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Ein orientalisches Bilderbuch
55 Leserinnen und Leser des Heinrichsblattes erlebten neun Tage lang Marokko

Eine andere, eine orientalische Welt erwartete Anfang Oktober 55 Leserinnen und Leser des Heinrichsblattes, als sie sich in Richtung Marokko auf den Weg machten. Von Nürnberg über Frankfurt nach Casablanca flogen die Teilnehmer der diesjährigen Herbstleserreise.

Am Flughafen Mohammed V. von Casablanca – einer Stadt von heute rund fünf Millionen Einwohnern – wurde die Gruppe von den beiden Reiseleitern Abderrachim Cheraigene (kurz: Rachim) und Hassan Maouhoub (kurz: Hassan) empfangen und auf zwei bereit stehende Busse aufgeteilt.

Nach einer kurzen Nacht war das erste Ziel in Casablanca die Kirche Notre Dame de Lourdes. Die Besonderheit dieser 1956 erbauten Kirche sind die großen farbigen Fenster von Gabriel erletenerlebten Loire, einem Glasmaler aus Chartres. Am Platz Mohammed V. konnte man das Rathaus und das Gerichtsgebäude bewundern, bevor die Gruppe zur Grande Mosquée Hassan II. fuhr. Sie ist eine der größten Moscheen der Welt und kann bis zu 25 000 Menschen im Inneren und 80 000 auf dem monumentalen Vorplatz aufnehmen. Das Minarett ist mit 200 Metern das höchste religiöse Bauwerk auf der Welt. Die Moschee wurde 1993 zum 60. Geburtstag des Königs Hassan II. Fertiggestellt.

Am Nachmittag fuhr die Gruppe dann weiter nach Rabat, der königlichen Machtzentrale und Hauptstadt von Marokko, wo für zwei Tage Quartier bezogen wurde. Den 3. Tag der Rundreise begann die Reisegruppe mit einem Gottesdienst in der Kathedrale St. Pierre des Erzbistums Rabat. Prälat Luitgar Göller, als geistlicher Betreuer der Reise und Prälat Dr. Michael Hofmann, der als Gast der Reise beiwohnte, feierten in Konzelebration mit den Reisenden. Im Anschluss wurde der Königspalast bewundert, der allerdings hermetisch von der Außenwelt abgeriegelt ist.

Dann ging es in die Totenstadt Chellah. Neben Ausgrabungen aus der Römerzeit sah die Gruppe Überreste aus der Gründerzeit Rabats. In den Mauern der verfallenen Mausoleen und Moschee nisten viele Störche. Hibiscus und Bougainvillea wachsen zwischen geborstenen Grabplatten. Nur das Klappern der Störche stört zwischendurch die Totenruhe.

Nach den Ruinen zu einem Prachtbau. Gegenüber der unvollendeten Moschee des el-Mansour entstand das Mausoleum für König Mohammed V.. König Hassan II. ließ es für seinen Vater errichten. Neun Jahre lang arbeiteten die besten Handwerker Marokkos an dem Kunstwerk im neo-maurischen Stil. Vor dem Mausoleum stehen 200 Säulenstümpfe der unvollendeten Moschee mit dem Hassan- Turm, dem Wahrzeichen der Stadt Rabat.

Weiter ging es in die Kasbah des Oudaias, einer Befestigungsanlage aus dem 12. Jahrhundert auf dem höchsten Punkt Rabats. Durch enge Gassen an weiß-blau getünchten Häusern vorbei, wurde ein Aussichtsplateau erreicht, wo die Gruppe auf die Mündung des Oued Bou Regreg und die Schwesterstadt Salé blicken konnte. Von der Kasbah (im Norden: Burganlage) ging es direkt in die Medina (Altstadt). Durch das Gassengewirr ging es vorbei an kleinen Handels- und Handwerksgeschäften.

Am Morgen des 4. Tages wurde Rabat (die weiße Königsstadt) Richtung Meknes (grüne Königsstadt) verlassen. Das erste Ziel war Volubilis, die größte römische Ruinenstadt Marokkos. Man erkennt an den Resten des mächtigen Mauerrings, des Forums und dem kapitolinischen Tempel, welch große und wichtige Stadt Volubilis in der Römerzeit war. Rund 20 000 Menschen sollen hier gelebt haben und die Mosaiken zählen zu den schönsten von Marokko.

Mit einem Panoramablick auf den Wallfahrtsort Moulay Idriss, der bedeutendsten Pilgerstätte Marokkos, ging die Fahrt weiter nach Meknes. Dort war der erste Anlaufpunkt das Heri es-Souani, die überdimensionierten Speicher des Alaouiten- Sultans Moulay Ismail. Anschließend wurde das prunkvolle Mausoleum von Moulay Ismail besichtigt. An Nachmittag feierte die Reisegruppe in der Kirche Notre Dame de Oliviers einen gemeinsamen Gottesdienst. Als Tagesabschluss folgte ein Besuch auf dem Place el-Hédim, dem Platz der Zerstörung, der vom schönsten Tor von Meknes eingerahmt wird, dem Bab Mansour.

