Inhaltliches zur Reggio-Pädagogik

Bis die Puste ausgeht......

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Reggio-Pädagogik in Krippe, Kindergarten und Hort

Die Reggio-Pädagogik bildet die Grundlage unseres pädagogischen Handelns. Wir gehen vom wahrnehmenden und forschenden Kind aus, welches mit Energie, Neugier und Kreativität seine eigenen Kompetenzen entwickelt und schaffen so ein vielfältiges, motivierendes Lernangebot für Kinder und Jugendliche. Jedes Kind wird in seiner Individualität angenommen und wir unterstützen die Kinder und Jugendlichen darin, sich als wichtigen Teil der Gemeinschaft/Gesellschaft zu erleben. Unabhängig von sozialem Status, Lebenssituation, Geschlecht, Religion, Nationalität, Familienform und Kultur sehen wir in jedem Einzelnen einen geliebten Menschen Gottes. So versuchen wir eine Pädagogik der Vielfalt zu leben.

Das Kind als eifriger Forscher – Raum, Zeit und Ermutigung zum Forschen

Unser Bild vom Kind ist geprägt von der Annahme, dass es über ein großes Maß an Kompetenzen verfügen und bestrebt ist, diese zu erweitern. Das Kind lernt durch alltägliche Erfahrungen, durch Erkunden, Experimentieren und vor allem dadurch, dass es seine Entdeckungen, Erlebnisse und Empfindungen mit den ihm zu eigenen hundert Sprachen zum Ausdruck bringt. Loris Malaguzz, ein Mitbegründer der Reggio-Pädagogogik stellt fest:

„Die Kunst des Forschens besitzen die Kinder bereits, sie sind sehr empfänglich für den Genuss, den das Erstaunen bereitet. Die Kinder finden schnell heraus, dass sie gerade in dieser Fähigkeit einen großen Teil ihrer Lebensfreude finden und die Befriedigung von der Langeweile, die aufkommt, wenn man in einer unerforschten Welt lebt.“[1]

Das Leben und Lernen wird in der Reggio-Pädagogik verstanden als Möglichkeit zum Experimentieren und Forschen. Es geht darum neue Fragen zu stellen und sich auf Wege mit ungewissem Ausgang einzulassen. ErzieherInnen und Kinder betreiben jeden Tag Forschung. Neben dem Wissenserwerb und der Weiterentwicklung von Fähigkeiten geht es auch um die Frage, wer wir sein wollen und wie wir leben wollen.[2]

Der Glaube an die Kompetenzen des Kindes/des Jugendlichen, die es zu unterstützen gilt nimmt daher eine wichtige Rolle ein. Die Möglichkeit des Forschens und Erprobens ist für das Kind und die Kindergruppe zentral. Hierfür ist es nötig eine möglichst offene Tagesstruktur mit wenigen festen Elementen zu haben, denn nur so kann ausreichend Raum und Zeit für das zentrale Forschen der Kinder gegeben werden. Ein verplanter Tagesablauf wäre dem hinderlich. Somit findet man in Reggio-Einrichtungen keine festen „Kurse“ oder sonstige einengende Strukturen im Tagesablauf. Dies wirkt sich unmittelbar auf die Haltung des/der Erziehers/in aus, denn auch sie benötigt genügend Raum und Zeit um die Forschungen der Kinder zu begleiten. Wäre er/sie getrieben von Zeitdruck, könnte er/sie den Kindern weniger gut assistieren. Somit bildet ein ausreichendes Raum- und Zeitkonzept und die Ermutigung zum Forschen ein wesentliches Handlungsprinzip unseres pädagogischen Alltags.

Das Kind als Konstrukteur seines Wissens - Partizipation und Ko-Konstruktion

Die Reggio-Pädagogik versteht sich als eine Pädagogik des Werdens. Das Kind wird als Akteur seiner eigenen Entwicklung gesehen. Dem liegt der Glaube zu Grunde, dass Kinder und Jugendliche aus eigener Motivation heraus, nach ihren individuellen Interessen und Bedürfnissen lernen können.Das aktive Kind bildet sich aus eigener Initiative und mit den Mitteln, die ihm seine Umwelt bereitstellt. Das forschende, kompetente, aktive Kind erobert und entschlüsselt sich seine Welt somit selbst und von innen heraus. Das heißt, Kinder und Jugendliche eignen sich ihre Umwelt an, indem sie Erfahrungen in bestimmten Lebenssituationen machen. So vollziehen sich Bildungsprozesse in der unmittelbaren Beteiligung von Kindern an ihrer Lebenswirklichkeit. Der Partizipation von Kindern in allen sie betreffenden Entscheidungen und im Besonderen im Bereich ihrer eigenen Entwicklung und Wissensaneignung kommt hierbei eine grundlegende Bedeutung zu.[3]

