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Jubiläumsjahr „Unterm Sternenmantel – 1000 Jahre Bistum Bamberg“ ging am Allerheiligentag mit Pontifikalamt und Festakt zu Ende
Erzbischof Schick: Für das zweite Jahrtausend der Bamberger Bistumsgeschichte auf Jesus Christus als lebendige Mitte setzen
Den Festvortrag des Festakts hielt Prof. Dr. Hans-Gert Pöttering, Präsident des Europäischen Parlaments, der über "Europas Perspektiven auf dem Fundament christlicher Werte" sprach.

Bamberg. (bbk) Ein Pontifikalamt im Bamberger Dom und ein Festakt in der Konzert- und Kongresshalle haben an Allerheiligen, Donnerstag, 1. November 2007, die Feierlichkeiten des Jubiläumsjahres „Unterm Sternenmantel – 1000 Jahre Bistum Bamberg“ beendet. Im vollbesetzten Dom betonte der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick vor Ehrengästen wie Hans-Gert Pöttering, Präsident des Europäischen Parlaments, dem Bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein, dem evangelischen Landesbischof Johannes Friedrich und vielen weiteren Persönlichkeiten aus Kirche, Politik und Gesellschaft, dass sich die Kirche von Bamberg seit 1000 Jahren von Gott geleitet wisse. Im Glauben an ihn habe die Kirche im Erzbistum Bamberg segensreich wirken können. Für das zweite Jahrtausend des Bistums gelte es, auf Jesus Christus als lebendige Mitte der Kirche und auf den Heiligen Geist als Wirkkraft Gottes zu setzen. Auch könne die Kirche auf die Menschen vertrauen, die im Glauben eine gute Zukunft für das Erzbistum Bamberg gestalteten.

Um die Zukunft gut meistern zu können, sei es wichtig, an die Frohe Botschaft zu glauben und nach ihren Grundsätzen der Gottes- und Nächstenliebe zu leben, sagte Schick vor vielen hundert Gottesdienstbesuchern. Der Besuch der Sonntagsmesse, tägliche Gebete und das Bemühen, gut miteinander umzugehen, sollten dabei selbstverständlich werden. Dazu solle die Beschäftigung mit der Bibel kommen. „Das Wort Gottes muss aus den Schränken in unsere Herzen und Köpfe“, betonte der Erzbischof. „Ich wünsche mir, dass in allen unseren Pfarreien Bibelkreise und Gebetskreise entstehen, die sich mit dem Wort Gottes beschäftigen.“

Der Glaube, so Schick, bedinge auch immer das entsprechende Handeln. Für die Kirche von Bamberg und ihre Gläubigen heiße das insbesondere, die Armen niemals zu vergessen. „Wir müssen bei den Armen bleiben! Hier bei uns sind das die Arbeitslosen, die Sozialhilfeempfänger, die Emigranten, die Alten und Sterbenden, die ungeborenen Kinder, die in Gefahr stehen, abgetrieben zu werden, und die Behinderten.“ Dazu habe die Kirche auch eine Verantwortung für die Not der Menschen besonders in den Entwicklungsländern. „Wir müssen weiterhin auch bei denen stehen, die geistig arm sind, die meinen, dass sie mit Macht und Reichtum, mit Gewalt, Terror und Krieg das Leben bestehen und die Welt retten“, mahnte der Bamberger Oberhirte. Im Kampf für eine menschlichere Welt seien es die Heiligen, die als Vorbilder Orientierung bieten könnten.

Dass die Ökumene ein besonderes Anliegen im Jubiläumsjahr war, bewies Erzbischof Schick, indem er den evangelischen Landesbischof Friedrich und den evangelischen Ministerpräsidenten Beckstein mit einer herzlichen Umarmung in besonderer Weise in die Gemeinschaft der Gottesdienstbesucher einbezog.

Festredner Hans-Gert Pöttering, Präsident des Europäischen Parlaments, griff die vielen gesellschaftlichen Errungenschaften und Gestaltungsmöglichkeiten der Kirche auch in seiner Rede „Europas Perspektiven auf dem Fundament christlicher Werte“ auf. Ohne seine christlichen Wurzeln sei Europa nicht zu erklären, so Pöttering. Die großen Errungenschaften der Antike und die Kraft des christlichen Glaubens hätten das Antlitz des Kontinents geprägt. Zwar werde es im Reformvertrag der Europäischen Union keinen Gottesbezug geben. Aber auch ohne einen ausdrücklichen Gottesbezug hätten die christlichen Werte Eingang in den Reformvertrag gefunden, erklärte Pöttering. Dazu gehörten die Würde des Menschen, die Sicht des Menschen als Person, die für sich und die Gemeinschaft verantwortlich ist, die Menschenrechte sowie die Prinzipien der Solidarität und Subsidiarität. „Die Europäische Union muss an allererster Stelle als Wertegemeinschaft bestehen. Sie muss unermüdlich und ohne Abstriche für die Würde des Menschen eintreten und sie muss den Dialog aller Kulturen fördern“, forderte Pöttering nachdrücklich.

