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„Menschen, die wissen, worauf es ankommt“
Caritas-Fachakademie für Sozialpädagogik in Bamberg übergab Spende für den Aufbau von Schulen in Afghanistan
Annette Erös hatte aus Afghanistan auch Schmuck mitgebracht.

Wie kann in einem Land, in dem seit nunmehr als 30 Jahren Krieg herrscht, wieder ein Stück Normalität gewonnen werden? „Definitiv nicht durch den Einsatz weiterer Soldaten“, wie Annette Erös entschieden sagt. Sie war der Einladung der Caritas-Fachakademie für Sozialpädagogik in Bamberg gefolgt, um dort über die Stiftung Kinderhilfe in Afghanistan zu berichten.

Annette Erös gründete die Stiftung Kinderhilfe 1993 zusammen mit ihrem Mann Reinhard. Die Projekte der Kinderhilfe Afghanistan finanzieren sie durch private Spenden. Auch die Caritas-Fachakademie für Sozialpädagogik unterstützt ihre Stiftung seit dem Jahr 2003, indem sie sich für ihre Patenschule BIBI-HAWA, eine Mädchenschule für 5 000 Schülerinnen, engagiert.

Erös legte dar, dass die Errichtung von Schulen und der Zugang zu Bildung der einzige Weg sei, um den Frieden wiederherzustellen. In einem Land, in dem die Analphabetenquote bei rund 80 Prozent liege und die Arbeitslosenquote kaum geringer ausfalle, sei der Bau von Schulen eine grundlegend wichtige Maßnahme für die Perspektive der Kinder. Nur durch Bildung könne den jungen Menschen eine Zukunft geboten und ihnen zu politischer Selbstständigkeit verholfen werden. Durch militärische Einsätze hingegen werde dies nicht erreicht und vielmehr ein Gefühl von Abhängigkeit und Fremdbestimmung erzeugt, wie Erös eindrücklich darlegte.

In den durch die Stiftung geförderten Schulen wird den Kindern zunächst Lesen und Schreiben beigebracht. Dies sei die Grundlage, die es ihnen überhaupt möglich mache, sich zu verständigen und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben, sagte Erös. Ausschlaggebend für die Schulen sei, dass den Kindern auch zu einer eigenen beruflichen Existenz und Selbstständigkeit verholfen werde. Dazu wird auf eine moderne Ausbildung Wert gelegt. So erhalten die Schülerinnen und Schüler beispielsweise Computerunterricht oder eine Schneiderausbildung an Nähmaschinen, welche die Stiftung bereitstellt. Außerdem existieren Projekte, in denen Schüler Solarkochtöpfe entwickelt haben, um die reichlich vorhandene Sonnenenergie für den häuslichen Eigenbedarf nutzbar zu machen. Die Schulen seien damit nicht nur reine Bildungsstätten, sondern auch wahre Zukunftswerkstätten, machte Erös deutlich.

Zudem werde darauf geachtet, dass die Väter der Kinder am Bau der Schulen beteiligt seien; lediglich die Materialen stelle ihnen die Stiftung zur Verfügung. Dadurch entstehe ein enger persönlicher Bezug mit der Schule aufgebaut.

Um weiteren Kindern den Zugang zu Bildung zu ermöglichen, sammelten die Schülerinnen und Schüler sowie das Lehrerkollegium Spenden für ihre Patenschule BIBI HAWA. Dabei kamen 1.800 Euro für zusammen. Sie sichern weiteren 40 Mädchen den Schulbesuch. Außerdem kann durch die Spende das Gehalt einer weiteren Lehrerin finanziert werden. Die Klassenvertreter überreichten stellvertretend für ihre Klassen die Spende an Annette Erös.

Jürgen Melber, Schulleiter der Caritas-Fachakademie für Sozialpädagogik, schloss den Vortrag von Annette Erös mit dem Appell, man brauche mehr „Menschen, die wissen, worauf es ankommt“.

Datum: 24.04.2011
Autor: Dr. Klaus-Stefan Krieger