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Priesterweihe 2010

Unterschiedliche Lebenswege, aber ein Ziel
Hans-Michael Dinkel, Dieter Hinz und Florian Stark wurden am 26. Juni im Bamberger Dom zu Priestern geweiht

Sie wurden am 26. Juni im Bamberger Dom zu Priestern geweiht (v.l.): Florian Stark, Dieter Hinz und Hans-Michael Dinkel.
Sie wurden am 26. Juni im Bamberger Dom zu Priestern geweiht (v.l.): Florian Stark, Dieter Hinz und Hans-Michael Dinkel.
Bamberg (ku) Sie haben ganz unterschiedliche Lebenswege hinter sich, doch zusammen hatten sie ein Ereignis und Ziel vor sich: Am Samstag, 26. Juni, wurden Hans-Michael Dinkel, Dieter Hinz und Florian Stark im Bamberger Dom von Erzbischof Dr. Ludwig Schick zu Priestern geweiht und wollen damit ihr Leben ganz in den Dienst Gottes stellen.

22 Lebensjahre liegen zwischen dem jüngsten und dem ältesten Diakon, Florian Stark und Hans-Michael Dinkel, der von seinen Mitseminaristen angesichts seiner 49 Jahre schon mal liebevoll auch „Opa” genannt wird. „Anfangs wurde ich schon etwas skeptisch angeschaut”, sagt Dinkel im Gepräch mit dem Heinrichsblatt. „Aber dann sind wir ganz schnell zu einer guten Seminargemeinschaft geworden.”

Fast in der Mitte seines Lebens, im Alter von 40 Jahren, fiel bei ihm der endgültige Entschluss, Priester zu werden. Zuvor war er 14 Jahre lang als Ingenieur in einem Erlanger Großkonzern tätig, und die Entscheidung, einen ganz neuen Weg einzuschlagen, war für Dinkel durchaus problematisch. „Innerlich habe ich den Ruf verspürt, aber ich war mir auch im Klaren, dass ich gerade in einer Zeit des wirtschaftlichen Umbruchs viel aufgebe. Meine Eltern waren inzwischen verstorben, ich war ganz auf mich alleine gestellt, musste mich alleine intensiv mit meiner Entscheidung auseinandersetzen.”

Schön länger befasste er sich mit den Fragen des Lebens, mit Gott, bei Dienstreisen ins Ausland erfuhr er viel über andere Religionen. Und er hatte Kontakt mit engagierten Protestanten. „Sie haben mich durch ihre Lebensweise überzeugt”, erzählt der gebürtige Lichtenfelser. „Sie setzten ihren Glauben im Leben um.” Nebenbei engagierte sich Hans-Michael Dinkel über acht Jahre lang in der Leitung einer überkonfessionellen Jugendgruppe des CVJM in Forchheim. 2001 entschied er sich schließlich, alle Bande zu seinem früheren Leben zu kappen und einen neuen Lebensweg einzuschlagen; er begann mit dem Studium der Philosophie und Theologie, später trat er dann ins Bamberger Priesterseminar ein. Momentan ist Dinkel im pastoralen Dienst in Bamberg St. Heinrich im Einsatz.

Uber Umwegen kam auch der 42jährige Dieter Hinz zum Entschluss, Priester zu werden. Zwar von Kindheit an mit der Kirche vertraut - er war unter anderem Ministrantenleiter in seiner Heimatpfarrei in Essen und auch Dekanatsleiter - entschloss er sich, nach seinem Realschulabschluss eine Lehre als Dreher zu absolvieren. „Aber ich habe gemerkt, dass das nicht der richtige Weg für mich war”, so Hinz.

So holte er sein Abitur nach und machte über den dritten Bildungsweg im Studienhaus St. Lambert in Lantershofen seinen theologischen Abschluss. Anschließend absolvierte er eine Ausbildung zum Gemeindereferenten und arbeitete neun Jahre lang in einer Brennpunktgemeinde in Essen. „Mit der Zeit fragte ich mich aber immer wieder, ob das alles ist. Und aus meiner Pfarrei habe ich öfters den Satz gehört „Du wärst auch ein guter Pfarrer.” Auf diesem Weg des Wechselns und Schauens kam er aufgrund persönlicher Kontakte im Jahr 2007 ins Erzbistum Bamberg und absolvierte Pfarrpraktika in Burgwindheim und Bubenreuth. „Der Wechsel von Essen nach Bamberg und das Kappen alter Dinge war für mich von großem Vorteil”, konstatiert Hinz rückblickend.

Dankbar zeigt er sich für die Geistlichen, die ihn während der Praktika und jetzt während seines pastoralen Dienstes in Nürnberg begleiten. „Sie sind alle sehr auf mich eingegangen und hatten ein Gespür für mich. Sie haben mir viel beigebracht und mich gleich zeitig so gelassen, wie ich bin.”

