CaritasZukunft schaffen durch Ausbildungsplätze in der ambulanten Altenpflege
Im Rahmen der Initiative „Ausbildung – Arbeit – Zukunft – für Menschen in unserer Regon“, die das Erzbistum Bamberg in seinem Jubiläumsjahr 2007 durchführt, will die Caritas im Erzbistum Bamberg ihren 38 Sozialstationen ermöglichen, Auszubildende einzustellen. Die Initiative will für vier soziale Projekte – von denen „Zukunft schaffen durch Ausbildungsplätze in der ambulanten Altenpflege“ eines ist – 1000 Euro für jedes Jahr, das die Diözese besteht, sammeln, also insgesamt 1 Million Euro.1. Bedarfssituation in der AltenpflegeausbildungEs besteht die dringende Notwendigkeit, verstärkt junge Menschen für den Beruf des Altenpflegers/der Altenpflegerin auszubilden. 1.1. Zunahme der Zahl pflegebedürftiger MenschenDie demographische Entwicklung geht dahin, dass die Zahl alter Menschen sowohl absolut wie in Relation zu anderen Altersgruppen zunimmt. Für Oberfranken errechnen Prognosen des Landesamtes für Statistik folgende Zahlen: Die Zahl der über 75-jährigen Bürgerinnen und Bürger wird von gegenwärtig 100.000 bis 2020 auf 125.000 steigen. Im Jahr 2005 lebten 11.500 Personen dieser Altersgruppe in Alten- und Pflegeheimen und wurden dort von 5.500 Mitarbeitern versorgt. 6.130 Personen ließen sich von Sozialstationen ambulant pflegen, wofür 2260 Mitarbeiter eingesetzt waren. Auf Grundlage der Prognose ist davon auszugehen, dass 2020 die Alten- und Pflegeheimen 14.735 Bewohner/innen haben, die Sozialstationen 7.670 Patienten. Für sie würden 6.875 Altenpfleger/innen in der stationären und 2825 in der ambulanten Pfle-ge benötigt. Das ist ein Mehrbedarf von 1.375 bzw. 565 Personen oder jeweils 25 %. Die Situation wird verschärft durch die Häufung der Demenzerkrankungen. Etwa 8 bis 13 % aller Menschen über 65 Jahre leiden in der Bundesrepublik unter einer Demenz. Bei den 65- bis 69-Jährigen sind es 5 %, bei den 80- bis 90-Jährigen schon fast 25 %, bei den über 90-Jährigen ist es jeder Zweite. Die Bundesärztekammer prognostiziert eine deutliche Zunahme. Derzeit gibt es in Deutschland bereits mehr als eine Million Demenzpatienten, die Pflege bräuchten. Bis 2040 ist mit einer Erhöhung um 120 Prozent auf eine Gesamtzahl von 2,2 Millionen Fällen von Demenz zu rechnen. Die Gesellschaft steht somit vor der Herausforderung, dass in der Altenpflege vermehrt ausgebildetes Personal benötigt wird. 1.2. Veränderter Ausbildungsweg in der AltenpflegeIm September 2003 trat bundeseinheitlich eine neue Ausbildungsordnung für die Altenpflege in Kraft. Charakteristisch für sie ist, dass sie den Anteil der praktischen Ausbildungszeit nahezu verdoppelt hat. Um diese praktische Ausbildung zu erhalten, benötigen die Schülerinnen und Schüler Ausbildungsplätze in Einrichtungen der Altenpflege. Fachkräfte und Praxisanleiter aus diesen Einrichtungen sind federführend für die praktische Ausbildung zuständig. Die Ausbildung dauert nun drei statt früher zwei Jahre; die dreijährige Ausbildung ist nur in Vollzeit möglich. Zugangsvoraussetzung ist der Mittlere Bildungsabschluss (Realschule, 10. Klasse Hauptschule, 10. Klasse Gymnasium, etc.) oder der Hauptschulabschluss und eine erfolgreich abgeschlossene, mindestens zweijährige Berufsausbildung. Durch den Besuch der Berufsfachschulen für Altenpflege erfüllen die Schülerinnen und Schüler die Berufsschulpflicht. Die Schüler erhalten eine Ausbildungsvergütung, die im Bereich der Caritas monatlich zwischen 720 Euro im ersten und 900 Euro im dritten Lehrjahr liegt. Die Änderung der Ausbildung stellt einerseits eine Chance dar: Es können vermehrt junge Leute für eine Ausbildung in Altenpflege interessiert werden. Der Kreis potentieller Auszubildender ist um Schüler mit mittlerem Schulabschluss erweitert. Andererseits ergeben sich Probleme: Die Berufsfachschulen für Altenpflege registrieren eine erhöhte Zahl von Ausbildungsabbrechern. Manche Schüler unterschätzen die physischen und psychischen Anforderungen der Altenpflege. Andere