Um ihr Ziel zu erreichen, seien Werte wie Frieden, die Würde des Menschen, Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität, das Bewusstsein der eigenen Wurzeln, Vielfalt, Einheit, Weltoffenheit, die Bewahrung der Schöpfung, der Dialog der Kulturen und Zuversicht unerlässlich. „In der Welt von heute, im Zeitalter von Globalisierung, Klimawandel und dem Ringen um eine stärkere Rolle der Vereinten Nationen können wir Europäer als Rechts- und als Wertegemeinschaft eintreten für die Würde des Menschen und den Dialog der Kulturen und Religionen.“ Um Europa aus dem Geist seiner Werte zu bauen, brauche es Geduld, sagte Pöttering. Der Präsident des Europäischen Parlaments wies auf eine Persönlichkeit hin, die eine starke Symbolkraft für Europa hat: Den verstorbenen Papst Johannes Paul II.. Er habe gelehrt, „Europa aus der Kraft seiner zwei Lungen zu verstehen – der westlich, germanisch-romanischen, und der östlichen, der slawisch-byzantinischen“. Beide Lungenflügel gehörten zusammen, sie bildeten die Einheit der kulturellen Identität Europas. Wenn sich Europa seiner christlichen Grundlagen bewusst sei, gehe es den besten Weg in die Zukunft.

Monsignore Marek Zalewski, Geschäftsträger der Apostolischen Nuntiatur in der Bundesrepublik Deutschland lobte besonders das Engagement des Erzbistums, sich in seinem Jubiläumsjahr für die Armen in seiner Region, aber auch weltweit einzubringen.

Der Bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein bezeichnete das Jubiläumsjahr als „Höhepunkt für ganz Bayern“. Es habe dazu motiviert, sich mit den Grundlagen des eigenen Glaubens zu beschäftigen und dazu eindrucksvolle Veranstaltungen geboten. Gerade in säkularen Zeiten brauche es ein geistiges Leben. Er hoffe, dass vom Erzbistum Bamberg auch in Zukunft geistliche Impulse für das ganze Land ausgehen würden.

Johannes Friedrich, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, bewies in seinem Grußwort seine ökumenische Verbundenheit. Er erzählte von seinem Antrittsbesuch in Bamberg zu Beginn seiner Bischofszeit. Schon damals habe ihn Weihbischof Radspieler auf die geplanten Feiern zum 1000jährige Bestehen des Bistums Bamberg hingewiesen. Tatsächlich seien evangelische und katholische Christen durch den Glauben an Jesus Christus eng verbunden. Zu den großen Stärken von Papst Benedikt XVI. gehöre die Christuszentriertheit. Witz und Esprit zeigte Friedrich, als er vom Reformationsfestempfang tags zuvor berichtete: „Sie können sich gar nicht vorstellen, wie oft ich gestern Abend den Papst verteidigt habe, wie oft ich seine ökumenischen Absichten hervorgehoben und seine evangeliumsgemäße Christusbezogenheit hervorgehoben habe.“ Er erachte es als wichtige Zeichen von gegenseitigem Respekt, dass der Papst mit ihm zusammen in Regensburg gepredigt habe und dass der Erzbischof von Bamberg ihn im Gottesdienst brüderlich umarmt habe.

Der Bamberger Oberbürgermeister Andreas Starke wies auf die stabile Partnerschaft des Erzbistums Bamberg mit der Stadt Bamberg hin. Beide hätten die Stadtentwicklung und das soziale Klima in der Weltkulturerbestadt entscheidend geprägt.

Elisabeth Schillab, Vorsitzende des Diözesanrates der Katholiken im Erzbistum Bamberg, gab der Festversammlung ermutigende Worte mit auf den Weg. Zwar stehe das Erzbistum Bamberg in einer gewaltigen Umbruchphase, zu der auch der Mangel an Priestern und Ordensleuten, Sparmaßnahmen und die Umstrukturierung zu Pfarreiverbünden gehöre. Doch auf der anderen Seite engagierten sich viele Frauen und Männer leidenschaftlich für die Kirche und setzten die Ziele des Bistumsjubiläums um. Der Erzdiözese gehöre die Zukunft, wenn sie sich selbst treu bleibe.

Etwa 800 Gäste nahmen an der Abschlussfeier des Jubiläumsjahres „Unterm Sternenmantel – 1000 Jahre Bistum Bamberg 1007-2007“ an Allerheiligen, 1. November 2007 – dem 1000. Gründungstag des Bistums Bamberg – teil. Die Feier begann mit einem festlichen Pontifikalgottesdienst im Bamberger Dom und wurde mit einem Festakt in der Konzert- und Kongresshalle Bamberg fortgeführt. Im Gottesdienst wurde ein Auszug aus dem Protokoll der Frankfurter Reichssynode vom 1. November 1007, in dem die Gründung des Bistums Bamberg bekannt gegeben wurde, verlesen. Gäste der Abschlussfeier waren neben EU-Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering und dem Bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein, Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, Msgr. Marek Zalewski von der Apostolischen Nuntiatur in Deutschland, der Erfurter Bischof Joachim Wanke, der frühere Bischof von Speyer, Anton Schlembach, der evangelische Landesbischof Johannes Friedrich, der Bayreuther Regionalbischof Wilfried Beyhl, Vertreter der israelitischen Kultusgemeinde Bamberg und der anglikanischen Kirche aus Chichester sowie weitere Gäste aus Kirche, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Datum: 02.11.2007
Autor: gel