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Patrozinium „Mariä Opferung“ am 21. November –  Unsere Liebe Frau in Jerusalem

Deutung einer Legende

Patronatsfest
Unsere Vorfahren haben im 19. Jahrhundert für die Kirche das Patrozinium „Mariä Opferung“ gewählt. Von einer solchen Darbringung Mariens ist nun in der Bibel nichts zu finden. Die Überlieferung stützt sich auf das apokryphe Protoevangelium des Jakobus, das nicht Eingang in den Kanon der Bibel gefunden hat. In der römischen Kirche wurde das Fest zunächst abgelehnt, doch hat es sich seit dem 14. Jahrhundert allmählich durchgesetzt. Im Osten dagegen wurde es seit dem 6. Jahrhundert als Marienfest gefeiert.

In der Zeit der Errichtung unserer Kirche erschien die „Große illustrierte Heiligenlegende“ von Albert Werle (Ulm vor 1858, S. 1082 f). Der Verfasser kommentierte zur Erbauung der Leser Legenden. Die Kindheit Mariens z. B. wurde in der Erzählung von der Opferung Mariens idealtypisch ausgestaltet. Wir würden einen solchen Text missverstehen, wenn wir heute fragten: Was ist wo, wann und wie passiert. Das können wir bei einer alten Legende aus dem zweiten Jahrhundert nicht machen. Wahr ist die Erzählung in dem Sinn, daß Maria sich ganz für Gott geöffnet hat, und zwar von Beginn ihres Lebens an, so daß sie eines Tages die beispielhaften Worte sprechen konnte: „Siehe ich bin die Magd des Herrn!“

In dieser Heiligenlegende wird mehr über die Eltern als über das Kind ausgesagt. Absicht der Erzählung ist daher, den Eltern zu sagen, keine Mühe zu scheuen, um die Kinder im Glauben zu erziehen. Durch diese Deutung bekommen wir heute einen Zugang zu der Geschichte.

Die ganze Betrachtung zu „Mariä Opferung“ aus dem o. g. Buch ist hier wiedergegeben, um einen Einblick in die Frömmigkeit unserer Vorfahren zu gewinnen, die den ersten Kirchenbau durchgeführt haben. Die damalige Schreibweise wurde beibehalten. Ergänzungen sind durch die eckigen Klammern [...] gekennzeichnet.

21. November. Mariä Opferung

Patronatsfest
Erst im Jahre 1375 wurde das heutige Fest in Frankreich und Deutschland eingeführt, durch Papst Pius II. im Jahre 1460 in der ganzen Kirche ausgebreitet, und von seinem Nachfolger Paul II. i. J. 1464 durch eine Bulle förmlich angeordnet, während es in der morgenländischen Kirche schon im vierten Jahrhundert gefeiert wurde.

Wir lesen in den heiligen Schriften, wie gnädig Gott das Opfer Abels aufgenommen, wie er das Opfer Noahs durch den Regenbogen heiligte, und mit welchem Wohlgefallen er die Bereitwilligkeit Abrahams, ihm seinen Sohn als Opfer darzubringen, ansah, und obwohl er die Opferung hinderte, dessen Nachkommenschaft dafür mit dem reichsten Segen belohnte.

Bei den Juden mußten neugeborene Kinder nach dem mosaischen Gesetze Gott im Tempel dargebracht werden. Aber auch freiwillig war die Darbringung; und wie einst die dankbare Anna den Knaben Samuel, so opferten Joachim und Anna Gott die ihnen von ihm geschenkte Tochter, als dieselbe drei Jahre alt war, aufs Neue dem Herrn. Zu diesem Schritte bestimmte die heiligen Eheleute ihr dem Herrn geleistetes Gelübde; denn als sie bis ins Alter unfruchtbar waren, gelobten sie Gott, wenn er sie mit einem Kinde segne, und die Schmach der Unfruchtbarkeit von ihnen nehme, dasselbe zu dessen Dienste im Tempel aufzuopfern.

