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Stolpersteine

Was passiert mit dem Schächer, der nicht bereut?

Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein (Lukas 23,43)

Es muss ein furchtbares "Schauspiel" (Lk 23,48) gewesen sein, was sich vor dem Paschafest des Jahres 30 n. Chr. im alten Steinbruch Golgota vor den Stadtmauern Jerusalems abgespielt hat. Die römische Besatzungsmacht richtete den Unruhestifter Jesus von Nazaret hin, zusammen mit (mindestens) zwei anderen "Verbrechern" (Lk 23,32).

Die von Markus übernommene Inszenierung des Lukas lässt Jesus in der Mitte zwischen zwei anderen gekreuzigt werden. Diese beiden, eigentlich ja Leidensgenossen Jesu, nehmen nun sehr unterschiedlich Stellung zum Geschehen. Der eine übernimmt die spottenden Sprüche der johlenden Menge: "Bist du nicht der Messias? Dann hilf dir selbst und auch uns!" Der andere weist ihn scharf zurecht dafür. Für ihn ist Jesus ein unschuldig leidender Gerechter. An ihm will er sich aufrichten. Und Jesus verheißt ihm das Paradies.

Nun liegt ja die Frage nahe, was mit dem anderen, dem Spötter geschieht. Wenn der eine ins Paradies kommt, kommt der andere dann in die Hölle? So haben sicher schon viele gedacht. Und ich glaube, dass solche Überlegungen durchaus nahe liegend sind: Was Lukas hier fast wie das "Schauspiel der Menschheit" beschreibt, verdichtet in einer ganz kleinen Szene auf Golgota, ist ein riesiger Skandal. Da liegen drei Menschen im Sterben. Alle drei erleiden das selbe Schicksal. Und angesichts des unmittelbar bevorstehenden Todes meint einer immer noch, etwas Besseres zu sein und sich spottend über den anderen erheben zu müssen. Anstatt sich selbst und die mit ihm Leidenden ernst zu nehmen, anstatt die Nähe der Leidensgenossen zu suchen, geht er in spottende Distanz. Nicht nur, weil es hier um Jesus geht, ist das ein Skandal: Der Spötter nimmt seine Mitmenschen nicht ernst und sich selbst wohl auch nicht.

Wirklich nichts ist ihm heilig, nicht einmal das zu Ende gehende Leben. Solche Menschen aber bereiten sich und anderen die Hölle. Wie soll man das anders sagen? Das hat im übrigen nichts damit zu tun, dass es Gottes Angelegenheit ist, wie (und ob) er für solche Menschen nach ihrem Tod sorgt. Darüber können wir nur spekulieren und für uns selbst hoffen, dass Gottes Gerechtigkeit eine andere ist als unsere menschliche.

Dieter Bauer ist Leiter der Bibelpastoralen Arbeitsstelle des Schweizerischen Katholischen Bibelwerks in Zürich.
Er ist langjähriger Redakteur der Zeitschriften "Bibel heute" und "Bibel und Kirche".

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