Erzbischof Gottesdienste Veranstaltungen Anfahrtsskizzen
  Druckversion   Seite versenden

Pflegende Angehörige

Pflege Mann mit Rollstuhl
Pflegende Beschäftigte fürchten oftmals, als nicht konzentrations- oder leistungsfähig angesehen zu werden, wenn sie ihre Belastung offen legen. Viele Betroffene verschweigen daher, dass Sie Angehörige pflegen. Unmut am Arbeitsplatz kann entstehen, wenn diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich scheinbar grundlos zurückziehen, häufiger fehlen oder bereits erschöpft oder gereizt den Arbeitstag beginnen.

Wird das Thema im Arbeitsumfeld angesprochen, zeigen Vorgesetzte, Kolleginnen und Kollegen meistens Verständnis und versuchen, die Betroffenen aktiv zu unterstützen. Durch entsprechende Maßnahmen des Arbeitgebers zur besseren Vereinbarkeit von Pflege und Beruf kann nicht nur die Leistungs- und Beschäftigungsfähigkeit der Pflegenden erhalten werden sondern auch eine Stärkung der häuslichen Pflegesituation ereicht werden.

Am 1. Juli 2008 trat das Pflegezeitgesetz in Kraft.  Ziel des Gesetzes ist, Beschäftigten die Möglichkeit zu eröffnen, pflegebedürftige, nahe Angehörige in häuslicher Umgebung zu pflegen und damit die Vereinbarkeit von Beruf und familiärer Pflege zu verbessern. Das Pflegezeitgesetz will Beschäftigte unterstützen, wenn in ihrer Familie ein Pflegefall eintritt und sie eine entsprechende Pflege organisieren bzw. diese selber für eine gewisse Zeit übernehmen wollen. Dazu räumt das Gesetz Beschäftigten Ansprüche auf Freistellungen für zwei unterschiedliche Fälle ein.

Kurzzeitige Arbeitsverhinderung (§ 2 PflegeZG):

  • Bei einer akut auftretenden Pflegesituation eines nahen Angehörigen besteht ein Anspruch auf unbezahlte, kurzzeitige Arbeitsbefreiung von bis zu 10 Arbeitstagen. Berufstätige sollen in einem solchen Fall die Möglichkeit haben, sich über Pflegeleistungsangebote zu informieren und die erforderlichen organisatorischen Vorkehrungen zu treffen, z. B. ihre Angehörigen zunächst kurzfristig selbst zu Hause zu versorgen, bis diese in einer geeigneten Pflegeeinrichtung untergebracht werden können.
  • Die Beschäftigte/der Beschäftigte muss keine „Vorwarnzeit“ einhalten, das bedeutet, er kann von jetzt auf gleich die Auszeit in Anspruch nehmen. Allerdings muss er dem Arbeitgeber seine Verhinderung an der Arbeitsleistung und deren voraussichtliche Dauer unverzüglich (d. h. sofort) mitteilen.
  • Der Arbeitgeber kann eine ärztliche Bescheinigung über die Pflegebedürftigkeit des nahen Angehörigen und die Erforderlichkeit der pflegerischen Versorgung verlangen.

Pflegezeit (§ 3 PflegeZG):

Möchte eine Beschäftigte/ein Beschäftigter einen pflegebedürftigen nahen Angehörigen selbst in 
häuslicher Umgebung pflegen, besteht ein Anspruch auf Gewährung einer bis zu sechsmonatigen
„Pflegezeit“. Für diesen Anspruch müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Der Arbeitgeber hat mehr als 15 Beschäftigte (Arbeitnehmerinnen/Arbeitnehmer, Auszubildende, arbeitnehmerähnliche Personen).
  • Die Pflegebedürftigkeit des nahen Angehörigen wird durch Vorlage einer Bescheinigung der Pflegekasse oder des medizinischen Dienstes des Krankenversicherung nachgewiesen.
  • Die Pflege erfolgt in häuslicher Umgebung.
  • Ankündigung der Pflegezeit:
    -  schriftlich und mindestens zehn Arbeitstage vor Beginn der Pflegezeit;
    -  mit dem Pflegezeitantrag ist zu erklären: Beginn und Ende der Freistellung/Umfang der Freistellung, bei teilweiser Freistellung auch die gewünschte Verteilung der Arbeitszeit;
    Achtung: bei teilweiser Freistellung haben Arbeitgeber und Arbeitnehmer über die Verringerung und Verteilung der Arbeitszeit eine schriftliche Vereinbarung zu treffen. Wünsche des Arbeitnehmers kann der Arbeitgeber bei dringenden betrieblichen Gründen ablehnen.

