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Der Trauer einen Raum geben
Jürgen Kaufmann veröffentlicht zweiten Band zu Offenen Trauerandachten in St. Klara in Nürnberg
Pastoralrefernt Jürgen Kaufmann an der Wand der Trauer und Klage, die sich seit dem Umbau der Nürnberger St.-Klara-Kirche im Jahr 2007 in deren Kirchenraum befindet.

Menschen machen immer wieder die Erfahrung, das sie mit ihrer Trauer alleine stehen, dass sie Probleme bekommen, weil ihre Trauer um einen lieben Menschen in ihrer Umgebung nicht auf Widerhall stößt. Nicht wenige Menschen denken, dass es mit der Trauer aber auch einmal ein Ende haben müsse. Aber viele trauernde Menschen wissen es besser, weil sie es anders erfahren.

Ein Helfer in Trauerzeiten kann das neue Buch von Pastoralreferent Jürgen Kaufmann aus Nürnberg mit dem Titel, Du hast mein Leben dem Tod entrissen sein. Darin enthalten sind offene Trauerandachten, wie sie seit 2003 in der Nürnberger St.-Klara-Kirche regelmäßig gehalten werden.

Es ist bereits das zweite Buch da Jürgen Kaufmann zu den Trauerandachten in St. Klara verfasst hat. "Zum ersten Buch und den Andachten kamen Nachfragen aus ganz Deutschland" erzählt er im Gespräch mit dem Heinrichsblatt in Nümberg. So entschied er sich, einen zweiten Band herauszugeben.

Die Trauerandachten, die immer am letzten Freitag im Monat um 19.30 Uhr stattfinden und jedesmal unter einem anderen Thema stehen, zählen zu den Säulen im Angebot der Offenen Kirche St. Klara. Äußere Zeichen ist dabei die seit dem Umbau der Kirche im Jahr 2007 fest installierte Wand der Trauer und Klage in der Kirche. Im rechten vorderen Teil des Kirchenschiffs, direkt vor der Stele des alten Marien-Kunstaltars aus dem 16. Jahrhundert, ersetzt sie den früheren Mess-Seitenaltar aus der Zeit vor dem Umbau.

Trauerhilfe als sakramentales Anliegen - ein Gedanke, der nach den Worten von Jürgen Kaufmann nicht völlig falsch ist. "Trauer soll hier in St. Klara einen ebenso festen Platz haben wie andere kirchlichreligiöse Vollzüge" erläutert er die Grundidee. "Wir wollen einen Raum für Trauer bieten und die Trauer kirchlich neu besetzen." So sind die Trauerandachten seil 2003 ein fester Bestandteil im Angebot von St Klara. Und dass die Verantwortlichen mit diesem Angebot genau richtig lagen und liegen, zeigt die Resonanz auf die Andachten von Anfang an. ,,Zwischen 40 und 70 Leute jeden Alters nehmen im Schnitt diese Angebot wahr' erzählt Jürgen Kaufmann. "Zu den Trauerandachten kurz vor Heiligabend kamen bisher immer weit über 100 Leute."

Aus dieser allgemeinen Trauerandacht haben sich schon früh besondere Feiern für Zielgruppen heraus gebildet: Jeden zweiten Monat veranstaltet die Offene Kirche St. Klara eine Andacht für verwaiste Eltern. Eine Andacht für Hinterbliebene nach Suizid findet zweimal im Jahr statt. Eine weitere Sonderform kam jetzt neu hinzu: So gibt es nun auch eine Gedenkfeier für verstorbene Drogenkonsumenten.

Hilfreich und heilsam

"Das Recht auf Zweifel, auf Hader, auf Zorn, gerade mit diesem Gott, der ihnen stets als ein Gott des Leben vermittelt wurde, muss den Trauernden ohne Wenn und Aber zugestanden werden" konstatiert Jürgen Kaufmann. ,Es muss in den Andachten seinen angemessenen Ausdruck finden. Viele Reaktionen der vergangenen Jahre bestätigen uns das. Gerade die  Bestärkung, auch zweifeln zu dürfen und Schwäche zuzulassen haben viele Betroffene als hilfreich und heilsam erfahren."

Manche Anregungen, Äußerungen und Redaktionen sind in die Gestaltung der Trauerandachten mit eingeflossen und finden sich nun auch im zweiten Band wieder. Das 144 Seiten starke Buch enthält Andachten, die in der Zeit zwischen dem ersten und dem zweiten Band entstanden sind. Genau wie jene im ersten Buch sind auch sie in der Praxis erprobt und nach ersten Erfahrungen zum Teil abgerundet worden. "Und genau wie jene im ersten Band sind sie zwar zunächst für Menschen gedacht, die mit eher traditionellen Angeboten nicht mehr viel anfangen können", so Kaufmann. "Zugleich aber können sie für Gemeinden als Ergänzung zu den klassischen Trauerangeboten dienen."

Nach Jürgen Kaufmanns Worten ist diese Art von Trauerandachten nicht unbedingt ein Konzept nur für die Großstadt, so wie es Nürnberg ist. "Das Ganze ist auch auf den ländlichen Raum übertragbar", weiß er aus eigener Erfahrung in der Fränkischen Schweiz. Und diese speziellen Andachten, die sich von einem normalen Trauergottesdienst unterscheiden, richten sich vor allem auch an kirchenferne Menschen.

Die im Buch "Du hast mein Leben dem Tod entrissen" enthaltenen Trauerandachten erheben keinen Anspruch auf Perfektion und können direkt übernommen werden.

Kaufmann: "Manche Texte, besonders die so genannten Meditationen, können aber durchaus gekürzt werden, ohne dass die Substanz im Kern getroffen wird. Kurze Gedanken, eindringliche Sätze und Worte sind bei einem entsprechenden Vortrag manchmal hilfreicher als lange Litaneien."

Für Jürgen Kaufmann wäre es schön, wenn sein Buch eines erreichen würde: ,,Regelmäßige Trauerandachten können helfen, Hinterbliebenen die Angst zu nehmen, dass der verstorbene Mensch allmählich in Vergessenheit gerät. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt, denn: Nur wer vergessen ist, ist wirklich tot."

Jürgen Kaufmann: "Du hast mein Leben dem Tod entrissen. Offene Trauerandachten",
erschienen im Verlag Katholisches Bibelwerk GmbH, Stuttgart. 144 Seiten, Preis: 15,60 Euro

Autor: Andreas Kuschbert. Heinrichsblatt

Datum: 01.06.2010
Erwachsenenpastoral - Familie
Dateien zum Download
Heinrichsblatt Juni 2010. Der Trauer einen Raum geben (551 KB)
Weiterführende Links:
Offene Kirche St. Klara Nürnberg