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METZLER ORGEL in der Pfarrkirche St. Magdalena

Was wäre dem markantesten und gleichzeitig ältesten Wahrzeichens Herzogenaurachs, der Pfarrkirche St. Magdalena würdiger gewesen, als der Bau einer neuen Orgel. Einem handwerklich soliden, klanglich hervorragenden und künstlerisch beeindruckenden Instrument, dessen Klänge zum Lob und zur Ehre Gottes ein Zeichen unseres Glaubens setzen. Der solide Kirchenraum mit seinem in Franken einmaligen hölzernen Tonnengewölbe zeichnet sich durch hervorragende Akustik aus. Dieser in unserer Region bedeutende Sakralbau entwickelte sich in den letzten Jahren zunehmend zu einem Zentrum musikalischer Darbietungen auf hohem Niveau.

Die Pfeifenorgel soll in der lateinischen Kirche als traditionelles Musikinstrument in hohen Ehren gehalten werden: Denn ihr Klang vermag den Glanz der kirchlichen Zeremonien wunderbar zu steigern und die Herzen mächtig zu Gott und zum Himmel emporzuheben. (II. Vat. Konzil, Konstitution über die heilige Liturgie, Art. 120)

 

Metzler-Orgel in der Parrkirche St. Magdalena

Die Klangfarbe

 Die „Königin der Instrumente“ wie die Pfeifenorgel seit W.A. Mozart häufig genannt wird, ist in ihren Ausmaßen größer als jedes andere Instrument und verfügt über einen reichhaltigen Schatz an unterschiedlichen Klangfarben. In instrumentenbaulicher Hinsicht ist sie kompliziert, denn jede Orgel ist ein Unikat und wird speziell für den Raum konzipiert in dem sie erklingen soll.

Epochale Einflüsse haben regional spezifische Orgeltypen herausgebildet die geprägt waren von den jeweiligen musikalischen und kompositorischen Gepflogenheiten. Daher klingt jede Orgelmusik auf den dazu passenden historischen Instrumenten auch am überzeugendsten.

Das Interesse heutiger Organisten, möglichst das ganze Spektrum der Orgelliteratur gültig darstellen zu können, um ihrem Musikerleben sowie den Gottesdiensten und Konzerten möglichst viel Abwechslung zu verleihen, stellt den Orgelbauer vor eine schwierige Aufgabe. Es erfordert hohes musikalisches aber auch handwerkliches Können, sich aus verschiedenen Ecken der Geschichte Inspirationen zu holen, um diese dann zu einer neuen, in sich logischen und damit stimmigen Synthese zu verschmelzen.

Symphonischer Klang und Registercharakteristik müssen sich nicht widersprechen. Dies beweist unsere neue Herzogenauracher Orgel.

Gemäß der Firmentradition der Metzler Orgelbau AG hat die neue Orgel einen barocken Einschlag, wobei die Principalchöre eher in der mitteldeutschen Manier angelegt sind und die Zungen und die Aliquoten französische Einflüsse erkennen lassen. Mit dem Schwellwerk und etlichen romantischen Registern (Streicher und –schwebung, doppelt labierte und überblasende Flöten, Oboe und Holzprinzipal) kommen zudem noch Einflüsse des 19. Jahrhunderts hinzu. Diese Vorbilder wurden jedoch nicht originalgetreu umgesetzt, sondern passen sich der Gesamtidee an, damit aus allen sinnvollen Registerkombinationen homogenen Klänge entstehen. Jedes einzelne Register kann bei diesem Instrument seine Eigenart deutlich zum Erklingen bringen ohne dass darunter die Verschmelzfähigkeit leidet.

Metzler hat wieder einmal bewiesen, dass es möglich ist, eine überzeugende Balance zu finden zwischen dem artikulierten, obertonreichen und transparenten barocken Klangideal und dem eher verschleierten und grundtönigen romantischen Klangbild – und das , obwohl sich in den beiden Epochen die Anforderungen an die Dynamik grundlegend unterscheiden: Der Barock sucht die Kontraste und chorische Entsprechungen, während die Romantik ein möglichst stufenloses Crescendo und Decrescendo anstrebt

In der neuen Orgel von St. Magdalena sind sämtliche Registerfamilien in ihren unterschiedlichsten Ausformungen vertreten, was ihr eine unglaubliche Farbigkeit verleiht. Vom kaum wahrnehmbaren Pianissimo bis zum überschäumenden Tutti findet der kundige Organist alle dynamischen Abstufungen und somit für alle liturgischen und konzertanten Begebenheiten immer wieder die angemessenen Klänge.

  • In dieser Orgel „leben“ 3.100 Pfeifen.
  • Sie wurden alle in der Orgelbauwerkstatt Metzler gefertigt,
  • sind aus Holz oder Metall und haben verschiedene Formen.
  • Die kleinste Pfeife misst nur 1 cm, die größte ist ganze 5 m lang.
  • Der Spieltisch hat drei Manuale und ein Pedal.
  • Das Gehäuse besteht aus massiver Eiche,
  • ist 9 m hoch, 6 m breit, 3 m tief und wiegt 14 Tonnen.
  • 45 Register ermöglichen tausendfache Klangkombinationen.
  • Die mechanische Bauweise verspricht eine sehr lange Lebensdauer.