Weitere Informationen zum Pflegezeitgesetz finden Sie hier.

Familienpflegezeitgesetz (FPfZG):

Mit dem neuen Familienpflegezeitgesetz (FPfZG) ist ab 01.01.2012 zusätzlich ein Instrument verabschiedet worden, um die Betreuung Pflegebedürftiger durch Familienmitglieder zu optimieren.

  • Der/die Beschäftigte kann für die Dauer von maximal zwei Jahren die wöchentliche Arbeitszeit auf bis zu 15 Stunden reduzieren.
  • Das Arbeitsentgelt wird für die Dauer der Familienpflegezeit vom Arbeitgeber so aufgestockt, dass der/die Beschäftigte, der/die vor Beginn der Familienpflegezeit beispielsweise in Vollzeit gearbeitet hat, bei 50%iger Arbeit während der Pflegephase 75% seines/ihres letzten Bruttoeinkommens erhält. In der Nachpflegephase arbeitet der/die Beschäftigte wieder in Vollzeit, erhält aber auch nur weiterhin 75% seines/ihres Bruttogehalts, bis das Zeitkonto ausgeglichen ist.
  • Während der Familienpflegezeit und der Nachpflegephase besteht für den Arbeitgeber ein grundsätzliches Kündigungsverbot.
  • Der/die Beschäftigte hat auf die Freistellung nach dem Familienpflegezeitgesetz keinen Rechtsanspruch. Es kommt daher nur bei freiwilligen Vereinbarungen zwischen den Vertragsparteien zur Anwendung.

Weitere Informationen zum Familienpflegezeitgesetz finden Sie hier.

Folgende betriebliche Maßnahmen werden und wurden auch schon zuvor von uns unabhängig von der Betriebsgröße zur Unterstützung pflegender Beschäftigter angeboten:

Anpassung der Arbeitszeit / Arbeitsorganisation an die Pflegesituation durch

  • flexible Arbeitszeiten
  • Reduzierung der Arbeitszeit
  • kurzfristige Freistellung
  • Sonderurlaub

Information / Beratung / Vermittlung durch

  • Thematisierung häuslicher Pflegesituationen in den Dienst-/MitarbeiterInnengesprächen
  • Rückkehrgespräche für pflegende Beurlaubte
  • Patenschaften für pflegende Beurlaubte
  • persönliche Beratung durch die Gleichstellungsstelle
  • hilfreiche Adressen an die Sie sich wenden können und weitere Informationen zur Kranken- und Altenpflege finden Sie auf den Seiten der Seniorenpastoral im Erzbistum Bamberg und auf der Homepage des Caritasverbandes für die Erzdiözese Bamberg

Und im Urlaub?

Pflegende Angehörige brauchen ausreichend Erholungsphasen, um den Anforderungen des Alltags gerecht zu werden. Achten Sie darauf, dass der Urlaub tatsächlich zur Erholung genutzt und nicht für die Pflege verwendet wird.

Wenn die Hauptpflegeperson Urlaub braucht, kann der Betreute eine sogenannte Ersatz- oder Verhinderungspflege in Anspruch nehmen. Die Pflegekasse übernimmt die Kosten bis zu vier Wochen im Jahr – vorausgesetzt, die Pflege wurde vorher ein Jahr lang hauptsächlich von derselben Person geleistet. Ersatzpflege kann entweder von einer professionellen Pflegekraft – beispielsweise einer Krankenschwester oder einem Krankenpfleger – oder von einem Verwandten oder einer sonstigen Person aus dem Umfeld des zu Pflegenden übernommen werden. Um eine Verhinderungspflege in Anspruch zu nehmen, muss der Pflegende nicht unbedingt wegfahren. Die Pflegeperson kann auch zu Hause Urlaub machen, während der Betreute in die Ferien fährt.

Es gibt die Möglichkeit einer stationären Kurzzeitpflege oder einer Kombination aus Tages- und Nachtbetreuung. Zunehmend gibt es Anbieter, die Urlaube gemeinsam mit dem zu Pflegenden offerieren. Hier besteht die Möglichkeit einer Betreuung für den Pflegebedürftigen und gleichzeitigen Erholungsangeboten für die Pflegeperson. Informieren Sie sich bei Ihrer Pflegekasse (Krankenkasse) oder unter einer der oben genannten Adressen.