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Predigt zum Abschied von Generalvikar Alois Albrecht und zur Einführung von Generalvikar Georg Kestel am 01. April 2006

Das Abschiedsgeschenk des Domkapitels an Prälat Alois Albrecht: Ein Gemälde von Erhard Schütze mit den wichtigsten Lebensstationen des scheidenden Generalvikars.
Das Abschiedsgeschenk des Domkapitels an Prälat Alois Albrecht: Ein Gemälde von Erhard Schütze mit den wichtigsten Lebensstationen des scheidenden Generalvikars.
Les.: Ez 37,1-14; Ev.: Joh 1, 1-5.9-14

Liebe Mitbrüder im bischöflichen, priesterlichen und diakonischen Dienst, verehrte Ehrengäste, Schwestern und Brüder!

1. Was liegt näher, als bei der eucharistischen Feier anlässlich der Verabschiedung eines Generalvikars und bei der Einführung seines Nachfolgers über die Kirche nachzudenken. Das ist vor allem dann angesagt, wenn der zu Verabschiedende selbst bei seiner Verabschiedung dazu anregt. Das hat Prälat Alois Albrecht getan. In den letzten Tagen und Wochen wurde immer wieder folgender Satz von ihm zitiert: „Neben dem Elternhaus ist die Kirche meine Heimat. Sie ist mein Haus, in dem ich immer gelebt habe“. Dieser Satz ist wie ein Hymnus an die Kirche. Er regt an über die Kirche nachzudenken, damit wir sie wertschätzen, sie lieben und in ihr mitarbeiten können.

2. „Hymnen an die Kirche“ sind in unserer Zeit selten geworden. Kritische Distanz, Desinteresse, Ablehnung, vorsichtiges Tasten, sogar Bekämpfung überwiegen, auch wenn der Tod von Papst Johannes Paul II. morgen vor einem Jahr, die Wahl von Benedikt XVI. und der Weltjugendtag manches geändert haben; das Wort Kirche hat wieder einen besseren Klang bekommen. Gott sei Dank!

Im vorigen Jahrhundert, genau 1924, hat Gertrud von Le Fort ihre berühmten „Hymnen an die Kirche“ verfasst. Sie hat die Stimmung nicht weniger auch unserer Zeit bezüglich Kirche beschrieben, indem sie im Schlussteil die Kirche selbst so sprechen lässt:

„Ich weiß, dass sie mich verspotten,
ich weiß, dass sie sich über mich erzürnen“,

Dann fährt die Kirche aber fort zu sagen:

„Ich weiß, dass sie an mir im Finstern tasten,
denn sie hören meine Stimme wohl,
und sie spüren meinen Widerschein in ihrem Herzen“.

Wer den Durchblick auf das innere Wesen der Kirche empfängt, hört dann das, was Gertrud von Le Fort die Kirche zu den Menschen sagen lässt:

„Ich will euer Herz zur Freiheit aufrichten
wider alle Sklaven der Vernunft!

Die Glühenden will ich annehmen,
und die Entsagenden nicht verschmähen!
Ich will den Liebenden Recht geben
im Antlitz der Vernichtung:
Ich will sie auf den Thron des ewigen Lebens setzen!
Ich will sie über die Gerechtigkeit erheben:
Ich will sie tragen bis an die Barmherzigkeit des Herrn.“

Das ist Wesen und Auftrag der Kirche: das Herz der Menschen zur Freiheit aufrichten, den selbstlos Liebenden die Gewissheit geben, dass selbstlos zu lieben Sinn macht, den Menschen zum ewigen Leben erheben und ihm den Triumph der Barmherzigkeit des Herrn zusichern.

3. „Hymnen an die Kirche“ gehören zur Tradition der Kirche. Schon im Neuen Testament finden wir sie. In den beiden ersten Kapiteln des Epheserbriefes (Eph 1,3-2,22) wird das „Loblied auf den Heilsplan Gottes“ gesungen. Es beginnt: „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus. Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel“ (Eph 1,3). Dieses Loblied auf den Heilsplan Gottes in Jesus Christus endet mit einem Lobpreis auf die Kirche: „Sie (die Kirche) ist sein Leib und wird von ihm erfüllt, der das All ganz und gar beherrscht“ (Eph 1,22). Zum Heilsplan Gottes gehört die Kirche und Gemeinschaft mit Christus finden wir in der Kirche, daran lässt der Epheserbrief keine Zweifel.

Auch im Kolosserbrief findet sich am Anfang eine „Lobpreisung des Heilsplanes Gottes“ (Kol 1,12-20). Diese beginnt mit den Worten: „Dankt dem Vater mit Freude! Er hat euch fähig gemacht, Anteil zu haben am Los der Heiligen, die im Licht sind“ (Kol 1,12). Mitten in diesem Hymnus heißt es: „Er ist das Haupt des Leibes, der Leib aber ist die Kirche“ (Kol 1,18). Die Kirche ist Zeichen und Werkzeug des Heiles.