Der Herr erhörte ihre Bitte, und hat sie also gesegnet, daß ihnen das hochgebenedeite Kind zu Theil wurde, nämlich Maria, die allerseligste Jungfrau. Nach der ersten Darbringung im Tempel behielten sie noch drei Jahre lang ihr hoch begnadigtes Kind bei sich, und erfreuten sich an dessen Umgange. Aber bereit, auch ihr Liebstes dem Herrn zu opfern und ihr Gelübde zu erfüllen, begaben sie sich mit ihrem dreijährigen Töchterlein nach Jerusalem in den Tempel, stellten es dem Priester dar, und weihten es durch dessen Hände dem Dienste des Allerhöchsten. Maria schon in ihrem zarten Alter mit dem vollkommenen Gebrauche ihrer Vernunft begabt, willigte nicht nur mit Freuden in die Opferung ihrer Eltern, sondern sehnte sich auch, weil sie die Hoheit dessen, dem sie aufgeopfert wurde, mehr als alle andere[n] erkannte, nach dem Augenblicke der Aufopferung. Mit freudestrahlendem Angesichte betrat sie den Tempel. Ihr Herz war von der heiligsten Liebe zu Gott und dessen Dienst erfüllt, und mit der innigsten Andacht und Ehrerbietung nahte sie sich dem Priester, dessen Händen sie zur Vollziehung und Aufopferung übergeben wurde. Der Priester, voll Staunen über die Schönheit, die Andacht und Sittsamkeit des zarten Mägdleins führte sie zum Antritte des Altars und stellte sie auf die unterste Stufe. - Mit wenigen Worten nahm sie Abschied von ihren Eltern, eilte dann mit voller Freude ohne fremden Beistand schnell bis zur obersten Stufe, warf sich dort vor dem Altare nieder, und opferte sich Gott mit solcher Demuth und Inbrunst, daß alle Anwesenden aufs Innigste gerührt wurden. Diese Aufopferung war freiwillig von Seiten des Kindes und der Eltern und deßhalb schon um so mehr Gott ein wohlgefälliges Opfer.

Wie ganz anders fand diese Handlung oft bei anderen statt? Manche Eltern hatten die Aufopferung ihrer Kinder gelobt, aber diese begriffen es nicht; mit Thränen und Klagen schieden sie von ihren Eltern, weil keines von ihnen in so zarten Jahren die Bedeutung dieser Ceremonie verstand; keines hat sich mit solcher Andacht, mit solcher Bereitwilligkeit und Freude Gott geweiht, wie die allerseligste Jungfrau. Sie allein hat trotz ihres zarten Alters die Wichtigkeit dieser Handlung begriffen; sie allein hat mit Freuden in dieses Opfer ihrer Eltern eingewilligt, sie allein hat sich mit vollem Bewußtsein dieses heiligen Dienstes Gott gewidmet. Gewiß dürfen wir glauben, daß dieses Opfer Gott das wohlgefälligste war, daß ihm je dargebracht wurde. Nicht Abel´s, nicht Aaron´s noch Anderer Opfer waren Gott so angenehm. Diese opferten Früchte des Feldes oder ein Stück von ihrer Heerde [Herde], Maria aber hat sich selbst geopfert.

Die Kinder anderer Eltern, die geopfert wurden, trennten sich von diesen mit Thränen und vielleicht mit Widerwillen gegen ihre künftige Bestimmung; Maria aber, an Unschuld und Gnade, an himmlischen Gaben und Tugenden reich, eilte mit Freuden dem Dienste Gottes entgegen, dessen Bestimmung Sie in seinem vollen Umfange erkannt hatte, darum ist es auch Gott das angenehmste gewesen. Nach vollbrachtem Opfer wurde Maria in die bestimmte Wohnung geführt und andern dem Dienste Gottes gewidmeten Jungfrauen zugetheilt. Daselbst verblieb sie bis zu ihrer Vermählung mit dem heiligen Joseph. Wie sie während der ganzen Zeit ihres dortigen Aufenthaltes ihr Leben hingebracht habe, läßt sich eher betrachten, als mit Worten beschreiben. Ihre ganze Beschäftigung bestand im Beten, Lesen, Betrachten und Arbeiten.

