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Ein Hoch auf Deinhardt - Männerwirtschaft in Wohlmutshüll

Ein Hoch auf Deinhardt - Männerwirtschaft in Wohlmutshüll
Ein Hoch auf Deinhardt - Männerwirtschaft in Wohlmutshüll
Keiner der Teilnehmer war schon einmal in Wohlmutshüll bei Ebermannstadt. Dabei ist dieser Ort zwar klein aber bedeutsam. Denn hier fand nach dem 2. Weltkrieg die erste demokratische Bürgermeisterwahl statt, nachdem während der Nazi-Herrschaft kein Bewohner NSDAP-Mitglied war und damit keiner als Bürgermeister wählbar war. Der Ort wurde auf Weisung der Machthaber daher von Ebermannstadt aus verwaltet. Die Amerikaner honorierten nach Kriegsende diesen passiven Widerstand der Einwohner und ließen im Sommer 1945 erstmals in ihrem Einflussbereich einen Bürgermeister wählen.

Aus Wohlmutshüll stammen mehrere Geistliche, darunter auch Gabriel Deinhardt, geb. am 12. Juni 1914. Er besuchte im Ort die einklassige Volksschule und wurde in ein Internat geschickt, da von seinem Wohnort aus kein Gymnasium zu erreichen war. Nach dem Abitur und dem Studium der Theologie in Bamberg folgten 1938 die Priesterweihe und die feierliche Primiz in seiner Heimatgemeinde. Nach einigen Aushilfen in der Seelsorge kam er zum 1. Dez. 1938 als Kaplan nach Coburg. Von dort aus wurde er zur Legion Condor eingezogen und diente als Sanitätsgefreiter. Am 10. November 1941 sollte seine Einheit mit dem Schiff vom Athener Hafen Piräus nach Kreta gebracht werden. Ein englisches U-Boot beschoss das Schiff, das daraufhin getroffen von drei Torpedos zu sinken begann. Die Besatzung strömte an Deck, um rechtzeitig von Bord zu kommen. Gabriel Deinhardt, der ein schlechter Schwimmer war, hatte eine Schwimmweste anlegen können. Nicht weit weg von ihm sah er einen Kameraden aus Nürnberg, von dem wer wusste, dass er eine Familie mit 4 Kindern hatte. Kurz vor dem Sprung ins kalte Wasser rief Deinhardt ihm zu: "Rette du dich!" und gab ihm seine Schwimmweste. Eine Gruppe von 7 Soldaten konnte sich an einem größeren Brett festklammern und über Wasser halten, darunter auch Kaplan Gabriel Deinhardt und der besagte Nürnberger Kamerad. Doch Deinhardt verließen allmählich die Kräfte, er konnte sich nicht mehr am Brett festhalten und ertrank, während die übrigen Gruppe nach 6 Stunden von einem deutschen Schnellboot gerettet werden konnte, darunter auch der Nürnberger Soldat.

Gabriel Deinhardt - ein vorbildlicher Mann aus Wohlmutshüll, auf den man ein Hoch ausbringen kann. Auf Betreiben eines Stadtrates bekam der Künstler Hanspeter Widrig 1996 den Auftrag, ein würdiges Bronzedenkmal für den Sohn des Ortes zu schaffen. Bedroht von den emporschwappenden Wellen geht es bei der Skulptur um das nackte Überleben. Zwei Männer (Kaplan Deinhardt und der Nürnberger Kamerad) stehen in einem stilisierten Boot, die Arme überkreuzt, gleichsam zur Erinnerung an das Wort Jesu: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt" (Joh. 15,13)