Die Erbauer

Die Schweizer Firma METZLER Orgelbau AG aus Dietikon ist ein Familienunternehmen mit derzeit 25 Mitarbeitern, das auf eine über 100-jährige Tradition zurückblicken kann. Es wird - in vierter Generation - von den Brüdern Andreas Metzler (Gestaltung, Planung, Intonation) und Mathias Metzler (Orgelbau) geleitet.

Alle Teile der Orgel, vom Gehäuse, den Windladen und den Bälgen bis hin zu sämtlichen Kleinteilen für die Spieltraktur und das Koppelgestell, sowie die Eisenteile der Registermechanik werden in der eigenen Werkstatt hergestellt. Die Eichenstämme werden im eigenen Sägewerk aufgeschnitten und zwischen 5 und 15 Jahren im Freien gelagert, bevor sie weiter verarbeitet werden.

Die Fertigung der, in einem aufwendigen Verfahren hergestellten Metallpfeifen, die aus unterschiedlichen Metalllegierungen (Zink und Blei) bestehen, benötigt besonders viel Zeit und fachmännisches Können. Dies ist die Basis des Hauses Metzler Orgelbau AG und garantiert höchste Individualität und kunsthandwerkliche Qualität

Kleine Orgelkunde

Ihrem Wesen nach ist die Orgel ein Blasinstrument, das als Tasteninstrument gespielt wird. Das bringt im technischen Bereich eine z.T. komplizierte Bauweise mit sich, denn die zum Klingen nötige Luft muss so bereitgehalten werden, dass sie über die Tastatur exakt in jene Pfeifen strömt, die als Klangfarbe vom Organisten gewählt bzw. „gezogen“ wurde. Ein guter Orgelbauer löst diese Aufgabe so, dass eine möglichst einfache mechanische Übersetzung ohne viel Reibungsverluste den Kontakt zu den unter den Pfeifen stehenden Ventilen herstellt.

Eine gute Orgel ist ein in sich schlüssiger und deshalb funktionierender Organismus, den man durchaus mit dem menschlichen Körper vergleichen kann.

Der sichtbare Körper, das Gehäuse, umschließt schützend das Innere der Orgel, bündelt den Klang und dient der Resonanz.

Das Gesicht ist der so genannte Orgelprospekt, der aus den außen sichtbaren Orgelpfeifen – meist hochwertige Metall-Legierungen aus Zinn und Blei – besteht und nur erahnen lässt, wie viele Pfeifen tatsächlich im Inneren der Orgel klingen.

Das Gehirn der Orgel ist der Spieltisch, der Arbeitsplatz des Organisten. Von hier aus wird die Orgel zentral gesteuert, und zwar mit Tastenreihen, die als Klaviaturen bezeichnet werden (für die Hände Manual, für die Füße Pedal genannt). Große Orgeln können bis zu 6 Manuale besitzen, was für das Spiel allerdings nicht mehr sinnvoll ist. Die Tasten sind wie beim Klavier einzelnen Tonhöhen bzw. Tönen zugeordnet, die Manuale einzeln zusammengehörenden Klangeinheiten, den sogenannten „Werken“. Das Hauptwerk ist das klangliche Rückgrat der Orgel. Das Positiv z.B. ist ein erstes Neben- oder Parallelwerk, das im Wechselspiel Partner des Hauptwerkes ist und zusätzliche Klangfarben, etwa für das Herausheben einer Melodie, bereitstellt.

Das Schwellwerk ist ein in der Dynamik durch Öffnen und Schließen von dicken Schwellklappen variierbares Werk, das in der Zeit der Romantik besondere Bedeutung erlangte, aber, etwa in Spanien, bereits barocke Vorläufer hat.

Die Lunge der Orgel ist das Gebläse, heute aus einem Motor bestehend, der die Luft ansaugt und in die Bälge transportiert. Die Blasbälge sind Windmagazine, die einen Luftvorrat bereithalten und den nötigen Winddruck erzeugen, den man heute vielfach wider flexibel baut, damit lebendige Pfeifensprache möglich ist und die Starre des Orgelklangs überwunden wird.

Das Kreislaufsystem besteht aus den Windkanälen und Windladen. Von den Bälgen strömt die Luft über die Kanäle in die Laden, komplizierte Holzkästen mit mehreren Funktionsebenen, auf denen – für jedes Werk getrennt – auf Löchern die Pfeifen stehen. Im Inneren der Laden sind den Pfeifen Ventile zugeordnet, an denen mechanisch durch Übersetzung die Steuerung der Tasten hängt und die bei Öffnung die gewählten Pfeifen zum Klingen bringen.

