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Bistumsjubiläum 2007

Service

Bilanz und Abschluss des Bistumsjubläums

Text der Predigt von Erzbischof Dr. Ludwig Schick während des Pontifikalgottesdienstes

Text der Predigt von Erzbischof Dr. Ludwig Schick

während des Pontifikalgottesdienstes am 1. November 2007 im Bamberger Dom

Les.: 1 Joh 3,1-3
Ev.: Mt 5,1-12a

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Ein ganzes Jahr haben wir das 1000-jährige Bestehen unseres Erzbistums Bamberg gefeiert. In Gottesdiensten hier im Dom, in den Pfarreien und Seelsorgebereichen, in den Dekanaten und Regionen, haben wir Gott Dank gesagt, dass wir 1000 Jahre ‚Kirche unterm Sternenmantel’ sein durften. Unsere Vorfahren und wir werden seit den Zeiten der heiligen Heinrich und Kunigunde von Christus, dem Stern, „der nicht untergeht“, geleitet. Unter Gottes Schutzmantel sind wir geborgen. Dafür sagen wir Dank.

Wir haben auch unsere Vorfahren und uns als Sterne auf Gottes Sternenmantel neu entdeckt. Wir waren und sind eine Kirche, die viele Sterne hat, die in unsere Welt hineinleuchten, die Orientierung aus dem Evangelium Christi geben und die Zuversicht ausstrahlen; wir waren und sind auch Kirche, die vielen Menschen den Mantel der Geborgenheit, des Schutzes und der Wärme darreicht. Dafür sagen wir Dank.

Wir haben große Feste gefeiert, weil wir uns unseres Lebens freuen dürfen, das uns Gott geschenkt hat und das im Himmel vollendet wird. „Wir sind Kinder Gottes“ und „wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird“. Dafür sagen wir Dank.

Wir haben Ausstellungen organisiert und Bücher geschrieben, damit wir uns unserer Vergangenheit bewusst werden, denn wir wissen: Wer Herkunft hat, der hat Zukunft, wer sich besinnt, kann neu beginnen. Dieses Jahr, „Unterm Sternenmantel - 1000 Jahre Bistum Bamberg“, war ein gesegnetes Jahr. Dafür sagen wir Dank.

2. Heute beginnt der erste Tag des neuen, des zweiten Jahrtausends der Kirchengeschichte unseres Erzbistums Bamberg.

Liebe Schwestern und Brüder!
Was wird wichtig sein in diesem zweiten Jahrtausend? Was nehmen wir mit, wie beginnen wir es? Ich möchte dazu drei Fragen stellen und drei Antworten geben.

Die erste Frage: Auf was dürfen wir setzen?

  • Erstens dürfen wir auf den lebendigen Jesus Christus setzen. Der Mittelpunkt unseres Sternenmantels ist der verherrlichte Herr Jesus Christus. Er sorgt für uns bis zum Ende der Zeit. Er ist der Weinstock; wer in ihm bleibt, bringt Frucht. Er bleibt bei uns alle Tage bis zum Ende der Welt. Auf ihn dürfen wir setzen!
  • Zweitens dürfen wir auf den Heiligen Geist setzen. Im Großen Credo wird er „der Herr“ genannt, „der lebendig macht“. Dieser Heilige Geist hat im ersten Jahrtausend unserer Geschichte gewirkt. Er bleibt bei uns. Er wird alle Ungeister auch im zweiten Jahrtausend überwinden. Er wird uns als Christen und als seine Kirche lebendig erhalten. Setzen wir auf diesen Heiligen Geist! Vertrauen wir ihm, lassen wir ihn wirken! Auf ihn dürfen wir setzen!
  • Drittens dürfen wir auf die Menschen setzen. Ich bin in diesem Jubiläumsjahr noch dankbarer geworden für die Menschen in unserem Erzbistum. Es gibt so viele, die glauben, beten und mittun, die eine gute Zukunft mitgestalten wollen. Wir dürfen auf die Menschen setzen, die nach Gottes Bild und Gleichnis geschaffen sind, wie es schon auf der ersten Seite der Bibel gesagt ist. Natürlich gibt es auch Menschen, die gleichgültig sind oder die Böses tun. Aber das tun sie, weil sie das Gute in sich nicht finden oder noch nicht gefunden haben, weil sie fremdbestimmt sind, weil sie nicht ihrem eigentlichen Wesen entsprechend leben. „Deus intimior intimo meo“, hat der hl. Augustinus gesagt: „Gott ist mir näher als mein eigenes Inneres mir nahe ist“. Weil Gott im Menschen ist, dürfen wir auf den Menschen setzen.

