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Priesterweihe 2009 - „Blauäugig gehen wir nicht in die Zukunft“

Sebastian Masella und Andreas Seeliger werden am 27. Juni im Bamberger Dom zu Priestern geweiht

Sie freuen sich auf den Tag ihrer Priesterweihe: Andreas Seliger (links) und Sebastian Masella.
Sie freuen sich auf den Tag ihrer Priesterweihe: Andreas Seliger (links) und Sebastian Masella.
Bamberg. Angst ist für sie nicht der richtige Ausdruck. Angst haben sie nicht vor dem, was sie erwartet am kommenden Samstag und dann in der Zukunft. „Ich freue mich auf den Tag, denn ich habe mich lange darauf vorbereitet“, sagt Sebastian Masella. Und Andreas Seliger fühlt eine gewisse innere Anspannung, denkt er an den kommenden Samstag, 27. Juni 2009, wenn er zusammen mit Sebastian Masella im Bamberger Dom von Erzbischof Ludwig Schick zum Priester geweiht wird.

Wurden die beiden jungen Männer, die im September vergangenen Jahres zu Diakonen geweiht worden waren, während ihrer Zeit im Bamberger Priesterseminar spirituell „auf den Weg gebracht“ (Zitat Seliger), konnten sie in dieser Zeit ihre Christusbeziehung aufbauen und sich auf das geistliche Leben vorbereiten, so erhielten sie in den vergangenen Monaten nun während ihres pastoralen Einsatzes in Schillingsfürst (Pfarrei Kreuzerhöhung) und Teuschnitz (Pfarrei Mariä Himmelfahrt) einen ersten tieferen Einblick in das, was sie künftig als Pfarrer erwarten wird. „Jetzt konnten wir das, was wir im Priesterseminar gelernt haben, umsetzen und mit diesen Werkzeugen leben und arbeiten“, blickt Andreas Seliger auf die Zeit zurück. „So haben wir die Aufgabe eines Seelsorgers ganz konkret kennenlernen können“, ergänzt Sebastian Masella. „Das war Praxis pur.“

Beide haben in ihren Pfarreien, in denen sie als Diakone arbeiteten, nach eigener Aussage eine „andere Welt“ mit einer Fülle von Aufgaben erlebt. Andreas Seliger: „Im ersten Praxisjahr haben wir noch zugeschaut, jetzt haben wir aber selbst mitgemacht, waren in der Schule, haben mit den Leuten gesprochen, haben sie in ganz unterschiedlichen Lebenssituation betreut.“

Froh sind Sebastian Masella und Andreas Seliger, dass sie als künftige Kapläne noch Zeit haben, sich in einer Gemeinde auszuprobieren und sich einiges von ihrem Pfarrer, dem „Chef“, wie es Andreas Seliger schmunzelnd ausdrückt, abschauen können. „So müssen wir nicht von 0 auf 100 durchstarten“, sagt Seliger und ist sich der späteren Fülle der Aufgaben schon jetzt bewusst. „Blauäugig gehen wir nicht in die Zukunft.“

Geprägt vom Glauben

Blickt man auf das bisherige Leben der beiden Weihekandidaten zurück, so ist dieses schon von früher Kindheit an vom christlichen Glauben geprägt. Andreas Seliger, der in Kronach geboren wurde und dann in Haßlach bei Teuschnitz aufwuchs, ehe er zusammen mit seiner Familie 1997 nach Seßlach umzog, erlebte als Kind die Liturgie sehr intensiv. „Meine Mutter und meine Schwester behaupten, dass ich schon immer Priester werden wollte“, erzählt Seliger. „Und wenn ich so darüber nachdenke, dann stimmt das eigentlich auch.“ Dennoch absolvierte der 29-Jährige nach seinem Hauptschulabschluss zunächst eine Ausbildung zum Bürokaufmann.

Während dieser Zeit wurde der Wunsch, Priester zu werden, immer stärker. „Ich merkte, dass dieser Weg für mich immer fassbarer wurde. Meine Eltern drängten mich aber keinesfalls, im Gegenteil, meine Mutter war eher skeptisch.“ Schließlich entschloss sich Andreas Seliger, das Theresianum der Karmeliten in Bamberg zu besuchen, anschließend trat er ins Bamberger Priesterseminar ein. „Ich bin jetzt hier und bin glücklich“, konstatiert Seliger, ist sich sicher, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben und bereut keinen Tag. „Ich habe jedes Jahr mehr geschenkt bekommen.“

