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Pfarrkirche St. Magdalena
Die Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena

Zur Erbauung der Stadtpfarrkirche Maria Magdalena sind keine Urkunden überliefert, es existiert auch keine Bauinschrift. Daß der Chor der Stadtpfarrkirche und das Langhaus unterschiedlichen Bauphasen angehören, war bereits durch stilkritische kunsthistorische Untersuchungen offensichtlich geworden. Durch die Forschungen von Diplom Holzwirt Thomas Eißing vom Institut für Archäologie, Bauforschung und Denkmalpflege der Otto-Friedrich-Universität Bamberg kann die Bauzeit genauer eingegrenzt werden. Kreisheimatpfleger Dr. Manfred Welker hatte den Kontakt zur Universität Bamberg geknüpft. Dieser war im Juni 2003 mit einer Studentengruppen im Dachstuhl der Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena in Herzogenaurach zu Untersuchungen gewesen. Die Gruppe verschaffte sich sogenannte Dendroproben aus dem Gebälk des Dachstuhls. Dadurch läßt sich belegen, daß das Tannenholz für den Chor an der Jahreswende 1310/1311 gefällt wurde.

Offensichtlich hatten die damaligen Verantwortlichen für die Pfarrei beschlossen, daß eine Vergrößerung der Kirche nötig geworden war. Bis zum Bau des Langhauses mußte allerdings noch einige Zeit vergehen. Die ehemalige romanische Kirche, die bei Grabungen in den 1940er Jahren bestimmt werden konnte, erschien als zu klein für den Pfarrsprengel. Das Patronat hatte bis zu diesem Zeitpunkt das Benediktinerinnenkloster in Kitzingen inne. Offensichtlich waren die Nonnen mit ihrem Kloster in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Denn mit einer Urkunde vom 13. Juni 1337 trat die Äbtissin Gisela von Brauneck ihre Rechte an den Patrizier Konrad Groß von Nürnberg ab. Als Grund gab sie an, "weil er sie vor Judenthum gelöset, viel Leistgeld für sie bezalet und das Kloster vor verderblichem Schaden bewaret hat". Daraus ist zu schließen daß Groß das Kloster aus einer Verschuldung befreit hatte. Seine guten Finanzen sorgten dafür, daß der offensichtlich ins Stocken geratene Bau wieder aufgenommen werden konnte. Denn die Datierung der Hölzer des Langhauses belegt, daß diese an der Jahreswende 1340/1341 gefällt worden waren. Offensichtlich war das ganze Tannenholz für den riesigen Dachstuhl in einer Arbeitsaktion eingeschlagen worden. Den größten Teil machen insgesamt 72 Sparren aus, sowie nochmals 72 Balken für die Schere, die jeweils die zwei gegenüberliegenden Sparren miteinander verbindet und das "Auseinanderdriften" verhindern soll.

Dabei legten die Zimmerleute des 14. Jahrhunderts offensichtlich großen Wert auf ausgesuchte, gradschäftige Tannen von ungewöhnlicher Qualität. Wie Eißing außerdem feststellen konnte, befinden sich am Dachstuhl Abbundzeichen für drei Etappen. Unklar ist jedoch, ob damit drei verschiedene Arbeitsgruppen ihr Werk zeichneten, das jedoch innerhalb eines Jahre fertiggestellt werden konnte. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, daß das Dach auf drei Jahre verteilt aufgerichtet wurde. Mit der Schließung des Daches konnte die Kirche dann für Gottesdienste genutzt werden.

Tatsache ist jedenfalls, daß auch in der "Jetztzeit" Hochachtung vor den handwerklichen Fertigkeiten der Zimmerleute früherer Jahrhunderte angebracht ist. Diese vollendeten allein damit, ohne große technische Hilfsmittel - vor allem ohne einen modernen Kran - dieses riesige Dachwerk, um dem Gottesvolk des hiesigen Pfarrsprengels Herzogenaurach eine Raum für den Gottesdienst zu geben. Denn vor der Reformation gehörten zum Pfarrsprengel Herzogenaurach außer der Stadtbevölkerung noch die Ortschaften Nankendorf, Buch, Hammerbach, Welkenbach, Falkendorf, Beutelsdorf, Haundorf, Dondörflein, Steinbach, Burgstall, Höfen, Zweifelsheim, Tuchenbach, Puschendorf, Retzelfembach, Veitsbronn, Obermichelbach, Kreppendorf, Rothenberg, Untermichelbach, Hauptendorf und Niederndorf.

In der Barockzeit wurde die Decke von Donato Polli stuckiert, allerdings haben sich davon keine Reste erhalten. Unter Pfarrer Georg Göller (in Herzogenaurach von 1892 bis 1907) waren die barocken Altäre entfernt worden. Pfarrer Franz Rathgeber (in Herzogenaurach von 1930 bis 1942) machte den größten Teil der Maßnahmen von Göller wieder rückgängig. Die Kirche erhielt ihre heutige Gestalt. Die Barockaltäre wurden eingestellt und das Tonnengewölbe mit dem Sternenhimmel bemalt. 1978 wurde im Rahmen einer Generalsanierung die Decke renoviert. Zum Abschluß der Arbeiten konnte am 18. November 1978 durch Weihbischof Martin Wiesend der Volksaltar von Max Walther konsekriert werden.

Autor: Dr. Manfred Welker
 

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