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Betriebs- und Personalräte aus dem Erzbistum kamen zum Gedankenaustausch ins Bistumshaus St. Otto
Blick hinter die Kulissen der Glitzerwelt
Generalvikar Monsignore Georg Kestel (am Rednerpult) war ins Bistumshaus gekommen, um sich die Sorgen und Nöte der Betriebs- und Personalräte anzuhören und ihnen Mut für die Arbeit zuzusprechen.

Die Arbeit am Flughafen, im Gesundheitswesen, in einem Callcenter oder auch in einer Maschinenfabrik – sie ist alles andere als einfach, auch wenn nach außen hin so manches den Schein einer Glitzerwelt hat. Wie groß die Probleme der Arbeitnehmer sind, das zeigte sich bei einem Treffen von Betriebs- und Personalräten mit Generalvikar Monsignore Georg Kestel im Bistumshaus St. Otto in Bamberg. Eingeladen dazu hatte die Betriebsseelsorge der Erzdiözese Bamberg.

Ausgehend vom Motto des Treffens – „Der Mensch ist das Maß – eine ständige Herausforderung“ – zeigte der Leiter der Betriebsseelsorge, Dr. Manfred Böhm, auf, dass es, entgegen so manchem Vorurteil, es der Kirche nicht nur um die Seele des Menschen gehe, sondern diese sich für den ganzen Menschen interessiere. „Es geht ihr und es geht uns um die Rahmenbedingungen des Lebens,“ so Böhm.

Dass diese Rahmenbedingungen gerade im beruflichen Sektor nicht immer glänzend sind, wurde in vier Statements deutlich. So verwies Fritz Bauer vom Flughafen Nürnberg darauf, dass in dieser „Glitzerwelt“ immer mehr zu Niedriglöhnen gearbeitet werden müsse. Zudem gebe es einen ständigen Druck für die Mitarbeiter, die einem „freien Spiel der Kräfte“ ausgesetzt seien. Immer mehr Auslagerungen von Tätigkeiten würden zudem zu tariflichen und sozialen Einschränkungen führen. „Die Menschen dort müssen zu jeder Tages- und Nachtzeit und bei jedem Wetter arbeiten, und das bei rund 1000 Euro Bruttogehalt“, so Bauer.

Die Situation in Callcentern beleuchtete Dr. Manfred Böhm und zeigte dabei auf, dass in diesem Bereich der Mensch nicht das Maß aller Dinge ist. So seien Mitarbeiter angesichts von 4,50 Euro Stundenlohn (im Osten Deutschlands) immer mehr auf Hartz IV-Leistungen angewiesen, um überleben zu können. „Es ist nicht nachvollziehbar, warum es hier keinen Mindestlohn gibt, obwohl er auch von den Arbeitgebern gewünscht wird,“ konstatierte Böhm.

Auf die großen psychischen Belastungen der Arbeitnehmer wies Gerhard Sterzer von der Sozialstiftung Bamberg hin. „Die Arbeit im Krankenhaus ist nicht gesund für die Mitarbeiter,“ sagte er mit Blick auf den steigenden Krankenstand. Depressionen, Burn-Out und Suizide seien keine Seltenheit mehr, die Menschlichkeit bleibe immer mehr auf der Strecke. Kritisch fügte Sterzer an, dass diese Problematik der Politik bekannt sei, es jedoch anscheinend niemanden interessiere.

Die ständigen Herausforderungen der Betriebs- und Personalräte beleuchtete Jürgen Kramer von der Liba Maschinenfabrik in Naila in seinem Statement. Dabei zeigte er auf, dass die Arbeitnehmervertreter oft überfordert seien, gerade wenn es um Entscheidungen gehe, die von jetzt auf gleich getroffen werden müssen. „Man will doch nur das Beste für die Mitarbeiter und den Betrieb gleichermaßen,“ so Kramer. „Da ist man innerlich hin- und hergerissen und sitzt schnell zwischen allen Stühlen. Und wer nach Dienstschluss nicht abschalten kann, der bleibt irgendwann auf der Strecke.“

Dass sich die Kirche als großer Arbeitgeber selbst in einem Spannungsfeld befindet, zeigte Generalvikar Georg Kestel in seinen Ausführungen auf. Jedoch helfe vielfach der Glaube, die richtigen Maßstäbe und das richtige Maß zu finden. Nach Kestels Aussage zeige die katholische Soziallehre, dass die Kirche von der Arbeitswelt gelernt hat. Zugleich räumte er ein, dass auch im innerkirchlichen Bereich Probleme wie Burn-Out durchaus ein Thema seien. „Wir müssen die Signale hören und darauf reagieren.“

Zugleich begrüßte der Generalvikar, dass es solche Treffen gebe, „denn wir wollen die Sorgen nicht an die Betriebsseelsorger abschieben,sondern wollen, dass die Erfahrungen der Fachleute in die Arbeit der Kirche einfließen, auch wenn wir nicht immer gleich Lösungen und Antworten auf die Fragen parat haben“.

Datum: 05.08.2012
Autor: Andreas Kuschbert - Heinrichsblatt