Schüler wählen die Altenpflegeausbildung aus Verlegenheit, weil sie keinen anderen Ausbildungsplatz gefunden haben. Die bisher bestehende Möglichkeit, die Altenpflegeausbildung in drei Jahren in Teilzeit zu absolvieren, besteht nicht mehr. Die Teilzeitausbildung ist auf fünf Jahre verlängert. Damit entfällt die Zielgruppe der Berufsrückkehrerinnen. Bislang entschieden sich gerade Frauen, die Kinder erziehen, für diese Form der Ausbildung, um nach Beendigung der Familienphase als Altenpflegerin wieder ins Berufsleben einsteigen zu können. Für die Altenpflege müssen vermehrt junge Menschen gewonnen werden. Dies bietet zugleich die Chance, etwas gegen Jugendarbeitslosigkeit zu tun. 1.3. Sozialstationen können nicht ausbilden, obwohl sie es dürfenTheoretisch kann der praktische Teil der Ausbildung sowohl in der stationären als auch in der ambulanten Krankenpflege erfolgen. De facto finden die Altenpflegeschüler/innen aber fast nur Ausbildungsplätze in Alten- und Pflegeheimen. Der Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg beschäftigt in den 12 Caritas-Alten- und Pflegeheimen, die sich in seiner Trägerschaft befinden, gegenwärtig 23 Personen in der Ausbildung zum/zur Al-tenpfleger/in. Sein erklärtes Ziel ist es, diese Zahl noch zu steigern. Der enge Finanzierungsrahmen, den die Pflegeversicherung steckt – seit ihrer Einfüh-rung wurden die Entgelte nie der Lohn- und Preisentwicklung angepasst –, erlaubt es dagegen den Sozialstationen i.d.R. nicht, einen Auszubildenden einzustellen. Verhand-lungen mit den Pflegekassen über die Anrechnung von Ausbildungskosten haben zu kei-nem Ergebnis geführt. In der Erzdiözese Bamberg gibt es derzeit 38 Caritas-Sozialstationen (ohne Außenstel-len). Lediglich zwei von ihnen haben gegenwärtig einen Auszubildenden. Durch die feh-lende Finanzierungsmöglichkeit gehen der Altenpflege somit fast 40 potentielle Ausbil-dungsplätze verloren. 1.4. Caritas benötigt Mitarbeiter mit christlichen WertvorstellungenFür die Caritas ist von besonderer Bedeutung, dass sie als Nachwuchs und zum Ausgleich der Personalfluktuation nicht nur gut qualifizierte und motivierte Mitarbeiter/innen gewinnt, sondern auch über Mitarbeiter/innen verfügt, die nach christlichen Wertvorstellungen ausgebildet sind. Die Caritas in der Erzdiözese steht daher vor der Herausforderung, die Zahl der Ausbildungsplätze in den eigenen Einrichtungen weiter zu erhöhen. Dazu böten sich in der Altenpflege die Caritas-Sozialstationen an. Die theoretische Ausbildung kann zudem an den Caritas-Berufsfachschulen für Altenpflege in Bamberg und Nürnberg erfolgen. 2. FinanzbedarfEin Auszubildender in der Altenpflege kostet den Arbeitgeber im 1. Lehrjahr 1017 € im Monat, d.h. gut 12.200 € im Jahr. Die Personalkosten für das 3. Jahr liegen um mindes-tens 2000 € höher. Für die Ausbildung eines Altenpflegers/einer Altenpflegerin muss der Arbeitgeber insgesamt wenigstens 40.000 € aufbringen. Nach Vorgabe des Geschäftsführenden Ausschusses des Bistumsjubiläums sollen die Träger der Sozialstationen, denen ein Auszubildender aus der Spendeaktion gefördert wird, 30 % der Kosten aus Eigenmitteln aufbringen. Für die Finanzierung der zusätzlichen Ausbildungsplätze im Rahmen des Bistumsjubiläums hat der Diözesan-Caritasverband folgendes Modell vorgesehen: - 30 % der Kosten bringen die Kreis-Caritasverbände als Träger der Sozialstationen selber auf. Das bedeutet zweifellos einen Kraftakt, denn je nach Zahl seiner Sozialstatio-nen muss ein Kreis-Caritasverband mehrere tausend Euro jährlich in seinen Haushalt einstellen.
- Für weitere 30 % sollen Drittmittel eingeworben werden, z.B. Förderungen von Stiftungen.
- 40 % sollen die Spenden ausmachen. Für einen Ausbildungsplatz wären dies 16.000 €. Sollen alle 38 Sozialstationen einen Auszubildenden erhalten, müssten 608.000 € an Spenden zusammenkommen.
Die ersten Jugendlichen könnten im September 2007 ihre Ausbildung beginnen.

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