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Missbrauchsdebatte versachlichen
Stellungnahme von Erzbischof Ludwig Schick

„Den Opfern muss Gerechtigkeit und Hilfe zuteil werden. Ihre schlimmen Verwundungen sollen, soweit das überhaupt möglich ist, geheilt werden. Und es muss alles getan werden, um dem Übel des Missbrauchs zu wehren. Dafür benötigen wir eine sachliche Debatte. Derzeit geht zu vieles durcheinander.

Es muss festgestellt werden, wo überall Missbrauch vorkommt. Der Kinderschutzbund sagt, dass von den 15.000 registrierten Fällen jährlich (mit der Dunkelziffer sind es erheblich mehr) die weitaus größte Zahl im familiären Umfeld vorkommen. Ca. 20 % in Internaten, Schulen, Sportvereinen, Jugendgruppen etc. Es müssen genaue Tatort- oder Umfeldanalysen erarbeitet werden. Spezifizierte Täterprofile seien zu erstellen. Vor allem die Opfer sollten im Blick sein; derzeit würden die Mädchen und Frauen zu wenig genannt. Jede Institution, besonders die Kirche, solle in ihrem Bereich alles tun, um Missbrauch aufzuklären. Keine Institution dürfe dabei allein auf sich gestellt vorgehen. Es sollten immer externe Fachleute mit einbezogen werden.

Wichtig ist auch eine klare Differenzierung zwischen: Pädophilem Missbrauch, missbräuchlichen sexuellen Übergriffen, Vergewaltigung von Minderjährigen, Misshandlungen durch Prügelstrafen. Psychologen, Psychotherapeuten aber auch Sozialwissenschaftler sollten sich mehr mit dem Thema befassen, um noch kompetenter sowohl bei der Aufarbeitung als auch bei der Prävention helfen zu können. Der Missbrauch ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. Es ist gut, dass die Missbrauchsfälle herauskommen. Diese Eiterbeule muss aufgestochen und ausgetrocknet werden, um geheilt werden zu können.“

Datum: 16.03.2010
Autor: Erzbischof Dr. Ludwig Schick