Und wieder ist er in einer Brennpunktpfarrei tätig, als Diakon in Nürnberg Herz-Jesu. „AIs Arbeiterkind habe ich mich in der Pfarrei sehr wohlgefühlt und es wurden heimatliche Gefühle in mir geweckt. Aber meine Heimat ist jetzt Bamberg.”

Als fast schon geradlinig is der Weg von Florian Stark zur Priester zu bezeichnen. Der 27jährige gebürtige Erlangener engagierte sich schon früh in seine Heimatpfarrei, war Leiter der Ministranten in der Pfarrei Unser Liebe Frau, später mehrere Jahr lang stellvertretender Pfarrgemeinderatsvorsitzender.

Die ganz andere Seite, ein ganz anderes Bild der Gemeinde wie Florian Stark es ausdrückt, lernte er während seiner Zivildienstzeit kennen, die er nach bestandenem Abitur in der Kindertagesstätte in Erlangen-Eltersdorf absolvierte. 2003 trat er schließlich ins Priesterseminar Bamberg ein und erlebte die Zeit mit, in der die Seminaristen Am Knöcklein untergebracht waren, während das Priesterseminar saniert wurde.

Damit erlebte er nicht nur eine Zeit des äußeren Umbruchs, sondern vor allem auch die Zeit des Umbruchs im Erzbistum Bamberg von Anfang an mit. Für ihn sind die Strukturveränderungen im Erzbistum eine Herausforderung, aber auch eine Chance für die Kirche von Bamberg. „Jetzt haben wir die Möglichkeit, uns von der Pfarreizentriertheit zu lösen und auf den Verbund zu blicken”, so Stark. „Das ist die Chance, dass etwas Neues entsteht. So wird das Bild von der Kirche auf dem Weg sichtbar.”

Ansprechpartner für die Menschen, jung und alt gleichermaßen sein - das wollen alle drei Priesteramtskandidaten sein. Dabei stellen sie sich auch die Frage, wie es gelingen kann, gerade auch junge Menschen wieder zur Kirche zu führen. „Wenn der Glaube in der Familie nicht praktziert wird, dann ist es auch mit Großereignissen wie dem Kirchentag nicht getan”, konstatiert Hans-Michael Dinkel. Für ihn ist der persönliche Kontakt wichtig, er will die Menschen aufsuchen, gerade aber auch solche, die aufgrund von Alter und Krankheit nicht mehr regelmäßig in die Kirche gehen können. „Das ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen.” weiß er aufgrund seiner Erfahrungen als Diakon.

Ehrenamtliche mit ins Boot holen, den Pfarrgemeinderat als wichtigen Mulitplikator in die Arbeit mit einbinden - das ist der Ansatz von Dieter Hinz. „Der Pfarrer kann und muss nicht mehr alles selbst machen”, so der 42-Jährige. „Und auch ich weiß um meine zeitliche Begrenztheit und kann guten Gewissens auch mal „Stopp“ sagen.”

Die Diskussionen der letzten Wochen und Monate rund um Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche haben die drei Diakone natürlich hautnah miterlebt und wurden auf die Ereignisse auch immer wieder angesprochen. „Die Themen wurden in der Gemeinde diskutiert”, erzählt Dieter Hinz. „Aber es wurde auch immer wieder vor einer Pauschalverurteilung gewarnt.”

Ein „Jetzt reicht's aber mit dem Thema” hat Florian Stark angesichts der starken Medienpräsenz des öfteren zu hören bekommen. „Die Leute waren sich aber einig, dass Aufklärung wichtig ist und man das Thema nicht auf die leichte Schulter nehmen soll.” Für Stark wäre es jetzt ganz wichtig, „dass wir zeigen, dass Kirche heute anders ist und wir zeigen, wie es auch anders gehen kann”.

Seine Praktikumspfarrei St. Heinrich in Bamberg hat Hans-Michael Dinkel als eine Gemeinde erlebt, „die zu ihren kirchlichen Mitarbeitern steht und sie stützt, gerade auch in dieser Zeit”. So habe man kritisch beleuchtet, was in den Medien stand, „und sie haben durchaus auch erkannt, dass man schnell an den Pranger gestellt wird”. Für Dinkel selbst, der auch regelmäßig Religionsunterricht hält, ist ein ausgewogenens Verhältnis zwischen Nähe und Distanz bei Schülern ganz wichtig. „Manchmal wird man vielleicht auch als Ersatzvater gesehen, aber das bin ich und das sind wir alle nun einmal nicht, sondern wir sind Lehrer und Seelsorger.

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