Ökumenische Alltagsexerzitien auch im Gefängnis„Anleitung zum tiefsinnigen Nachdenken“ Bayreuth (ad) – Die Skepsis der Teilnehmer war anfans groß: „Exerzitien – was ist das“, formulierte ein Teilnehmer zu Beginn. Schon bei den Gruppentreffen stellte sich heraus, dass die Gefangenen größtenteils begeistert von ihren Erfahrungen berichteten. 15 Männer, Straftäter mit teilweise sehr hohen Haftstrafen absolvierten mit Gefängnisseelsorger Alexander Doerfler den Weg der ökumenischen Alltagsexerzitien in der JVA Bayreuth. Jeweils dienstags trafen sich die Teilnehmer in der Sakristei zu ihrem Gruppentreffen. In der Karwoche war das letzte Gruppentreffen mit einem gemeinsamen Gottesdienst und einer Agape. Den Gefangenen war es gelungen, die Impulse auch mit ihrem Haftalltag in Verbindung zu bringen. Die Anregungen des Exerzitienheftes brachten die gestandenen Männer zum Nachdenken. Betont wurde die Vertiefung des Gruppenerlebnisses. Obwohl manche Gefangene sich als Einzelgänger bezeichnen, war es wohltuend zu wissen, da gibt es einige, die am gleichen Strang ziehen und ihren Glauben vertiefen wollen. Ohne das Exerzitienbuch und die Vorgabe regelmäßig die Tagesimpulse zu bearbeiten, hätten die Gefangenen diese religiöse Besinnung nicht geschafft, hieß es zum Abschluß der Gruppentreffen. „Ich habe die Impulse als eine Anleitung zum tiefsinnigen Nachdenken empfunden. Dies kommt im Haftalltag sonst kaum vor“, resümierte ein weiterer Teilnehmer. Überraschend ließen sich die Gruppenteilnehmer auch auf gemeinsames Singen in der Gruppe ein. Ein Gefangener hielt dies für so erstaunlich, dass er anmerkte: „Ich kann es kaum glauben, hier sitzen Straftäter mit langjährigen Haftstrafen am Tisch und singen gemeinsam christliche Lieder bei CD-Begleitung.“ Auch nicht-deutsche Strafgefangene waren in der Gruppe. Ein junger polnischer Gefangener berichtete von seinen Schwierigkeiten die Texte zu verstehen und verwies darauf, dass er wegen seinem Sprachproblem lieber jeden Tag in seiner polnischen Bibel gelesen hat. Pastoralreferent Alexander Doerfler, Gefängnisseelsorger in der JVA Bayreuth, in der fast eintausend Gefangene untergebracht sind, zog ein durchweg positives Fazit: „Es war gut, dass ich mich von der anfänglichen Skepsis der Teilnehmer nicht irritieren ließ. Exerzitien sind eben auch ein Einübungsweg. Man darf sich dabei nicht von seinem Kurs abbringen lassen. Nachdem wir dieses Jahr wirklich sehr positive Erfahrungen gemacht haben, könnten die Alltagsexerzitien zum festen Bestandteil meiner Gruppenarbeit mit den Gefangenen werden.“ Zum letzten Treffen in der Karwoche gab es auch selbstgebackenes Osterbrot. Ein Osterfrühstück ist leider in der JVA nicht umsetzbar. Veröffentlicht in: Heinrichsblatt – Bistumszeitung Erzdiözese Bamberg Nr. 14 – vom 7.04.2013
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