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Besuch des jüdischen Friedhofs in Baiersdorf

Besuch des jüdischen Friedhofs in Baiersdorf
Besuch des jüdischen Friedhofs in Baiersdorf
Am 6. Juli 2009 besuchte der ökumenische Gespächskreis aus Poxdorf in Oberfranken den jüdischen Friedhof in Baiersdorf. Wir trafen uns vor dem Meerrettich-Museum in der Judengasse. Es waren auch Interessenten aus Langensendelbach und anderen Orten gekommen. Die Gruppe bestand aus zwölf Teilnehmern.
 
Das Versammlungshaus der jüdischen Gemeinde (Synagoge) und das Haus des Rabbiners standen bis 1938 an der Stelle, wo heute die Sparkasse steht, in der Judenstraße. Der jüdische Friedhof erstreckt sich in der Größe von zwei Fußballfeldern. Er liegt innerhalb der ehemaligen Stadtmauern. Er ist in großen Teilen erhalten geblieben bzw. ist restauriet worden. Das Totenfeld mit seinen Grabsteinen aus (möglicherweise) fünf Jahrhunderten wird von einer starken Mauer umfasst. Der Zugang war früher von der Synagoge her, heute ist es ein Tor auf der entgegen gesetzten Seite, das in die Umfassungsmauer eingelassen wurde. Zwei Davidsterne prangen am Torgitter. Es ist verschlossen, der Schlüssel aber bei der Stadtverwaltung Baiersdorf erhältlich.
 
Die Gedenksteine erinnern in ihrer Form an die Gesetzestafeln des Moses, dann sind sie viereckig, oder an den Tempel in Jerusalem mit seinen Rundungen und Säulen. Die Inschriften in hebräischer Sprache weisen deutlich auf den Zusammenhang mit der jüdische Heilsgeschichte hin, die vor mehr als fünftausend Jahren begann und die erst enden wird, wenn der Messias erscheinen und die gerechten Juden zu sich nehmen wird. Es handelt sich meist um Einzelgräber. Familiengräber sind die Ausnahme. An anderen Orten sind die Gräber meist nach Osten (Jerusalem) ausgerichtet. In Baiersdorf sind sie nach Westen, zur ehemaligen Synagoge, orientiert.
Meist handelt es sich bei den Grabmälern um lokale Sandsteine, in jüngster Zeit auch um Granit und Beton. Die jüngste Grabstätte stammt aus dem Jahr 1938. Zu diesem Zeitpunkt waren in Baierdort nur noch drei jüdische Mitbürger ansässig. Zum Vergleich: Hundert Jahre vorher, um 1830, lebten in Baiersdorf an die vier hundert Juden bei einer Gesamtbevölkerung von 1200. Die meisten von ihnen wanderten schon im Laufe der Liberalisierungsprozesse des 19. Jahrhunderts ab in die großen Städte, oder sie fuhren nach Amerika. Der Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft 1933 zwang fast alle Verbliebenen zur Auswanderung.
 
Wie sinnvoll dies war, zeigt, was dann in Baiersdorf geschah: Die Synagoge und das Wohnhaus der letzten Familie mit Namen Kohn wurden in der Reichskristallnacht geplündert, das Gotteshaus zerstört und der Friedhof geschändet. Man sieht es an den zusammengeflickten Grabplatten und zertrümmerten Grabinschriften, was für ein böser Geist hier an die Herrschaft gekommen war. Das Ehepaar Kohn kam 1942 in Izbica ums Leben.
 
Manches NS-Mitglied machte sich als Judenhasser einen Namen, indem es seinen Innenhof mit Grabplatten aus dem jüdischen Friedhof pflasterte und die eingemeißelten Namen bewusst mit den Füßen trat. Man kann sich für diese an den Mitbürgern jüdischen Glaubens begangenen Schandtaten nur schämen. Es war dann die amerikanische Militärregierung 1946, welche die Stadt Baiersdorf veranlasste, die Grabsteine wieder aufzurichten und im verwüsteten Friedhof wieder Ordnung zu schaffen.
 
Die Stadt Baiersdorf hat in der Agenda 21 fünf ehrenamtlich Stadtführer zur Verfügung, die auch den Friedhof, als den Guten Ort, zeigen. Ein Anruf bei der Stadtverwaltung (Tel. 09133 - 779011) genügt, um einen Führer zu bestellen. Herr Horst Gemeinhardt ist einer von ihnen. Er hat eigene Forschungen zum Friedhof und zur jüdischen Geschichte von Baiersdorf angestellt. Er ist ein ehemaliger Kollege von mir am Helene-Lange-Gymnasium in Fürth, als ich dort eine Vertretung im Fach Französisch übernahm. Gemeinhardt ist in Fürth mit der jüdischen Geschichte in engere Berührung gekommen und kümmert sich seither auch um die seines Wohnortes. Er wurde wegen der Einrichtung und Betreuung eines Gedenkraumes für die jüdische Stifterfamilie Krautheimer mit der Verdienstmedaille des Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Seine Führung hat uns sehr beeindruckt. Er hat mir auch noch geholfen, diesen Bericht zu verfassen. Es war mir wichtig, sachliche Irrtümer auszuschließen.
 
Johannes Heiner