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„Wir wollen eine Kirche des Friedens sein“
Pontifikalamt am Sonntag war der Höhepunkt des 1000-jährigen Domjubiläums

Es ist kurz vor 9 Uhr am vergangenen Sonntag im Bamberger Kaiserdom. Wer jetzt durch die Adams- und Marienpforte beziehungsweise das offene Fürstenportal in den Dom kam, für den gab es nur noch Stehplätze. Bereits seit 8 Uhr waren die Gläubigen im Dom, um sich die besten – nicht reservierten – Plätze zu sichern. Und obwohl ein großes zusätzliches Stuhlkontingent in den Seitenschiffen aufgebaut worden war, der Dom platzte aus allen Nähten. „Es ist doch etwas ganz besonderes, ein solches Jubiläum mit zu feiern. Das erlebt man nicht alle Tage,“ meinte eine Gottesdienstbesuchern, die einen der Sitzplätze ergattert hatte. „Ich bin aber auch schon seit 8 Uhr hier.“

Als dann um 10 Uhr Erzbischof Ludwig Schick zusammen mit über 20 Kardinälen, Bischöfen und Äbten aus neun Nationen, dem Bamberger Domkapitel und vielen Ministranten durch das Fürstenportal einzog, musste er sich den Weg durch die Menschenmassen regelrecht bahnen, so dicht standen die Menschen. Rund 2000 waren nach Bamberg gekommen, um das Pontifikalamt zum 1000-jährigen Domjubiläum mitzufeiern.

Auch zahlreiche Ehrengäste waren der Einladung nach Bamberg gefolgt, darunter unter anderem Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer, Innenminister Joachim Herrmann, Bundes- und Landtagsabgeordnete, Regierungspräsidenten, Oberbürgermeister, Bürgermeister und Landräte sowie Herzog Franz von Bayern.

Für die musikalisch herausragende Gestaltung des Gottesdienstes sorgten die Domkantorei Bamberg, die Solisten Theresia Groß (Sopran), Kerstin Rosenfeldt (Alt), Stephan Gähler (Tenor), Gregor Finke (Bass) und Mitglieder der Bamberger Symphoniker. An der Orgel war Domorganist Markus Willinger zu hören. Die Leitung hatte Domkapellmeister Werner Pees. Im Mittelpunkt stand dabei Mozarts „Krönungsmesse“.

Um das Geschehen während des Gottesdienstes auch vom Seitenschiff aus bestens miterleben zu können, waren große Leinwände aufgebaut worden.

Zu Beginn des Gottesdienstes verlas Domdekan Dr. Hubert Schiepek ein Großwort von Papst Benedikt XVI, in dem dieser Erzbischof Ludwig Schick und allen Gläubigen der Erzdiözese Bamberg zum 1000-jährigen Domjubiläum gratulierte und seinen Apostolischen Segen erteilte.

Erzbischof Ludwig Schick ging in seiner Predigt auf die „Kirche aus lebendigen Steinen“ ein. Diese Kirche aus lebendigen Steinen sind wir, „wenn der Friede Christi uns verbindet, alle Gläubigen mit den Priestern, dem Bischof und dem Papst. Diesen Frieden soll die Kirche dann in die Gesellschaft bringen, damit Friede zwischen den Generationen, Einheimischen und Ausländern herrscht“, sagte Erzbischof Schick. „Wir wollen eine Kirche des Friedens sein.“

Die Kathedrale sei gebaut worden, um das Evangelium in die Herzen der Menschen hinein zu verkünden, sagte der Bamberger Erzbischof. Er wies auf das Motto des 1000-jährigen Domjubiläums „Dem Himmel entgegen“ hin.

Schon von Weitem seien die Domtürme sichtbar. „Sie zeigen auf Gott, der den Menschen Gerechtigkeit und Frieden schenkt. Der Dom soll Gläubige und Ungläubige, Christen und Nichtchristen, Pilger und Touristen auf Gott hinweisen und die Herzen der Menschen ‚dem Himmel entgegen‘ ziehen“, wünscht sich der Bamberger Oberhirte. „So sind wir missionarische Kirche aus lebendigen Steinen“.

Eine Kirche aus lebendigen Steinen mische sich in der Gesellschaft ein und baue an einer Kultur der Liebe mit. Eine solche missionarische Kirche müsse sich einmischen, etwa wenn es um den Schutz menschlichen Lebens gehe. „Ein klares Nein zu jeder Abtreibung, zur Tötung von alten Menschen, die verharmlosend Sterbehilfe genannt wird und Nein zu jedem Mord und jeder Verletzung von Menschen durch Terror, Kriege, linke und rechte, extremistische oder häusliche Gewalt,“ sagte Schick. Die Ehrfurcht vor Gott gebiete zudem das Eintreten gegen den Raubbau natürlicher Ressourcen und gegen die Erderwärmung. Der Bamberger Oberhirte weiter: „Wir wollen am Gemeinwohl mitwirken durch unsere Kindergärten, Schulen, Sozialstationen und Altenheime, durch unsere Pfarreien und Seelsorgestellen.“

„Wir feiern zum 1000. Weihejubiläum die ‚Kirche aus Stein‘, unseren Dom, damit wir eine ‚Kirche aus lebendigen Steinen werden‘ hier in Bamberg und im gesamten Erzbistum“, sagte Schick.

Bereits durch die Erbauer, das heilige Kaiserpaar Heinrich und Kunigunde, habe dieser Dom Wertschätzung erfahren. 1993 sei die Kathedrale mit der Altstadt von Bamberg der Titel „Weltkulturerbe“ verliehen worden. Es sei unsere Verpflichtung „unseren Bamberger Dom“ zu erhalten als Gotteshaus, von dem Segen für die Menschen ausgehe, sagte Erzbischof Schick. „Das Erbe ist unser Auftrag!“

Unmittelbar nach dem Festgottesdienst erläuterte Erzbischof Schick dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer sowie weiteren hochrangigen Ehrengästen, wie Herzog Franz von Bayern oder Innenminister Joachim Herrmann, den Bamberger Dom, insbesondere das Papstgrab. „Demut stellt sich automatisch ein, wenn man den Dom betritt“, sagte Seehofer. Er habe ein sehr würdiges Pontifikalamt mitfeiern dürfen

Datum: 10.05.2012
Autor: .Andreas Kuschbert