In den Schriften des heil. Hieronymus findet sich eine Predigt von der Geburt Maria, in welcher ihr im Tempel geführtes Leben auf folgende Weise beschrieben wird: die seligste Jungfrau war bemüht, alle, die mit ihr zusammen wohnten, in Allem zu übertreffen; im nächtlichen Wachen die Erste zu sein; die heil. Schriften aufs Gründlichste verstehen zu lernen; in Demuth am tiefsten sich zu erniedrigen; die Psalmen Davids aufs Andächtigste abzusingen, in der Liebe Gottes am innigsten zu beten; in der Reinigkeit die Vollkommenste zu werden, und in allen Tugenden sich auszuzeichnen.

Alle Eltern können daraus lernen, wie sie ihre Kinder für Gott erziehen, wie sie alle Fähigkeiten des Geistes zur Erkenntniß Gottes in ihnen entwickeln, wie sie alle Anlagen ihres noch unverdorbenen Herzens durch Religion veredeln sollen. Durch das gnadenbringende Bad der Taufe gereinigt, und eingeführt in das Heiligthum Gottes, in die Gemeinschaft der Auserwählten, deren Haupt Jesus ist, sollen sie auch gereinigt bleiben als würdige Genossen jener Gemeinschaft und heilige Glieder des Leibes Jesu.

Dazu sind Eltern und Jugenderzieher verpflichtet. Sie müssen darauf hinarbeiten, daß die Unschuld der Kinder von Jugend auf rein und der Dienst des Herrn freudig fleckenlos bewahrt worden. Mögen aber auch die Kinder in der Bereitwilligkeit, Folgsamkeit und Tugend der seligsten Jungfrau einen mächtigen Antrieb zur Nachfolge finden. Nicht alle sind zwar berufen, im Dienste des Tempel in der Einsamkeit zu leben, aber alle sind berufen zur Heiligung, die nur durch Tugend erreicht werden kann, welche aus der allzeit sich mehrenden und reinigenden Liebe Gottes hervorgeht.

Unschuld und Reinheit des Herzens, ihr Jungfauen und Jünglinge, ist der Jugend Schmuck, ist aller Tugend Krone! Der Unreine wird nicht eingehen in das Reich Gottes; aber die Reinen werden Gott schauen und selig sein. Lernet daher hochschätzen die zarte Blüthe eines unschuldigen Herzen und keuchen Sinnes, und bewahrt sie! Lernet von der seligsten Jungfrau, dem Muster der Reinheit und Tugend, den Geist des Gebets, lernet von ihr Demuth und Sittsamkeit, Lostrennung vom Bösen und von Allem, was zum Bösen führt!

Was hat uns Mariä Opferung heute zu sagen?

Patronatsfest
Wir dürfen die Geschichte auf uns anwenden. Unsere Eltern stellten uns mit der Taufe und der religiösen Erziehung auf einen Weg, den sie als wertvoll empfanden. Bei unserem Patronatsfest ist es angebracht, auf unser Leben zurückzublicken und uns die Frage zu stellen: Welchen Weg sind wir gegangen? Hat unser Leben mit dem Herrn etwas zu tun? Welchen Inhalt haben wir unserer Taufe gegeben?

Im Festkalender der Kirche heißt das ehemalige Fest „Mariä Opferung“ heute „Gedenktag Unserer Lieben Frau in Jerusalem“. Damit wird durch die Liturgie der Kirche kein eigentlicher Festinhalt mehr vorgegeben. Ursprünglich handelt es sich wohl um den Gedenktag der Einweihung der ältesten Marienkirche in Jerusalem.

„Der große Wochentagsschott“ (Teil 2, Freiburg 1975, S. 1726) gibt als Einführung in den Tag folgenden Kommentar: „´Mariä Opferung´ ist als geschichtlicher Vorgang sehr fragwürdig; richtiger wird es sein, Maria selbst als den lebendigen Tempel Gottes zu ehren; durch das vorbehaltlose Ja zu ihrer Berufung ist Maria die heilige Stadt Gottes geworden, die Erfüllung des alten Jerusalem und das Urbild der christlichen Kirche.“

Auch wenn unser Patronatsfest in der ganzen Bibel nicht vorkommt, können wir heute doch noch einen Zugang zu dem Inhalt des Tages bekommen, da wir es als ein Marienfest feiern.

Das Tagesgebet vom 21. November im Messbuch zeigt uns den Weg:

Gütiger Gott,

wir gedenken am heutigen Tag

der seligen Jungfrau Maria,

die du mit der Fülle deiner Gnade beschenkt hast.