Die zweite Frage: „Was sollen wir tun?“

Diese Frage kommt im Evangelium und in der Apostelgeschichte häufig vor. „Die Leute“ fragen Johannes am Jordan: „Was sollen wir also tun?“ (Lk 3,10). Der reiche Jüngling stellt dem Meister die Frage: „Was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“ (Lk 18,8). Nach der Herabkunft des Heiligen Geistes fragen Juden und Griechen Petrus und die übrigen Apostel: „Was sollen wir tun, Brüder?“ (Apg 2,37). Was sollen wir im 2. Jahrtausend unserer Kirchengeschichte tun?

  • Die erste Antwort muss lauten: „Kehrt um und bekehrt euch!“ Der Ruf zur Umkehr, liebe Schwestern und Brüder, muss wieder zum roten Faden unseres Lebens und unserer Kirche werden. Nur in der ständigen Bereitschaft umzukehren, sich zu versöhnen, Frieden zu stiften, Gott zu lieben und den Nächsten wie sich selbst, bleibt Kirche authentisch und wirksam. Wir müssen vom „Unschuldswahn“ weg. Kehrt um! Tut Buße! Bekehrt euch täglich neu! Das ist das Erste, was wir tun sollen!
  • Die zweite Antwort: „Gott die Ehre geben“. Der Gottesdienst, der Sonntagsgottesdienst vor allem, muss wieder als „Conditio sine qua non“, das heißt unbestritten zu unserem Leben dazugehören. Die täglichen Gebete, wie das Morgen- und Abendgebet sowie auch die Tischgebete müssen wieder selbstverständlich werden. Wir müssen Gott die Ehre geben im Gottesdienst und im Alltag des Lebens, damit wir allzeit vor Gottes Angesicht wandeln. Das müssen wir tun!
  • Die dritte Antwort: Die Apostelgeschichte berichtet: Sie waren 'ein Herz und eine Seele'. Deshalb kamen täglich neue Christen hinzu. ‚Ein Herz und eine Seele sein’. Das ist keine Romantik, auch nicht Tatsache oder Besitz, sondern tagtägliches Bemühen, gut miteinander umzugehen, wohlwollend zu sein, Streit zu beenden, herzlich sich einander zuzuwenden, solidarisch zu sein, keinen fallen zu lassen, das Wort des anderen retten. Das bedeutet 'ein Herz und eine Seele sein'. Das sollen wir tun!

Und die dritte Frage: Wobei müssen wir bleiben?

Wiederum eine dreifache Antwort!

