Erzbischof Gottesdienste Veranstaltungen Anfahrtsskizzen
  Druckversion   Seite versenden

Interview mit dem neuen Generalvikar Msgr. Georg Kestel

Sie sind seit dem 1. April neuer Generalvikar im Erzbistum Bamberg. Was kommt als erstes auf Sie zu?

Der erste offizielle Kontakt in diesem Amt mit den verschiedenen Bereichen des Ordinariats, mit den Gemeinden draußen aus unterschiedlichen Anlässen, mit diversen Gruppen und Gremien. Schließlich der Einstieg in die tägliche Arbeit, die im Büro auf einen wartet.

Welche wichtigen Aufgaben gilt es in nächster Zeit in und für die Erzdiözese zu bewältigen?

Die Einführung und Begleitung der neuen Seelsorgebereiche, die Weiterführung des Konsolidierungsprozesses, die schrittweise Vorbereitung des Bistumsjubiläums. Vieles lässt sich aber gar nicht in griffige Schlagworte fassen. Über allem aber steht das große Ziel, den Menschen von heute den Glauben näher zu bringen, sie darin zu bestärken.

Sie waren 18 Jahre außerhalb Ihrer Heimatdiözese im Einsatz. Wie haben Sie das Erzbistum aus der Ferne wahrgenommen und welche Bedeutung hat es für Sie, jetzt wieder nach Bamberg zurückzukehren?

In der Militärseelsorge habe ich Priester, Ordensleute und Pastoralreferenten aus allen deutschen Diözesen kennengelernt. Zudem gab es auch manche Kontakte zum Ausland. Die großen Herausforderungen in der Seelsorge sind aber bei uns in Mitteleuropa im wesentlichen die gleichen, wenn auch die Lösungsansätze sich von Land zu Land, von Bistum zu Bistum unterscheiden. Bamberg war, ist und bleibt für einen Diözesanpriester die geistliche Heimat. So habe ich gerade die kirchliche Entwicklung in der Heimat interessiert verfolgt. Dort jetzt das kirchliche Leben aktiv mitzugestalten, ist natürlich eine große und neue Herausforderung.

Der Besuch von Papst Benedikt XVI. wird in diesem Jahr ein herausragendes Ereignis nicht nur für Bayern, sondern für ganz Deutschland sein. Im vergangenen Jahr hatten wir den Weltjugendtag in Köln – mit großer Resonanz. Das Bedürfnis nach Spiritualität ist spürbar. Welche Chancen hat die Kirche, sich in diesem „Markt der religiösen Möglichkeiten“ zu behaupten und wie kann sie das tun?

Sie soll ihre Botschaft einfach ganz „unverkrampft“ verkünden. Es ist meine feste Überzeugung, dass die Substanz des christlichen Glaubens auf der Basis von biblischer Offenbarung und kirchlicher Lehre wirklich im besten Sinne zeitlos und gerade deshalb immer zeitnah und aktuell ist. Damit dies von den Menschen wahrgenommen werden kann, ist es allerdings unerlässlich, auch auf diese Menschen genau zu hören, ihre Lebenssituation zu kennen, ihre Fragen wirklich zu verstehen versuchen.

Das Laienapostolat ist ein wichtiges Instrument für die Katholiken, sich aktiv in der Kirche zu beteiligen. Dennoch ist die Wahlbeteiligung bei den Pfarrgemeinderatswahlen im Erzbistum Bamberg um 2,3 Prozentpunkte gesunken.

Das ist nicht mehr so überraschend, wenn Sie die Quote der Kirchenbesucher dagegen halten. Es wird immer so sein, dass es in der Kirche eine gestufte Intensität der Mitarbeit und Mitverantwortung gibt. Um so wichtiger ist der Einsatz der Laien in den Gremien des organisierten Laienapostolates, in den Räten und Verbänden auf allen Ebenen von der Pfarrgemeinde bis hin zum überdiözesanen Bereich. Aktive Verantwortungsträger sind der Kern, der auf andere ausstrahlt; sie sind die, welche bereit stehen, wenn fragende Menschen den Glauben näher kennen lernen wollen oder den Weg zurück zur Kirche suchen.

Haben Sie trotz des aufwendigen Amtes als Generalvikar auch Zeit sich dem Privatleben zu widmen und Hobbys nachzugehen?

Was sozusagen die sportliche Seite betrifft, so wandere ich gerne durch Wälder und Täler der fränkischen Heimat. Ich lese nach Möglichkeit, meistens interessante Biographien oder auch mal etwas Neues aus dem Bereich der Belletristik. Auch hier kommen übrigens, gerade in den letzten Jahren, häufig religiöse Motive vor. Leider spiele ich nicht selber ein Instrument. Aber es gibt viele andere, die können das hervorragend. Deshalb gehört klassische Musik in allen Variationen zu meiner Plattensammlung. In den letzten Jahren auch mehr und mehr Jazz, vor allem Solo-Piano oder Piano-Trio.

Ihr Primizspruch ist ein Bibelzitat aus dem Buch des Propheten Sacharja:
„Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört:
Der Herr ist mit euch!“
Ein Zitat, das Sie immer begleitet hat?

Ja, und ich habe mich vor allem dann daran erinnert, wenn ein Wechsel bevorstand: eine neue Aufgabe in der Seelsorge, zumeist mit einem Umzug verbunden. Und es hat mich sehr gefreut, dass im letzten Teil unseres Pastoralplans unter der Überschrift „Vision“ genau jenes Sacharja-Zitat den Abschluss bildet. Ich nehme es als gutes Zeichen für die kommende Zeit, in der wir als das Volk Gottes von heute gemeinsam unterwegs sind. Dabei geht es um viel mehr als um das Ziel, pastorale Konzeptionen umzusetzen und die neuen Seelsorgebereiche mit Leben zu erfüllen. Es wird uns die große Berufung übertragen, als „Licht der Welt“ und „Stadt auf dem Berge“ andere Menschen auf Glauben und Kirche aufmerksam zu machen. Und es wird uns inmitten all dieser Bemühungen der Segen Gottes zugesagt. Diesen reichen Segen wünsche ich uns allen!

(Das Interview führte Elke Pilkenroth)

(zurueck.gif; 1,2 kB)