Mit jedem Päckchen Kaffee eine gute Tat Herzogenaurach unterstützt arme Familien mit fair-gehandelten Produkten seit 30 Jahren
Herzogenaurach. Der Indio-Kaffee feiert Geburtstag. Seit 30 Jahren verkaufen ihn in Herzogenaurach Organisatoren vom Sachausschuss „Eine Welt“. Dazu zählen die Kath. Kirchengemeinde St. Magdalena mit freiwilligen Helfern vom Kath. Frauenbund, die Kath. Arbeitnehmerbewegung, die Kolpingsfamilie, der Partnerschaftskreis Tembladera, Elisabeth Gumbert mit ihren Freunden aus Haundorf und die Familien Schymura von St. Otto. Seit etwa einem Jahr verkauft die Kirchengemeinde St. Otto in eigener Regie. Selbst die evangelische Kirche hat sich seit vielen Jahren der Aktion angeschlossen. Der Kaffee kommt aus Guatemala, einem kleinen Land in Mittelamerika, etwa so groß wie Portugal. Von den ca. fünf Millionen Einwohnern zählen je die Hälfte zu den Indios und zu den Latinos. Letztere sind spanisch sprechende Mischlinge, die westliche Lebensformen angenommen haben. Die Indios, auch Indigenas genannt, gehören zum großen Kulturvolk der Maya. Sie sind meist Kleinbauern und Landarbeiter. Ihre kinderreichen Familien können sich von den kleinen Parzellen nur unzureichend ernähren und leben meistens am Rande des Existenzminimums. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, gehört die gesamte indianische Bevölkerungsgruppe der Unterschicht an. 90 Prozent sind Analphabeten. 65 Prozent des Bodens sind im Besitz von nur 2,5 Prozent meist spanischstämmigen Großgrundbesitzern. Bereits 1969 schlossen sich 16 Genossenschaften indianischer Kaffeebauern zum Dachverband „Fedecocagua“ zusammen. Sie übernahmen das Modell landwirtschaftlicher Kooperativen nach Raiffeisen, das auf demokratischer Selbstbestimmung basiert. Heute zählt Fedecocagua 50 Genossenschaften mit ca. 8000 Bauern und entwickelte sich zu einer „Gewerkschaft der Kleinbauern Guatemalas“. Internationaler HandelDer Kaffee wird in Deutschland, Holland, Österreich und der Schweiz von freiwilligen Helfern ohne Gewinn verkauft. Das Päckchen Kaffee kostet zwar mehr als der handelsübliche Kaffee, gerechnet auf eine Tasse sind es aber nur ca. drei Cent. Im Preis ist auch eine kleine Spende für die Partnerkirchengemeinde Tembladera in Peru enthalten. Die Gesellschaft zur Förderung des fairen Handels: „Niedrige Kaffeepreise freuen uns Verbraucher hierzulande. Doch billiger Kaffee macht arm – nämlich die Produzentenfamilien in Lateinamerika und Afrika.“ Nach Schließung des Dritte-Welt-Ladens in der Hinteren Gasse wird neben dem Indio-Kaffee auch sogenannter „Fair-gehandelter Kaffee“, angebaut in Mexico, verkauft. Auch schwarzer und grüner Tee aus Indien und Sri Lanka stehen im Angebot. Seit 1975 wurden in Herzogenaurach Kaffee und Tee im Wert von 143 000 Euro umgesetzt. Gleichzeitig wurden immer wieder Informationen über die Situation in Lateinamerika und die Ursachen der Unterentwicklung verbreitet. Dem Sachausschuss „Eine Welt“ geht es bei diesem Projekt um die Selbstbefreiung abhängiger Menschen. Es ist ein Zeichen der Hoffnung für viele. Deshalb können auch an diesem Wochenende wieder Kaffee, Tee und Kakao nach allen Gottesdiensten in Herzogenaurach und auf dem Pfarrfest der Pfarrei St. Magdalena erworben werden.
Autor: Manfred Welker
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