  • Die erste ist der Apostelgeschichte entnommen. Die Apostel betonen: „Wir wollen beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben“ (Apg 6,4). 'Beim Wort Gottes bleiben'. Das trägt uns auch der Sternenmantel auf. Christus im Zentrum streckt uns das Buch des Lebens, die Heilige Schrift, entgegen, umgeben von den Symbolen der vier Evangelisten. Es ist eine Tatsache, dass immer mehr Bibeln gekauft und verkauft werden, aber das Lesen der Bibel und die Kenntnis ihrer Inhalte gehen eher zurück. Das Wort Gottes muss aus den Schränken auf die Tische und von den Tischen in unsere Herzen und Köpfe. Ich weiß, Schwestern und Brüder, dass das nicht einfach ist. Aber beginnen Sie mit dem Lesen der Evangelien, der Bergpredigt, den Seligpreisungen, besonders des Lukasevangeliums und der Apostelgeschichte. Lesen Sie betend. Immer mehr geht Ihnen so das Wort Gottes auf. Ich wünsche mir, dass in allen unseren Pfarreien Bibelkreise entstehen und die Gebetskreise, die es Gott sei Dank gibt, sich mit dem Wort Gottes beschäftigen. Auch in der Predigt und der Katechese soll das Wort Gottes im Mittelpunkt stehen. Das Wort Gottes ist lebendig. Gott spricht selbst in ihm zu uns, Christus spricht uns heute in den Evangelien an. Beim Wort Gottes bleiben!
  • Bei was müssen wir noch bleiben? Bei den Armen! Die Armen dürfen wir niemals vergessen. Eine Kirche, die nicht bei den Armen ist, sich nicht für sie einsetzt, nicht an ihrer Seite steht, handelt nicht nur gegen die Anweisung Gottes, wie der Priester und Levit im Evangelium, sondern findet auch keine Gemeinschaft mit Jesus Christus. „Was ihr den Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25). Wir müssen bei den Armen bleiben! Hier bei uns sind es die Arbeitslosen, die Sozialhilfeempfänger, die Emigranten, die Alten und Sterbenden, die ungeborenen Kinder, die in der Gefahr stehen, abgetrieben zu werden, und die Behinderten. Weltweit müssen wir bei den Millionen Armen bleiben, die tagtäglich hungern und verhungern, bei den Aids-, Malaria- und Tuberkulosekranken. Wir müssen auch bei denen stehen, die geistig arm sind, die meinen, dass sie mit Macht und Reichtum, mit Gewalt, Terror und Krieg das Leben bestehen und die Welt retten. Die Erste der Seligpreisungen: „Selig, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich“, zeigt die richtige Richtung. Die Geschichten des barmherzigen Samariters, des langmütigen Vaters und seines beinah verlorenen Sohn sowie die des armen Lazarus und des armen Reichen dürfen uns niemals aus dem Kopf gehen. Die Armen sind auch unsere Lehrmeister in der Beziehung zu Gott und miteinander. Bei den Armen müssen wir bleiben.
  • Drittens müssen wir bei den Heiligen bleiben! Es hat Sinn und Bedeutung, dass unsere Diözese am Allerheiligentag gegründet ist. Das ist für mich unbestreitbar und fordernd: Die Heiligen müssen eine besondere Bedeutung bei uns haben.

Liebe Schwestern und Brüder! Bei den Heiligen bleiben, damit meine ich die Muttergottes als die Erste und Größte der Heiligen. Ich meine damit den hl. Benedikt, den Vater des Abendlandes. Ich denke an den hl. Franziskus von Assisi. Ich nenne Heinrich und Kunigunde, den hl. Otto, den hl. Sebald, Johannes den Täufer, den hl. Stephanus und den hl. Laurentius, die im Hochstift Bamberg so große Bedeutung hatten, unsere Namenspatrone, Mutter Teresa und Maximilian Kolbe und die vielen unbekannte Heiligen bis hinein in unsere Zeit. Das Erbe der Heiligen dürfen wir nie vernachlässigen. Sie sind für die Zukunft unserer Kirche wichtig, denn die Menschen suchen Vorbilder und Identifikationsmöglichkeiten. Von Elias Canetti stammt das Wort: „Viel mehr als Ziele braucht der Mensch vor sich, um leben zu können, ein Gesicht“, ein Gesicht, das anspricht, das einlädt und mitzieht. Unsere Kirche muss heilig werden, durch Jesus Christus und sein Evangelium. Dafür müssen wir bei den Heiligen bleiben.

 

3. Liebe Schwestern und Brüder!
Auf was dürfen wir setzen?

  • Auf den lebendigen Jesus Christus,
  • auf den Heiligen Geist
  • und auf die Menschen, die nach Gottes Bild und Gleichnis geschaffen sind.

Was sollen wir tun?

  • Tagtäglich in Umkehr und Buße, in Gebet und Erneuerung verharren.
  • Dem Gottesdienst und Gebet, der Liebe zu Gott, dem Vater, und Jesus Christus, unserem Bruder, nichts vorziehen.
  • Immer wieder ein Herz und eine Seele sein.

Wobei sollen wir bleiben?

  • Beim Wort Gottes,
  • bei den Armen
  • und bei den Heiligen.

Beginnen wir so dieses neue Jahrtausend unserer Bistumsgeschichte. So werden wir Kirche unterm Sternenmantel bleiben. Der Herr segne unsere Wege. Amen.

Erzbischof Dr. Ludwig Schick
 

 
   
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