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Von Fusionen, Gemeinschaften und Verbünden
Auf den Regionalkonferenzen wird der Leitfaden für die Errichtung von Seelsorgeeinheiten vorgestellt

Die neuen Strukturen der Pfarrgemeinden in der Erzdiözese Bamberg wurden in diesen Tagen auf Regionalkonferenzen vorgestellt. Mit einem „Leitfaden“ reisen Experten aus dem Ordinariat in Bamberg durch die Regionen, um Seelsorgern und anderen haupt- und ehrenamtlich in den Pfarreien Tätigen zu erläutern, welche Auswirkungen der Konsolidierungsprozess in der Erzdiözese für sie vor Ort haben wird.

Eine „schwere Kost“ hätten er und seine Kollegen dabei zu vermitteln, findet der Leiter der Hauptabteilung Seelsorge, Domkapitular Dr. Günter Raab. Dabei bezieht er sich keineswegs nur auf den Umfang des Leitfadens – 50 Seiten Text plus 30 Seiten Anhang. Es gehe um weit mehr als nur um eine Verwaltungsreform, es gehe um eine grundlegende Änderung im Denken. Oder, wie es Generalvikar Alois Albrecht in seinem Geleitwort formuliert: „Es gilt mit Mut den Aufbruch zu wagen“, hin zu einer kooperativen Pastoral in den Seelsorgebereichen.

Eine solche kooperative Pastoral, also eine Seelsorge der Zusammenarbeit und nicht des Einzelkämpfers, verlangt der neue Pastoralplan der Erzdiözese. Dort sind die inhaltlichen Vorgaben gemacht, der Leitfaden möchte nun vorstellen, wie diese strukturell umzusetzen sind. Die Ausgangsüberlegung dahinter ist klar: Eine Pfarrgemeinde allein kann in Zukunft aus personellen, finanziellen oder gesellschaftlichen Gründen alle pastoralen Aufgaben nicht mehr wie gewünscht erfüllen – größere Einheiten müssen her, die Seelsorgebereiche. Sie entstehen durch den Zusammenschluss mehrerer Pfarreien und sollen im Idealfall rund 8000 Katholiken umfassen, in ländlichen Regionen können es aber auch weniger sein.

Drei Modelle

Drei Möglichkeiten zur Bildung von Seelsorgebereichen sind vorgesehen: Die Fusion zu einer Pfarrei, eine Pfarreiengemeinschaft oder ein Pfarreienverbund. Bei der Fusion können sich entweder kleinere Pfarreien auflösen und als Filialkirchengemeinden in einer größeren aufgehen oder alle ehemaligen Pfarreien lösen sich auf und gründen dann gemeinsam eine neue. In jedem Fall richtet der Erzbischof am Ende des Prozesses eine neue Pfarrei ein, die ein Pfarrer leitet. Eine neue gemeinsame Kirchenstiftung wird gebildet, ein gemeinsamer Pfarrgemeinderat gewählt.

Bei der Gemeinschaft und dem Verbund bleiben die Pfarreien dagegen rechtlich selbständig. In der Pfarreiengemeinschaft kooperieren die Partner in der Pastoral so weit wie möglich; es wird auch ein gemeinsamer Pfarrgemeinderat gewählt, der örtliche Ausschüsse bildet. Einer der Pfarrer wird zum Moderator ernannt, der die Gesamtverantwortung für die Seelsorge übernimmt. Die einzelnen Kirchenverwaltungen bleiben bestehen, für gemeinsame Aufgabenfelder wird eine Gesamtkirchenverwaltung gegründet.

Die lockerste Form des Zusammengehens ist der Pfarreienverbund. Die Gemeinden kooperieren sowohl in der Pastoral als auch bei Verwaltung und Finanzen in ausgewählten Bereichen und lediglich über Ausschüsse. Die Arbeitsgruppe „Struktur der Pfarrgemeinden“, die den Leitfaden zusammengestellt hat, befürchtet, dass diese Form der Zusammenarbeit eher zu einer stärkeren Belastung als zu einer höheren Effizienz führen könnte und empfiehlt sie deshalb nur Pfarreien, die in ähnlicher Form bereits zusammenarbeiten.

Die Kooperationsform „eine Pfarrei“ wird dagegen insbesondere Stadtpfarreien und Pfarrgemeinden, die allein kaum weiterbestehen könnten, ans Herz gelegt.

Die Pfarreiengemeinschaft eigne sich besonders für Pfarreien, die ein reges Eigenleben besitzen und darüber hinaus pastoral eng zusammenarbeiten wollen.

Personalschlüssel

Besonders wichtig für die Pastoral in den Seelsorgebereichen ist natürlich das Personal. Es soll nach einem festgelegten Schlüssel verteilt werden. Wobei die Priester gemäß Stellenplan zunächst auf der Ebene der Dekanate zugeteilt werden. Dekane, Regionaldekane und Ordinariat sprechen dann die Verteilung auf die Seelsorgeeinheiten ab.

Weitere Seelsorger wie Diakone im Gemeindedienst, Pastoralreferenten oder Gemeindereferentinnen stehen den Einheiten nach dem Schlüssel 0,16 Stellen pro 1 000 Katholiken zu, wobei im Einzelfall praktische Lösungen gesucht werden müssen, die eine Berechnung bis auf die letzte Kommastelle nicht zulassen. Voraussetzung für das Gelingen der kooperativen Pastoral ist aber in jedem Fall die Bereitschaft zur Zusammenarbeit unter den betroffenen Seelsorgern wie auch mit den Ehrenamtlichen.

Für die Finanzierung von weiterem Personal wie Mesner, Hausmeister, Pfarrsekretärin oder Kirchenmusiker ist nicht nur die Katholikenzahl in einer Seelsorgeeinheit, sondern auch die Größe der Fläche ausschlaggebend. Damit sollen ländliche Gemeinden, vor allem in der Diaspora, unterstützt werden. Genauso sollen die Sachmittel vergeben werden. Erhebliche Einschnitte wird es wohl auch bei den Immobilien geben müssen.

Es stehe fest, heißt es im Leitfaden klipp und klar, dass „nicht mehr alle Gebäude bezuschusst“ und „die Versammlungsflächen reduziert werden müssen“. Jedem Seelsorgebereich soll ein Grundbestand zustehen, dessen Bezuschussung gesichert ist: eine Kirche, ein Pfarrhaus mit Pfarrbüro, dazu eventuell ein Pfarr- oder Jugendheim und eine Kindertagesstätte. Für alles, was darüber hinaus geht, wird es keine Zuschüsse aus Bamberg mehr geben. Nicht mehr benutzte Pfarrhäuser sollen verkauft oder vermietet werden.

Nachdem in den Regionalkonferenzen die Informationen vermittelt worden sind, liegt es nun an den Dekanaten und Pfarreien, das weitere Vorgehen abzustimmen. Unterstützt werden sie dabei von den Strukturberatern. Bis Februar nächsten Jahres sollen die Kooperationskonzepte dann stehen und dem Seelsorgeamt vorgelegt werden.

Der neue Stellenplan für das pastorale Personal tritt im September 2006 in Kraft, die Budgets für Personal- und Sachkosten werden ab Januar 2007 nach dem neuen System vergeben.

Weitere Informationen zum Leitfaden erhalten Sie unter folgener Adresse: bsl-bamberg@gmx.de.

Datum: 02.05.2005
Autor: Johannes Büttner