Aktuelles | Veranstaltungen | Spirituelles | Materialien | Ideen | Kontakt
Boxbild
  Druckversion   Seite versenden

Stolpersteine

Jerusalem: himmlich oder irdisch?

Offb. 21, 2-4: Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabkommen (...). Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er, Gott, wird bei ihnen sein. Er wird alle Tränen von den Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn das was früher war, ist vergangen. (vgl. weiter Offb. 21,1 - 22,5).

Jerusalem - Stadt der Hoffnungen und der Verzweiflung, der Sehnsucht und des Kampfes, der Zerstörung und der Erfüllung. Jerusalem ist umkämpft, bedroht, gefährdet - heute wie schon 70 n. Chr. und nochmals 600 Jahre vorher. Jedesmal wurde der Tempel, das Herzstück der Stadt, zerstört: Wo wohnt denn nun euer Gott?

Den Tempel gibt es längst nicht mehr, aber alle Erwartungen sind geblieben. Die Hauptstadt Israels ist noch immer mehr als ein Wohn- und Arbeitsort. Sie ist Ort der Verheißung, der Auferstehung und der Erfüllung. Wer hat ein Recht auf Tempelberg und Strassen, auf heilige Zeiten und Frieden?

Johannes, verbannt auf die Strafinsel Patmos, erwartet nicht, dass die Stadt wieder zu wirtschaftlicher Blüte kommen könne - aber an der Verheißung hält er fest, und so malt er das Bild eines ganz anderen Jerusalems: Aus Edelsteinen sei es gebaut, aus den selben zwölf, mit denen das Brustschild des Hohepriesters geschmückt war, um je an einen der 12 Stämme Israels zu erinnern (Ex 28). Dieselben Edelsteine finden sich auch im Paradies (Ez 28).

Dieses Jerusalem wird prunkvoll, märchenhaft sein, so himmlisch, wie es nur Gott zusteht. Das ist keine Stadt, für die Städteplaner, Architekten und Tiefbauzeichner engagiert werden. Keine Stadt mit Slums und Abfall, Kläranlagen, Spitälern und Friedhöfen. Dafür aber eine Stadt, in der die Tugenden herrschen, für die jeder einzelne Edelstein steht: Jaspis, so heißt es zum Beispiel, rufe die Kräfte der Lebendigkeit (und nicht der Zerstörung) in uns wach und heiße darum auch Jesusstein, der Sardonyx stärke die Freundschaft, Aquamarin verhelfe zu Klarsicht der Topas fördere Freiheit und Weisheit, und so weiter, Perlen aber, als Tore zum neuen Jerusalem sammeln persönliche Leistungsfähigkeit und Einsatz.

Mit den je eigenen Gaben könnten auch wir beginnen, an dieser Stadt zu bauen - das ist vielleicht das einzige, was auch dem irdischen Jerusalem zu Frieden verhelfen kann!

Angela Wäffler-Boveland, Pfarrerin,
Projektleiterin der Evangelischen Theologiekurse, Zürich

<-- zurück