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Stolpersteine

Hat Jesus den Frieden oder das Schwert gebracht?

Ich bin nicht gekommen den Frieden zu bringen, sondern das Schwert (Mt 10,34).

Dieses Jesuswort aus dem Matthäusevangelium bringt mich zum Stolpern, weil es allem widerspricht, was ich sonst von von Jesus weiß: Er ist es doch, der in seiner Bergpredigt die Friedensstifter selig gepriesen hat.

Schaue ich ins Matthäusevangelium, dann finde ich den Satz vom Schwert in einer Rede (10,5-42), in der Jesus seine Jünger darauf vorbereitet, was ihnen bei ihrer Verkündigung des Reiches Gottes alles widerfahren wird. Er weist sie an, jedem Haus, in das sie kommen, Frieden zu wünschen (12). Aber er bereitet sie gleichzeitig darauf vor, dass sie immer wieder auch keine Aufnahme finden würden. "Wie Schafe mitten unter die Wölfe seien sie geschickt und bräuchten deshalb eine den Schlangen vergleichbare Klugheit (16)!

Hier geht es um eine ärgerliche Erfahrung, die Jesus selbst auch gemacht hat: Den Friedfertigen begegnet man nicht mit Frieden, sondern allzu oft mit Ablehnung, ja mit Hass und Gewalt. Die Arglosen wie die Tauben und die Friedfertigen werden nicht ernst genommen, sie werden verspottet, ausgenutzt, und allzu- oft kommen sie unter die Räder. Matthäus versucht den Nachfolgern Jesu Mut zu machen. Sie sollen nicht ins offene Messer laufen. Ihre Arglosigkeit in allen Ehren, aber sie sollen nicht meinen, dass es allein schon genüge, wenn sie in friedfertiger Absicht kämen. Auch wenn sie Frieden bringen wollen, Versöhnung und Eintracht, provozieren sie doch Streit und Zwietracht. Das war schon bei Jesus so: Je mehr Zulauf er von der einen Seite bekam, desto massiver wurde der Widerstand von der anderen, bis zum bitteren Ende. Er wollte den Frieden bringen - und gekommen ist Spott und Hohn, die Geißel, und schließlich das Kreuz, symbolisch: "das Schwert". Macht euch nichts vor, sagt Matthäus, eure Botschaft ist in keiner Weise harmlos. Ihr verkündet keinen Friede-Freude-Eierkuchen-Jesus. Ihr müsst mit den schlimmsten Reaktionen rechnen.

Was mich heute nachdenklich macht: Stimmt das für uns hierzulande auch noch? Wo provozieren wir denn mit unserer christlichen Botschaft solche Widerstände? Haben wir uns womöglich bereits so angepasst, dass vom Beunruhigenden der Jesusbotschaft gar nichts mehr zu spüren ist? Um des lieben Friedens willen?

Dieter Bauer war langiähriger wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Katholischen Bibelwerk e. V Stuttgart und Redakteur der Zeitschriften "Bibel heute" und "Bibell und Kirche". Seit 2002 ist er der Leiter der Bibelpastoralen Arbeitsstelle des Schweizerischen Katholischen Bibelwerkes in Zürich.

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