Das Nervensystem – das sind die Verbindungsstränge von den Tasten zu den Ventilen, die sogenannte „Traktur“, deren Einzelteile „Abstarkten“ genannt werden. Eigentlich ist nur die mechanische Traktur von musikalischer Bedeutung, da man damit die Tonansprache, das Öffnen des Ventils, gut in den Fingern, im „touchez“, hat.

Die Gliedmaßen sind die Orgelpfeifen, zusammengestellt zu „Registern“, die für sich allein genommen, brauchbar sind, die aber auch mit anderen zusammen eine neue Klangfarbe ergeben.

Zwei Arten von Pfeifen gibt es. Die eine funktioniert etwa so wie eine Blockflöte: Die einströmende Luft wird an einer Kante gebrochen und in den Schallkörper, d.h. den Pfeifenkörper, weitergeleitet. Diese nennt man „Lippenpfeifen“. Bei der anderen Art, die in der Klangerzeugung einer Klarinette ähnlich ist, wird ein Metallblättchen („Zunge“) durch die Luft zum Schwingen gebracht und schlägt gegen einen hohlen Metallkörper. Diese Pfeifen werden „Zungenpfeifen“ genannt. Es gibt Pfeifen mit zylindrischen und konischen Körpern, in Holz und verschiedenen Zinn- und Bleilegierungen.

Der Orgel wird auch ein Charakter mitgegeben, der – wie im menschlichen Leben – durch eine Vielzahl von Komponenten und deren Zusammenspiel deutlich wird. Wichtig dafür ist die Orgeldisposition, d.h. das „Klangfarbenmenue“, dass die Planenden dem Instrument mitgeben. Von besonderer Bedeutung ist aber die Intonation der Pfeifen, d.h. das Einstimmen jeder Pfeife und jeder zusammengehörigen Pfeifenreihe auf den Raum, in dem sie erklingen soll. Diese zeitaufwendige Intonation erfordert viel Erfahrung.

Die Seele der Orgel hängt mit dem zuletzt gesagten zusammen; sie wird der Orgel durch den Orgelbauer verliehen, dessen Kunst darin besteht, jede Pfeife so „abzumessen“ (mensurieren) und „einzustimmen“ (intonieren), dass sie sich mit anderen Klangfarben zusammen in einen neuen Gesamtklang einordnet und sich aber auch alleine voll entfalten kann. Wenn er die Orgel von vornherein als durchdachten Organismus begriffen und angelegt hat, wird dem Orgelbauer dies auch gelingen.

Das Herz der Orgel kann nur der sein, der die Orgel spielt, der all ihren Klangreichtum zum erklingen bringt.

Der Organist
Organist Toni Rotter
Organist Toni Rotter

Toni Rotter, geboren 1959 in Mannheim, studierte Kirchenmusik in Regensburg und ist seit 1982 als hauptamtlicher Kirchenmusiker in der Pfarrei St. Magdalena tätig.

Neben dem Orgelspiel bei Gottesdiensten und Konzerten widmet er sich besonders der Chorarbeit. Er verfügt über langjährige Erfahrung in der musikalischen Erziehung von Kindern und Jugendlichen. Zielstrebig und engagiert hat er die Kantorei St. Magdalena aufgebaut und leitet 6 Chöre mit ca. 180 Kindern und Jugendlichen sowie den Kirchenchor der Pfarrgemeinde.

Die Historie

Als sich im Sommer 1998 der „Orgelbauverein St. Magdalena“ mit seinen 21 Gründungsmitgliedern formierte, hatten diese das Ziel, dass die neue Orgel der Pfarrkirche St. Magdalena im „Jubiläumsjahr 2002“ – im Rahmen der Tausendjahrfeier der Stadt Herzogenaurach - erstmalig erklingen sollte.

Neben der terminlichen Vorstellung musste die neue Orgel aber auch die Anforderungen nach hochwertiger Qualität und klanglich einzigartiger Bauart erfüllen. Aus ästhetischen und klanglichen Gründen wurde die renommierte Schweizer Firma Metzler Orgelbau AG, Dietikon mit dem Bau dieser „Königin der Instrumente“ beauftragt.

Der Orgelbauverein St. Magdalena schaffte es in fünf Jahren, die notwendigen Mittel zur Verfügung zu stellen. Dabei halfen die großzügige Unterstützung der Stadt Herzogenaurach, der Kirchenstiftung, der Landesstiftung, der Erzdiözese Bamberg sowie der in Herzogenaurach ansässigen Industrie- und Handelsunternehmen, aber auch die vielen privaten Spenderinnen und Spender die sich mit diesem, in der jüngeren Geschichte unserer Stadt einmaligen Spendenprojekt identifizierten, die Finanzmittel zu beschaffen.

Möge dieser großartige Geist des Gemeinsinns und der Zusammengehörigkeit in unserer Stadt weiter bestehen und auch künftig ähnliche hervorragende Früchte tragen.