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Stolpersteine

Wider störrende und störrische Frauen?

Eine Hexe sollst du nicht am Leben lassen. (Ex 22,17)

Wenn Kirchenmänner menschenverachtende Dogmen in die Welt setzen oder verteidigen, dann geschieht das nicht im Geiste der Bibel, wohl aber mitunter in ihren Worten. Das war etwa im unseligen "Hexenhammer" der Fall, einem von Papst Innozent VIII. angeregten Werk, verfasst von den beiden Dominikanern Heinrich Kramer und Jakob Sprenger. Zwischen 1486 und 1669 erlebte das Buch nicht weniger als 34 Auflagen. Es gehört damit zu den Best- und Longsellern der frommen Literatur. Darin wurde die reichlich praktizierte Verbrennung von Hexen biblisch begründet: "Es ist tatsächlich die letzte Möglichkeit, die der Kirche offen steht, und sie ist dazu durch das göttliche Gebot verpflichtet, das heißt: Eine Hexe sollst du nicht am Leben lassen! ".

Kirchliche Würdenträger, die sonst auf das Judentum und sein mosaisches Gesetz pfiffen, machten diesen relativ nebensächlichen Satz aus dem ältesten Gesetz der Tora (Bundesbuch), zum archimedischen Punkt ihrer gewalttätigen Verfolgung von Frauen, die sie als nicht gesellschaftskonform ansahen. Dass er in den jüngeren Gesetzen der Tora (Deuteronomium, Heiligkeitsgesetz) so nicht mehr vorkommt, kümmerte sie wenig.

Gewiss, dieser Satz ist allein schon deshalb kein Stolperstein mehr, weil kaum noch jemand die Gesetze des Bundesbuches liest. Außerdem gibt es ja Menschenrechtsorganisationen und internationale Gerichtshöfe. Gott sei Dank!

Obwohl: Wie viele Tausende von Frauen fallen in christlichen Ländern jährlich der Selbstjustiz ihrer gestressten oder enttäuschten Männer zum Opfer? In welcher Statistik erscheinen sie? Welche Aufklärungskampagnen laufen dagegen? Wieviele Tausende von Frauen werden von der römisch-katholischen Kirche mit fragwürdig-biblizistischer Argumentation an der Realisierung ihres priesterlichen Charismas gehindert? Welche Lobby schützt sie?

Störende und störrische Frauen werden offenbar noch immer erstaunlich leichtfüßig liquidiert, ob mit oder ohne Bibel. Gilt der Satz also noch immer? Reden Sie doch mal mit Ihren Freunden darüber, frei nach dem Motto: Lesen - stolpern - erinnern - handeln!

Thomas Staubli, Dr. theol.,
Leiter des Projektes Bibel + Orient der Universität Freiburg/Schweiz und Familienmann

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