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Stolpersteine

Wie kann ein Prophet 450 Gegner abschlachten?

1 Kön 18,40: Elija befahl ihnen: " Ergreift die Propheten des Baal! Keiner von ihnen soll entkommen!" Man ergriff sie, und Elija ließ sie zum Bach Kischon hinabführen und dort töten. (vgl. weiter 1 Kön 18)

Mir klingt die Musik aus Felix Mendelssohns Oratorium "Elias" im Ohr: "Ergreift die Propheten Baals, dass ihrer keiner entrinne!" singt die Bassstimme des Propheten, und der Chor des Volks bekräftigt diesen Aufruf. Wunderschöne Musik, die so gar nicht zu 450 Leichen passt. Weder die Bibel noch die christliche Geschichte und Kultur spart die Grausamkeiten des Lebens aus. Immer wieder stören wir uns daran , wie "menschlich" - im negativen Sinn - es auch in der Kirche zugeht.

Wie kommt Elia zu diesem brutalen Aufruf? Es herrschen Dürre und Hungersnot in Israel, und Elia meint zu wissen warum: Das Königshaus hat sich von Jahwe, dem Gott Israels abgewendet und die Verehrung des Fruchtbarkeitsgottes Baal aufgenommen. Die Königin Isebel hat sogar die Propheten Jahwes ausgerottet - Elia ist der einzige Überlebende. Das Volk verhält sich pragmatisch. Es wechselt jeweils zu derjenigen Religion, die am meisten zu nützen scheint. Elia wirft ihm darum vor, "auf beiden Seiten zu hinken". Nun soll der Tatbeweis eine Klärung bringen. Elia tritt gegen die Priester des Baal zum Opferwettbewerb an - und siegt. Das Volk ist überzeugt und fällt über die Baalspropheten her und schon beginnt es zu regnen, die Dürrezeit ist ausgestanden.

Eine dramatische Geschichte, die sich unter extremen Bedingungen abspielt und Elia erneut in Lebensgefahr bringt. Hauptakteur im Hintergrund ist jedoch Jahwe, von dem es heißt, er sei ein "eifriger Gott". Er will der einzige sein, der verehrt wird und scheut auch Grausamkeit nicht, um dies durchzusetzen. So wird er in dieser Geschichte (1 Kön 18,1-46) - und auch in anderen biblischen Texten - dargestellt. Er ist hier nicht der "liebe Gott", den wir uns so gerne zurechtlegen. Wir reiben uns an diesem Gottesbild - zu Recht, finde ich. Denn es soll nicht dazu dienen, Grausamkeiten unter Menschen zu rechtfertigen.

Aber es soll uns daran erinnern, dass es nicht egal ist, was wir glauben und wie wir unseren Glauben leben.

Brigitte Schäfer, Udligenswil, reformierte Theologin und Sozialwissenschaftlerin,
Projektleiterin bei wtb. Deutschschweizer Projekte Erwachsenenbildung Zürich

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