Wertvolle Anlaufstelle für trauernde Väter und Mütter
Magdalena Dotterweich und Gabriela Pöll leiten seit 1992 die Selbsthilfegruppe „Verwaiste Eltern Bamberg“
Der Frühling hat Einzug gehalten. Mit der schönen Jahreszeit assoziieren wir Sonnenschein, blühende Landschaften – und natürlich fröhlich spielende Kinder. Umso tiefer stürzt der Tod der eigenen Tochter oder des eigenen Sohnes Eltern in ein Meer der Trauer, der Tränen und der inneren Leere. Mehr als 20 000 Kinder und junge Erwachsene sterben jährlich allein in Deutschland. Sei es durch Krankheit, Suizid, Unfall, plötzlicher Kindstod oder der Tod eines ungeborenen Kindes – die Mütter und Väter werden durch einen solch schrecklichen Schicksalsschlag völlig aus der Bahn geworfen.
In dieser veränderten Lebenssituation, wenn das Leben ohne Zukunft erscheint, tut es gut, zusammen mit anderen betroffenen Eltern sich auszutauschen, Geborgenheit in der Trauer zu finden – aber auch nach Wegen zu suchen, nach dem Verlust des Kindes dem zunächst sinnlos erscheinenden Leben doch wieder einen Sinn zu geben.
Diese Geborgenheit können trauernde Mütter und Väter aus dem Stadt und Landkreis seit 1992 in der Selbsthilfegruppe „Verwaiste Eltern“ Bamberg finden. Aus eigener leidvoller Erfahrung wissen die beiden engagierten Leiterinnen der Gruppe, Magdalena Dotterweich und Gabriela Pöll, wie sich Eltern fühlen, die ihr eigenes Kind beerdigen müssen.
Kompetent durch ihre Ausbildung zu Trauerbegleiterinnen über die Erzdiözese Bamberg und – nicht zuletzt bedingt durch ihre persönliche Geschichte – leiten die beiden mit sehr viel Einfühlungsvermögen die regelmäßigen Gruppentreffen jeden ersten Donnerstag im Monat um 20 Uhr (im Juni wegen des Feiertags erst am zweiten Donnerstag, den 10. Juni) im 1. Stock des Christine-Denzler-Labisch-Hauses (Hospizhaus) in der Lobenhofferstraße 10 in Bamberg nahe des Klinikums.
Es handelt sich um eine offene Gruppe für Mütter und Väter, aber auch für Angehörige, die um ein verstorbenes Kind trauern. Die Teilnehmer kommen aus Stadt und Landkreis Bamberg und Forchheim. Es besteht kein Zwang, regelmäßig zu erscheinen –die Betroffenen können selbst nach ihren Bedürfnissen entscheiden.
Die Leiterinnen, die ihren Dienst völlig ehrenamtlich ausüben und kostenlos anbieten, spüren bei den Treffen immer wieder, wie gut es vielen Betroffenen tut, zu berichten von ihrer Trauer, ihrer Hilflosigkeit und ihren mühevollen Versuchen, ihr Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Die Treffen vermitteln den Gruppenmitgliedern das Gefühl, dass sie nicht allein sind in ihrer Verzweiflung und Trauer – darin lag auch die Motivation, vor 18 Jahren die Selbsthilfegruppe ins Leben zu rufen.
Draußen in der hektischen Alltagswelt, wo jeder nur funktionieren muss, wird das Thema oft tabuisiert, Freunde und Bekannte reagieren plötzlich unsicher oder wenden sich gar ab. Und wie sollen Eltern mit den Geschwistern des verstorbenen Kindes umgehen? Fragen über Fragen - nach dem Tod des eigenen Kindes ist nichts mehr im Leben wie es war. Mitten in dieser Orientierungslosigkeit soll die Selbsthilfegruppe „Verwaiste Eltern“ neuen Halt geben. Hier können sich die Betroffenen aussprechen und finden Verständnis für ihre Probleme im Umgang mit dem Schicksalsschlag.
Trauer braucht Raum und Zeit. Wie lange der Abschied von Tochter oder Sohn her ist, auf welche Art und Weise das Kind aus dem Leben gerissen wurde und welcher Konfession der Betroffene angehört, spielt keine Rolle. „Jeder ist herzlich willkommen und wird angenommen“, betonen die Gruppenleiterinnen. Das wird auch bei den monatlichen Treffen deutlich – der Geist des Zuhörenkönnens und des liebevollen Verständnisses für die Geschichte der anderen Eltern ist förmlich spürbar.
Wichtigster Grundsatz der Gruppe ist dabei immer: „Was in der Gruppe besprochen wird, bleibt in der Gruppe“ – nur so ist Vertrauen und Sichfallenlassen möglich.
Magdalena Dotterweich und Gabriela Pöll informieren bei den Treffen darüber hinaus auch über Freizeitangebote der Familienseelsorge des Erzbischöflichen Ordinariats wie Wanderungen oder spezielle Wochenenden für trauernde Eltern. Außerdem verleiht die Selbsthilfegruppe unentgeltlich themenspezifische Literatur zum Thema „Trauer“. Mehr als 50 Bücher stehen hier zur Auswahl.
Betroffene sind jederzeit herzlich eingeladen, unverbindlich beim nächsten Treffen ins Christine-Denzler-Labisch-Haus zu kommen.
Für Fragen und Informationen stehen Magdalena Dotterweich (0951 / 58340) und Gabriela Pöll (09544 / 983324) gerne zur Verfügung. Wer sich per E-Mail an die Selbsthilfegruppe wenden möchte, kann schreiben an „verwaiste-eltern.bamberg@web.de“
Autor: Mario Deller aus: Vergiss mein nicht (Ihr Trauer-Ratgeber in Franken). Sonderheft des Fränkischen Tags. Mai 2010
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