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Stolpersteine

"Krieg der Sterne" in der Bibel?

Da entbrannte im Himmel ein Kampf; Michael und seine Engel erhoben sich, um mit den Drachen zu kämpfen. Der Drache und seine Engel kämpften, aber sie konnten sich nicht halten, sie verloren ihren Platz im Himmel. Er wurde gestürzt, der große Drache, die alte Schlange, die Teufel oder Satan heißt und die ganze Welt verführt; der Drache wurde auf die Erde gestürzt, und mit ihm wurden seine Engel hinabgeworfen. (Offenbarung 12. 7-9)

In der Apokalypse, dem letzten Buch der Bibel, gibt es etliche Szenen, die den Vergleich mit den Drehbüchern heutiger Katastrophen-Filme nicht scheuen müssen: Da steigen siebenköpfige Monster aus dem Meer, werden Städte in Schutt und Asche gelegt, fegt der Schwanz kosmischer Ungeheuer Sterne vom Himmel ...

Das Wort "Apokalypse", das eigentlich "Enthüllung" bedeutet, wird deshalb im heutigen Sprachgebrauch im Sinn von "Weltuntergang" verwendet. Mit der geläufigen Vorstellung von der Bibel als "Buch von der Liebe" ist all das schwer vereinbar. Erschreckend sind dagegen die Übereinstimmungen mit Bildern unserer Welt: Waffenarsenale mit unbegrenztem Zerstörungspotenzial, Verseuchung der Meere, die von giftigen Algen blutrot oder von ausgelaufenem Öl pechschwarz verfärbt sind, Terroranschläge, die das Nervenzentrum der westlichen Weltwirtschaft auslöschen ...

Die Möglichkeiten der Zerstörung des Lebens haben seit der Zeit der Bibel in unvorstellbarem Ausmaß zugenommen. Aber schon damals waren es die Erfahrungen von Gewalt und Glanz der faszinierenden und bedrohlichen römischen Weltherrschaft und ihres Apparates, welche den prophetischen Visionär dazu brachte, seine Bilder eines endzeitlichen Kampfes zwischen Leben und Tod, Gott und gottfeindlichen Mächten aufzuschreiben. Die christlichen Gemeinden sollten sensibilisiert werden für den Ernst der Lage. Sie sollten ermutigt werden, sich für das Leben zu entscheiden und gegen den Tod, für die Solidarität der Schwachen und gegen den Vernichtungskrieg der Mächtigen gegen die Ohnmächtigen.

Und sie sollten bestärkt werden in ihrer Hoffnung, dass der Gott Jesu Christi auf der Seite der Schwachen und Friedliebenden steht, auch wenn die römische Weltherrschaft für sich in Anspruch nahm, Gott auf ihrer Seite zu haben. Die Bilder der Apokalypse sind gewaltig - aber ihre Absicht ist der Friede. Am Ende steht die Vision von einer Welt ohne Hunger, ohne Krieg, ohne Angst und ohne Tränen.

Das ist gerade in unserer Zeit eine ebenso lebensnotwendige wie "gewaltige" Hoffnung - und eine Aufforderung, unsererseits das Leben zu wählen!

Daniel Kosch, Dr. theol., leitete 1992-2001 das Schweizerische Katholische Bibelwerk und
ist Generalsekretär der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz

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