4. Unser Jubilar hat die Kirche als „Haus“ erlebt, in dem er groß geworden ist. Dieses Haus war zuerst die Heimatpfarrei in Bayreuth, wo er Ministrant war und dann in Bamberg das kirchliche Konvikt „Ottonianum“, das ihm das Abitur ermöglichte, in dem er studieren, seine intellektuellen, menschlichen, musischen und sozialen Talente entfalten konnte. Im Priesterseminar wuchs die Weisheit und Erkenntnis Christi in ihm. Im „Haus Kirche“ fand er Arbeit und Brot, Freunde und Mitarbeiter.

Der Priester Alois Albrecht hat dann selber mit seinen Charismen und Fähigkeiten als Kaplan, Jugendpfarrer, Gemeindepfarrer, Generalvikar und Domdekan das „Haus Kirche“ geschmückt und ausgestattet. „Die Kirche ist meine Heimat. Sie ist das Haus, in dem ich immer gelebt habe“, ist Dankbarkeit und Anerkennung für die Kirche.

5. Liebe Schwestern und Brüder! Um Hymnen auf die Kirche zu singen, braucht es den Durchblick durch die Oberfläche hindurch in die Tiefe hinein. Kirche ist immer von Spannungen und Spaltungen, Unfriede und Enttäuschungen gekennzeichnet. Kirche ist Menschengemeinschaft und wo Menschen sind, da menschelt es. Auch das hat unser Jubilar erfahren. Es geht in der Kirche zu, wie in einer Familie und in einem Menschenhaus; aber in all dem ist sie Familie und geistiges Elternhaus, die Geborgenheit und Entfaltung schenken. Diese Sicht der Kirche legt uns unser Jubilar am Ende seiner Amtszeit als Generalvikar ans Herz.

6. Kirche ist Gabe Gottes, nicht von Menschen gemacht. Sie tut ihren Dienst im tiefen Innern, was oft von außen nicht erkannt wird. Sie wirkt das Heil der Menschen, trotz aller Schwachheit, Schuld und Versagen, weil Gott sein unverbrüchliches Ja zu ihr gesagt hat. Gott hat seinen Geist in die Kirche hineingelegt, der sich durch nichts auslöschen und behindern lässt. In den äußerlich schlimmsten Zeiten der Kirche hat dieser Geist oft eindrucksvoll und nachhaltig an Menschen gewirkt. Im Innern der Kirche tut Gott, der Geist Gottes, im Wort und Sakrament und durch heilige Menschen „still sein Geschäft,“ wie es in einem Laudeshymnus heißt.

7. Das so zu sehen und so durchzublicken, ist nötig, um in der Kirche nehmend und gebend, empfangend und schenkend, leidend und liebend mitwirken zu können. Wenn wir heute einen Mann der Kirche, Prälat Alois Albrecht, als Generalvikar verabschieden und seinen Nachfolger Monsignore Georg Kestel einführen und dabei die Eucharistie feiern, lenken beide unseren Blick auf die Kirche, die in 2000 Jahren das Geheimnis Gottes und die Liebe Christi weiterträgt. In ihr erweckt Gottes Geist und Jesu Liebe auch heute „tote Gebeine“ wieder zum Leben, wie es in der Lesung hieß. Kirche verkündet das Wort, das auch heute Menschen anrührt und befreit, Kirche bringt auch heute Licht, wo Dunkelheit herrscht, Kirche trägt Gott hin, wo sonst nur Welt wäre, so hat es das Evangelium verkündet. „Am Anfang war das Wort und nicht das Geschwätz und am Ende wird nicht die Propaganda sein, sondern wieder das Wort“, so schrieb Gottfried Benn. Für diese Kirche des Wortes Gottes und der Sakramente danken wir, sie rühmen und preisen wir, sie besingen wir in Hymnen und Lieder. Sie ist unabdingbar für das Heil der Menschen.

8. Die Kirche lieben, in ihr leben, Freud und Leid mittragen, wissen, dass sie aus Gottes Geist und Jesu Liebe lebt, in ihr wirken zum Heil der Welt, mit ihr mitfühlen, das kann der, der durchblickt. Außer dem hymnischen Satz: „Neben dem Elternhaus ist die Kirche meine Heimat. Sie ist mein Haus, in dem ich immer gelebt habe“, meine ich auch einen ausformulierten Hymnus von Alois Albrecht an die Kirche gefunden zu haben: die Einladung zu seinem 70. Geburtstag. Dieser Hymnus lädt ein, die Kirche zu erkennen, zu lieben, in ihr mitzuwirken und auch selbst Hymnen auf sie zu singen. Er lautet:

70 Jahre!
Wofür ich danke?
Für die Kirche; sie war und
ist der Boden, auf dem ich aufgewachsen
bin, wurde, und stehe.
Für die Sprache; sie war und
ist das Werkzeug, mit dem ich tastend
Gott und das Leben buchstabiere.
Für die Träume; sie waren und
sind der Stachel in meinem Fleisch.
Für die Künste; sie waren und
sind Form, Farbe und Klang meines Alltags.
Für Bamberg; es wurde und
ist mir Heimat.
Für die Welt; sie war und
ist mir Tür und Fenster für Weite,
Größe und Freiheit.
Für Gemeinschaften und Kreise; sie waren und
sind für mich Netze, die mich auffangen.
Für einige gute Menschen; sie waren und
sind mir Geländer, die mich stützen.
Für Gott; er war und
ist mir in Jesus Christus und durch
seinen Geist gegenwärtig.
Amen

 

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