psychogerontologie der Universität Erlangen-Nürnberg begleitet dieses bisher in dieser Form neuartige Modellprojekt für zwei Jahre mit einem Forschungsprojekt. Es sollen Kriterien gelingenden Miteinanders in einem integrativen Wohnprojekt, aber auch sehr praktische Erfahrungen bei der Erstellung barrierefreien Wohnraums erarbeitet werden, die für eventuelle weitere Projekte wichtige Weichenstellungen liefern können.
Wer sich für dieses Projekt interessiert, ist herzlich eingeladen, sich zu engagieren oder einfach nur vorbei zu schauen – eine Tasse Kaffee gibt´s immer.