Sebastian Masella wurde 1980 in Potsdam geboren und erlebte durch seine Eltern eine christliche Erziehung, was in der damaligen DDR für die Familie nicht einfach war. Aus Glaubensgründen stellten sie auch einen Ausreiseantrag und drei Tage vor der Grenzöffnung, am 6. November 1989, durfte die Familie schließlich ausreisen und kam zunächst nach Bamberg. „Hier in der Oberen Pfarre haben wir Kontakt gesucht und auch gleich gefunden“, erinnert sich Masella. Auch er besuchte das Theresianum und fühlte sich in seiner Klasse sehr wohl. „Es war eine schöne Gemeinschaft, in der der Glaube eine zentrale Rolle spielt. Dort habe ich erfahren, dass Gott die Wege lenkt.“

So war es für Sebastian Masella die logische Konsequenz, einen kirchlichen Beruf zu erlernen, „aber ich war mir nicht sicher, welchen“. So leistete er nach seinem Abitur zunächst seinen Zivildienst ab und arbeitete mit psychisch kranken Menschen. Masella: „Diese Zeit hat mich sehr geprägt.“

2001 entschied er sich dann ins Bamberger Priesterseminar einzutreten. „Ich probierte diesen Weg und es kristallisierte sich immer mehr heraus, dass es der richtige Weg ist“, so der künftige Priester. Gerade im Praxisjahr habe er gemerkt, wie sehr es ihm liegt, mit den Menschen in der Gemeinde zu sprechen, sie zu stärken, ihnen Halt und Orientierung zu geben.

Angesprochen auf die Kirche der Zukunft, sind sich beide Diakone einig, dass sich in den kommenden Jahren vieles ändern wird. „Ich bin in einer Kirche aufgewachsen, die es heute so schon nicht mehr gibt“, sagt Andreas Seliger. „Allein in den vergangenen sieben Jahren haben sich die Strukturen grundlegend verändert.“ Und er ist sich sicher, dass diese Veränderungen weitergehen werden. Seliger: „Die Gläubigen werden weniger werden, die Traditionen werden zurückgehen. Die Kirche der Zukunft wird sich mehr auf das ehrenamtliche Engagement der Laien stützen müssen.“ Vieles hat sich nach seiner Ansicht in der Vergangenheit zu sehr auf den Pfarrer konzentriert, „künftig werden die Gemeinden vieles selber in die Hand nehmen müssen.“ Dann werde der Priester eine neue Funktion haben und möglicherweise dann wieder „nur“ noch der Seelsorger sein, der für die Menschen da ist.

Masella und Seliger sind zuversichtlich, dass es mit der Kirche wieder aufwärts gehen wird, so wie es die Geschichte schon oft gezeigt habe. „Wir werden nicht die Massen von Priestern bekommen“, sagt Sebastian Masella, „und bei den Gläubigen wird es nicht viel anders sein“, ergänzt Andreas Seliger. „Es wird spannend werden, wo es hingehen wird.“

Er zeigt sich zuversichtlich, dass sie durch ihre Art gerade auch junge Menschen ansprechen und für die Kirche begeistern können. „Wir stehen für eine Lebensphilosophie und eine Einstellung“, so der 29-Jährige. „Wenn die Jugendlichen uns sehen, mit uns sprechen und in verschiedenen Situationen erleben, dann können wir eine Botschaft an sie weitergeben und ihnen zeigen, dass es nicht nur leere Worte sind, die in der Kirche gesprochen werden, sondern dass es eine Wirklichkeit gibt, die von uns gelebt wird.“

Begegnungen gaben Kraft

Begegnungen mit zahlreichen Menschen in der Vergangenheit waren es auch, die den beiden Diakonen immer wieder Kraft für ihren Weg gegeben haben. „Ich habe oft Erzbischof Schick erlebt, seine gute menschliche Art und sein hoffnungsvolles Reden“, sagt Andreas Seliger. „Das waren Begegnungen der gütigen und menschlichen Art, die mir Kraft gegeben haben.“ Aber auch das Zusammenleben und -arbeiten mit seinem „Praxispfarrer“ Dekan Hans-Peter Kunert in Schillingsfürst habe ihn geprägt.

Sebastian Masella sieht sich ganz in der Spur des Jesus von Nazareth, dessen therapeutischer Ansatz ihn schon immer fasziniert hat. „Er nahm die Menschen an, so wie sie waren.“ Dies könne auch das Konzept für künftige Pfarrer sein, die Menschen zu begeistern, ihnen Hilfe und Orientierung zu geben. Als für sich prägend bezeichnet er seine Praxiszeit im Frankenwald, die Arbeit mit Pfarrer und Dekan Peter Barthelme, und nicht zuletzt die Begegnung mit den Menschen, die noch tief im Glauben verwurzelt sind.

Andreas Kuschbert

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