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Stolpersteine

Hat Gott "Lieblingskinder"?

Gen 4,3-5: Kain brachte Gott ein Opfer von den Früchten des Feldes dar;auch Abel brachte eines dar von den Erstlingen seiner Erde und von ihrem Fett. Gott schaute auf Abel und sein Opfer; aber auf Kain und sein Opfer schaute er nicht. Da überlief es Kain ganz heiß, und sein Blick senkte sich. (vgl. weiter Gen 4, 1-16). 

Ein Lehrer kann viele Fehler haben, aber wenn er parteiisch ist, wird er gehasst und seine Lieblingskinder mit ihm. Joseph, Lieblingskind seines Vaters Jakob, wird von seien neidischen Brüdern als Sklave verkauft (Gen 37). Lieblingskinder ziehen den Hass und den Neid anderer auf sich. Gott wäre also gut beraten, keine zu haben, sondern sich allen Mensehen gleichermaßen zuzuwenden. Theoretisch glauben wir Christinnen und Christen, dass er das tut, aber praktisch geht es auch bei uns oft zu, wie es am Anfang der Bibel (Gen 4,1-16) geschildert wird:

Da hat einer der beiden Brüder, der Schafhirt, mehr Erfolg in seinem Beruf. Der andere, der Bauer, fühlt sich von Gott ungerechterweise zurückgesetzt, weil Erfolg damals selbstverständlich als dessen Zuwendung angesehen wurde. War nun der Hirte Gottes Lieblingskind? Oder hatte er einfach besser gearbeitet? Möglicherweise hatte er auch einfach Glück mit seinen Tieren, während das Wetter seinem Bruder eine weniger gute Ernte bescherte.

Es gibt tausend Gründe für all die Ungleichheiten unter Menschen. Auch für uns heute ist es schwierig, mit ihnen zu leben. Wer ist denn dafür verantwortlich? Ist es Gott, der willkürlich Begabungen, Lebensumstände, Schicksale verteilt, der den einen Glück und Erfolg zukommen lässt und die anderen mit Unglück oder auch nur einem gewöhnlich langweiligen Leben bestraft?

Die Geschichte von Kain und Abel erklärt uns nicht, warum Abel mehr Erfolg hat. Erst die spätere Auslegung macht aus dem Verlierer Kain von vornherein einen Bösewicht. In der Geschichte wird er, als die Ungleichheit zu Tage tritt, von seinen Neidgefühlen überschwemmt.

Gott warnt ihn und verlangt von ihm, diese Gefühle unter Kontrolle zu halten und schützt ihn mit dem "Kainszeichen", als ihm dies nicht gelingt. War nun Kain Gottes Lieblingskind? Die Frage nach Got,tes Lieblingskindern ist die Frage nach unserem Neid.

Gott hebt die Ungleichheit unter Menschen nicht auf, sondern stellt uns die Aufgabe, damit umzugehen.

Brigitte Schäfer, Udligenswil,
reformierte Theologin und Sozialwissenschaftlerin,
Projektleiterin bei wtb. Deutschschweizer Projekte Erwachsenenbildung Zürich

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