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Erzbischof Schick fordert mehr Gerechtigkeit in der Gesellschaft
„Adolph Kolping war nicht von der Welt, aber in der Welt, er verpflichtet uns Christen, nicht zu verweltlichen, sondern Sauerteig des Evangeliums in der Menschheit zu sein.“

Bamberg. (bbk) Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat die ungleichen Lebensbedingungen in Bayern kritisiert. Bayern dürfe nicht auf München und sein Umfeld begrenzt werden. Das Süd-Nord-Gefälle in Bayern dürfe nicht noch mehr zunehmen. „Wir werden uns bei der Regierung, den Parteien und anderen gesellschaftlichen Gruppierungen dafür einsetzen, dass in Bayern Gerechtigkeit herrscht, auch für den Frankenwald“, sagte der Bamberger Oberhirte am Samstag (03.12.11) in Kronach beim 150-jährigen Jubiläum der dortigen Kolpingsfamilie.

Adolph Kolping habe den Christen „ins Stammbuch geschrieben, dass Kirche in die Welt und in die Gesellschaft gehört“. Dies bedeute, sich dafür einzusetzen, dass das Reich Gottes, das sich in Gerechtigkeit, Friede und Freude zeige, immer mehr Wirklichkeit werde.

„Sich für Gerechtigkeit einzusetzen bedeutet, sich einsetzen für gerechten Lohn bei guter Arbeit und keine Dumpinglöhne zuzulassen.“ Die Gerechtigkeit hat aber laut Erzbischof Schick die ganze Welt im Blick. Die reichen Industrienationen dürften nicht einseitig die Preise für Rohstoffe und Produkte aus den Entwicklungsländern festlegen und so die Armen dort noch ärmer machen. „Gerechtigkeit bedeutet, sich für Umweltschutz und gegen CO2-Ausstoß hier bei uns einzusetzen, damit das Klima vor allem in Asien und Afrika nicht noch mehr geschädigt wird und sich dadurch dort Hunger und Krankheiten verstärkt ausbreiten.“

Der Bamberger Oberhirte warnte zudem angesichts der großen Anzahl von prekären Beschäftigungsverhältnissen, dass die Schere zwischen Arm und Reich, zwischen unteren und oberen Lohngruppen noch mehr auseinandergeht.

Friede sei das zweite Charakteristikum des Reiches Gottes. „Frieden in einer Gesellschaft kann es nur geben, wenn alle von ihrem Lohn gut leben und ihre Familie ernähren können und nicht die einen in Saus und Braus leben können und die anderen sich am Existenzminimum gerade so durchschlagen müssen. Friede solle hier und überall werden, jeder Krieg sei zu ächten und Kriegstreiberei zu verurteilen.

Freude sei das dritte Kennzeichen des Reiches Gottes und bedeute, gerade in der Advents- und Weihnachtszeit, die Senioren und Kranken nicht zu vergessen. „Freude bereiten schließt auch die Behinderten ein, deren Leben nicht beschwert, sondern erleichtert werden muss“, sagte Schick und wies auf den „Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung“ hin, der jährlich am 3. Dezember begangen werde.

Der Bamberger Erzbischof warnte in seiner Predigt davor, dass sich die Christen und die Kirche nicht verweltlichen dürften. „Adolph Kolping war nicht verweltlich, aber voll und ganz in Wort und Tat in der Welt aktiv.“ Der selige Adolph Kolping, dessen Gedenktag am 4. Dezember begangen werde, habe sich dafür eingesetzt, das Reich Gottes zu verwirklichen und fordere uns auf, es ihm gleichzutun.

Datum: 03.12.2011
Autor: cga