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Stolpersteine

Haben Reiche eine Chance auf das Himmelreich?

Mk 10, 24-25: ... Jesus sagte zu ihnen: "Meine Kinder, wie schwer ist es, in das Reich Gottes zu kommen! Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt!" (vgl. weiter Mk 10, 17.27).

Reich und gut, gottgefällig und zufrieden sein, sich ein angenehmes Leben auf der Erde und einen Platz im Himmel sichern zu können, ist ein Traum. Wer vermögend ist, versteht es, Geld gewinnbringend arbeiten zu lassen und sieht den Erfolg. Aber wie wird ein Mensch gut und gottgefällig? Der Tenach (= das Erste/Alte Testament) lehrt, z. B. in den 10 Weisungen: durch Vermeidung von Regelbrüchen gegen das Leben und gegen Gott. Aber der daraus entstehende Erfolg ist schlecht messbar und so bleibt ein eigentümlich unbefriedigtes Gefühl bestehen.

Genau dieses Dilemma erkennt Jesus. Er gewinnt den Fragenden lieb, durchschaut ihn, erkennt hinter der Frage seine Sehnsucht nach Fülle und Erfüllung wie auch seine Erfahrung des Ungenügens, und gibt ihm eine Aufgabe, die nicht nur Enthaltung vom Lebensfeindlichen, sondern ziel- und ressourcenorientierte Handlung verlangt. Jesus gibt genau das, wonach er gefragt wird: eine erfüllende Aufgabe. Aber die stimmt traurig, denn "er hatte viele Güter". Der Mensch erkennt, dass Erfüllung ganzen Lebenseinsatz fordert - und dieser Preis ist zu hoch. Was bleibt übrig, als enttäuscht wegzugehen?

Die. Chancen stehen schlecht für alle, die etwas besitzen, das sie nicht gern hinter sich lassen. Ein Nadelöhr ist kein Stadttor, an dem einfach Zoll bezahlt werden kann. Den Platz im Himmel können wir uns nicht verdienen. Der Preis ist zu hoch, denn wir lieben, was uns reich macht - wir lieben dieses Leben, und wir wollen es nicht aufgeben.

Und das ist ganz richtig so. Denn: den Platz im Himmel muss niemand sich selbst verdienen, weil Jesus Christus ihn längst für uns erworben hat (ob wir das begreifen, oder nicht): "Bei Gott sind alle Dinge möglich" (V 27). Weil Jesus jede und jeden von uns "liebgewonnen hat", ganz unverdienter Maßen. Dies allein kann unsere Leere füllen, und die Frage heißt nicht mehr: "Was muss ich tun, damit ... ?" sondern: "Was will ich tun, weil Gott mir den Platz im Himmel freihält?".

Angela Wäffler-Boveland, Pfarrerin,
Projektleiterin der Evangelischen Theologiekurse, Zürich

 

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