Weiter ging die Rundfahrt ins Hotel zur 3. Königsstadt Fès, auch „die blaue“ genannt. Am Morgen führte der erste Weg zu einer Plattform auf der Höhe. Von hier hatte die Gruppe einen traumhaften Blick auf die älteste und schönste Königsstadt Marokkos. Dann führte der Weg zum Königspalast Dar el-Kakhzen, wo das Nordportal mit seinen glänzend, ziselierten Bronzetoren besichtigt wurde. Durch das Jüdische Viertel führte der Weg in die Altstadt mit ihren Souks (Marktstraßen). Fès besitzt die größte Medina und den lebhaftesten Souk von Marokko. Auch in der Altstadt Fès el-Bali ist die große Moschee el-Kairaouine mit Universität. Dadurch ist Fès auch das geistige Zentrum Marokkos.

Doch zurück in den Souk. Kleine, einfache Handwerksbetriebe und Händler prägen das Bild. Eine Vielfalt an Farben, ob Obst, Gewürze oder Ledersachen und die unterschiedlichen Gerüche, sowie Esels- und Handkarren waren ein Spiegelbild des Orients. Mittags ging es in ein typisch marokkanisches Restaurant, wo alle das Nationalgericht Couscous probierten. Es ist dies ein über Dampf gegarter Weizengries mit Fleisch und Gemüse. Nach der Mittagspause ging es im Souk in eine Weberei, wo das ein oder andere Tuch gekauft wurde.

Ein Höhepunkt war am Nachmittag der Besuch des Gerber- und Färberviertels. Eindrucksvoll wurde demonstriert, wie die verschiedenen Ledersorten gegerbt, gefärbt und verarbeitet wurden. Der 6. Tag führte von Fès nach Marrakesch.

Durch die Sais-Ebene, Ifrane und Khénifra gelangten die Heinrichsblatt- Leser am Abend ins Hotel nach Marrakesch. Am nächsten Morgen wurde in der Kirche der Heiligen Märtyrer noch ein Gottesdienst gefeiert. Anschließend wurde die Gruppe zur Koutoubia- Moschee gefahren, deren 77 Meter hohes Minarett das Wahrzeichen von Marrakesch ist. Es folgte ein Besuch in den Ménara-Gärten, die bereits im 12. Jahrhundert von den Almohaden angelegt und im 19. Jahrhundert von Sultan Sidi Mohammed ausgebaut wurden. Danach besuchte die Gruppe das Musée Dar Si Said, in dem erlesenes Kunsthandwerk ausgestellt wurde. Das Museum befand sich in einem maurischen Palast. Vom Museum in den Bahia-Palast. Eine prunkvolle Anlage, die ein Großwesir im 19. Jahrhundert erbauen ließ. Feinste Handwerkskunst ließen diesen Palast auch als Filmkulisse in Filmen wie „Auf der Jagd nach dem Juwel vom Nil“ oder „Lawrence von Arabien“, dienen. Auch an diesem Tag gab es nochmal ein typisches marokkanisches Essen: ein Tajjine! Es bestand aus Gemüse und Rindfleisch, das stundenlang im Tontopf mit spitzem Deckel geschmort hat.

Gestärkt ging es dann zum Djemma el-Fna, dem Platz der Gehenkten. Schlangenbeschwörer, Affenbändiger, Wunderheiler und Gaukler geben auf diesem Platz ihr Bestes. Am Rande des Platzes warteten schon viele Pferdekutschen, um die Heinrichsblatt-Leser zum Jardin Majorelle zu bringen. Dort ließ der Maler Jaques Majorelle um seine Villa einen außergewöhnlichen Park anlegen. Er zauberte mit den Grüntönen der unterschiedlichsten Pflanzen und den künstlichen Wasserläufen ein Gesamtkunstwerk von außerordentlicher Schönheit. Mit den Kutschen ging es zurück zum Hotel. Und wer Lust hatte, konnte nach dem Abendessen mit den beiden Reiseleitern Rachim und Hassan noch einmal das Treiben auf dem Djemma el-Fna auf sich wirken lassen.

Am Morgen des 8. Tages ging es nochmal in die Souks von Marrakesch. Einige probierten die angebotenen Früchte von Feigenkakteen. An Kupferschmieden und Ziselierern vorbei wurde noch eine Apotheke besucht, in der massiert wurde und in der man Naturheilmittel erwerben konnte. Voll mit Eindrücken aus einer ganz anderen Welt traten dann die Heinrichsblatt-Reiseteilnehmer die Fahrt von Marrakesch nach Casablanca an. Prälat Luitgar Göller und Robert Schmitt vom Heinrichsblatt bedankten sich bei den beiden Reiseleitern Hassan Maouhoub und Abderrachim Cheraigene im Namen aller Reiseteilnehmer für die gute Reiseleitung. In Casablanca wurde im „Rick´s Cafe“ noch ein Abendessen eingenommen, bevor die Reisegruppe schließlich den Heimflug antrat.

Datum: 03.12.2010
Autor: Robert Schmitt