Daneben wird das Kind als durchwegs soziales Wesen gesehen, welches sich mitteilen möchte und nach Gemeinschaft sucht.

Das Erleben von Selbstwirksamkeit und Partizipation zählen hierbei zu wichtigen Zielen des pädagogischen Handelns. Unter dem Aspekt der Ko-Konstruktion kommt der Arbeit in Klein- statt in Großgruppen ein besonderes Gewicht zu. Fast durchwegs wird auf Großgruppen verzichtet und Kleingruppen den Vorrang gegeben. Dies unterstützt den Austausch der Kinder untereinander in hohem Maße und Kinder können sich nach ihren Interessen leichter zusammen finden. Somit wird in Klein- und Interessengruppen gearbeitet und dem Aspekt der Ko-Konstruktion eine gute Basis gegeben.

Die hundert Sprachen des Kindes - Freiwilligkeit und Offenheit

Die Reggio-Pädagogik vertritt die Annahme, dass jedes Kind über eine große Fülle an Ausdrucksmöglichkeiten verfügt. In diesem Zusammenhang wurde der Begriff der hundert Sprachen geprägt. Demnach eröffnen wir den Kindern die Möglichkeit, sich auf viele unterschiedliche Weisen auszudrücken. Wenn sich Kinder mit Themen beschäftigen, begleiten ErzieherInnen sie dabei, sich mit dem Thema intensiv auseinander zu setzen, indem sie verschiedene Ausdrucksmöglichkeiten ausschöpfen. Hundert steht hier als Synonym für unendlich viele Sprachen. In diesem Sinn verstehen wir unter hundert Sprachen vielfältigste Art von Ausdruck. Im Mittelpunkt stehen das künstlerische Arbeiten im Atelier und das Theaterspiel. Diese Sicht des Kindes fordert eine vielfältige und abwechslungsreiche Form des Lernens, dass den individuellen Ausdruck von Ideen, Gedanken und Empfindungen zum Ziel hat. Hierbei spielt die Freiwilligkeit eine zentrale Rolle, da jedes Kind selbst für sich entscheiden kann, WAS es WIE tut. Dies bedeutet konkret, dass das Kind selbst seine Ausdrucksform wählen kann. Hierbei geht es nicht nur um den Umgang mit Farben und Papier, zu den Ausdrucksformen zählen weiterhin: Theater, Literatur, Tanz, Bau & Konstruktion, moderne Medien, Skulpturen u.a. Somit findet man im Kinderhaus Leo individuelle Werke ganz unterschiedlicher Form und keine Massenware. Es gibt weder Anweisungen oder Aufgaben für alle, noch vorgefertigte Schablonen oder vorgeschriebene Techniken. Demnach sind die Werke der Kinder auch nicht auf ein gewisses Ziel ausgerichtet, das Entwickeln von Ideen, das Ausprobieren und Umsetzen sind offen und in keiner Weise ergebnisorientiert. Vorstellungen und Ideen der Erwachsenen treten komplett in den Hintergrund, vielmehr steht das Kind mit seiner Idee im Mittelpunkt. Oftmals entstehen gerade dadurch unkonventionelle Ergebnisse. Die Offenheit in der Arbeit ermöglicht es den Kindern sich konkurrenzfrei und natürlich zu begegnet, was eine wesentliche Grundlage für Toleranz und Respekt ist. Darüber hinaus geht es neben des individuellen Ausdrucks immer auch um ein Sich-Mitteilen und so an der Gemeinschaft teil zu haben.

[1]vgl. Malaguzzi, L.1984 S. 4

[2]Vgl. Viernickel, S. u. Stegner, U. 2010 S. 45

[3] vgl. Lingenauber, S. 2007 S. 23 - 25