Höre auf ihre Fürsprache

und lass auch uns am Reichtum deiner Gnade teilhaben,

damit wir mit ganzer Hingabe und frohem Vertrauen vor dir leben.

Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,

der in der Einheit des Heiligen Geistes

mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit.

Amen.

Die Feier des Patronatsfestes soll als lokaler Feiertag erhalten bleiben. Bis 1994 konnten wir den Tag am arbeitsfreien evangelischen Buß- und Bettag feiern, der in die gleiche Woche fiel wie der Gedenktag am 21. November. Ab 1995 haben wir das Patronatsfest auf den Samstag vor dem Christkönigsfest verlegt (wegen der Streichung des Feiertages).

Gestaltung des Patronatsfestes

Patronatsfest
Der Vormittag steht im Zeichen des Festgottesdienstes. Am Nachmittag wird bei der Andacht die Marienlitanei gesungen. In früheren Zeiten war nach dem Gottesdienst ein kurzer eucharistischer Umgang zur Hauptstraße. Wegen der meist schlechten Witterung wurde er aber nicht mehr durchgeführt.

Zum Patronatsfest organisiert seit 1985 der Pfarrgemeinderat eine Ausstellung zu wechselnden Themen, die Bücherei richtet eine Verkaufsausstellung mit Kaffee-Nachmittag aus, eine Filmvorführung zieht die jungen Menschen an, oft findet ein Theaterabend oder eine musikalische oder literarische Abendveranstaltung statt, so dass der Tag die Menschen auch außerhalb des Gottesdienstes zusammenführt.

Bisherige Ausstellungsthemen:

1985 Bilder von Gerd Leiser, Bubenreuth

1986 Alte Fotos: Poxdorf - wie es einmal war

1987 Anläßlich der Einweihung Tag der Offenen Tür und Buchausstellung der Bücherei

1988 Holzschnitzarbeiten von Anton Kohlert, Poxdorf

1989 Fotos vom ehemaligen Flüchtlingslager in Hagenau von Adolf Gottfried, Poxdorf

1990 Bilderausstellung von Sylvia Mukherjee, Burk

1991 Fränkische Impressionen, Bilder von Helmut Glaßl, Bubenreuth

1992 Poxdorfer Bilderbuch, Fotoausstellung

1993 Bilder von Manfred Knöttner, Hagenau

1994 Handarbeiten von Annette Strathmann-Voß

1995 Fränkisches Fachwerk - Zeichnungen von Otto Voit, Kersbach

1996 40 Jahre Pfarrei Poxdorf - Ausstellung zur Geschichte der Kirchengemeinde

1997 Fränkische Festtagstrachten und Festtagsschmuck mit Frau Engelhardt, Frau

Rosenbauer und Herrn Forster

1998 100 Jahre Puppenkultur – Sammlung von Christina Hillmer

1999 Farbe und Stimmung zur Jahrtausendwende – Aquarelle u. Zeichnungen von Gerd Leiser und Johann Kreuzer

2000 Poxdorfer Bilderbogen – Fotos von Kreisheimatpfleger Otto Voit

2001 Zeit zum Entspannen – Freude an der Kunst – Frau Bengel u. Frau Stratmann-Voß

2002 Quiltarbeiten und alte Fotos von Adolf Gottfried

2003 Bibelausstellung zum Jahr der Bibel

2004 Vor 20 Jahren Kirchenrenovierung u. Altarweihe – Fotos

2005 Fränkische Impressionen – Manfred Knöttner zum Gedächtnis

2006 50 Jahre Pfarrei Poxdorf – Bilder und Dokumente

2007 Bücher über Franken und Karikaturen von Horst Engelskircher

2008 Mode und Überraschungen (Erzsebet Molnar) und Gedrechseltes Holz (Helmut Bokämper)

 

2009 „Schönheiten am Weg“ – Fotos von Peter Duk

2010 „Blickwinkel Franken“ Aquarelle von Ardian Dika, Erlangen

2011 Ausstellung  von Poxdorfer Trachten - „Der Tracht treu geblieben“

2012 „Basst schoo“ – Fotos aus der fränkischen Heimat von Fam. Knapp, Fürth