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| Ansprache von Erzbischof Prof. Dr. Ludwig Schick bei der Magdalenenfeier in der Lindaukapelle Amöneb |
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Liebe Oberhessen, liebe Landsleute! 1. Es ist für mich eine große Freude, heute mit Euch an der Lindau(Lenna)kapelle, das Fest Maria Magdalena zu feiern und die Oktav zu eröffnen. Von Kindheit an ist mir die Lindaukapelle vertraut. Wie oft bin ich während meiner Schulzeit auf der Amöneburg und des Studiums in Fulda und Würzburg hier gewesen. Hier habe ich auch 1975 eine Nachprimiz gefeiert. Während meines fast 27-jährigen priesterlichen Dienstes in der Diözese Fulda habe ich öfters in der Oktav hier die heilige Messe gefeiert und gepredigt. Nun bin ich in Bamberg Erzbischof. Aber meiner Heimat will und darf ich mich nicht entfremden. Deshalb bin ich froh, dass ich heute Abend wieder einmal in Oberhessen bin und hier in der Lindaukapelle mit Euch diese Heilige Messe feiern kann. 2. Die Wallfahrt zur Lindaukapelle war in ersten Linie immer eine Angelegenheit der Frauen. Die Woche, in der die Oktav 2004 eröffnet wird, ist im kirchlichen Kalender eine „Frauenwoche“. Mit Margareta fing sie am Montag an. Heute denken wir an Maria Magdalena, morgen an die heilige Birgitta von Schweden und am Montag an die heilige Anna. Es ist gut und richtig, dass die Frauen so sehr im Mittelpunkt stehen. Man sagt zwar manchmal, die katholische Kirche sei eine Männerkirche und lasse die Frauen nicht so richtig zum Zug kommen. Sicher hat es Fehler und auch Schuld gegeben. Frauen sind in der Kirche zu kurz gekommen, wurden vernachlässigt, auch ausgenutzt und unterdrückt. Und dennoch waren die Frauen immer die tragenden Säulen der Kirche. Das sieht man schon an Maria Magdalena, die die Apostelin der Apostel genannt wird. Sie war die, die den verängstigten Jüngern nach der Kreuzigung die Auferstehung, die wichtigste Tatsache im christlichen Glaubensbekenntnis, verkündete. Birgitta von Schweden hat in schweren Krisenzeiten die Kirche vor noch größerem Schaden im 14. Jahrhundert bewahrt. Sie brachte den Papst aus Avignon nach Rom zurück. Margareta gehört zu den Vierzehn Nothelfern; sie hat im 4. Jahrhundert als Märtyrerin den Glauben bezeugt. Die heilige Anna wird als Fürsprecherin und Vorbild aller Mütter verehrt. Und wenn heute keine Frauen in der Glaubensverkündigung, als Lektorinnen, Kommunionhelferinnen, in den Pfarrgemeinderäten, als Ordensschwestern, als Mütter, die ihren Kindern die ersten Seelsorgerinnen und Priesterinnen sind, vorhanden wären, wo stünde dann die Kirche? Könnte sie überhaupt leben? Eine große Anerkennung, einen großen Dank möchte ich allen Frauen aussprechen. Ich bin sicher, liebe Frauen, bei Gott sind Sie ganz groß anerkannt und geehrt. ER wird Ihnen auch all das Gute vergelten, das Sie getan haben. Vielleicht wird ER auch uns Männern, die Priester und Bischöfe eingeschlossen, einmal die Ohren lang ziehen, weil wir Ihnen gegenüber nicht dankbar genug waren und sie nicht in rechter Weise anerkannt haben. Wir brauchen Sie auch weiterhin. Zur Zeit gibt es, laut Umfragen und Statistiken, einen Rückzug der Frauen aus der Kirche. Das ist sehr zu bedauern. Ich bitte Sie von Herzen, schließen Sie sich diesem Trend nicht an, steuern Sie dagegen. Bleiben Sie Glaube und Kirche verbunden, fördern Sie Glaube und Kirche, damit der Glaube zum Wohl der Menschen und der Menschheit weitergetragen wird und lebt. 3. Auf allen Ebenen, in der Gesellschaft und in der Kirche, im Beruf und im Staat, wird derzeit über die Frauenförderung gesprochen. Das ist ein ganz, ganz wichtiges Thema und Anliegen. Aber diese Diskussion läuft, zumindest in manchen Bereichen, schief. Bei der sogenannten Gender-Diskussion, das heißt bei der Diskussion über die Gleichberechtigung der Geschlechter, wird oft nur über Beteiligung und Quoten gesprochen sowie über Macht- und Positionsverteilung, über Gleichberechtigung im numerischen und quantitativen Sinn gestritten. Das ist aber zu kurz gedacht! Gender-Diskussion über Geschlechtergerechtigkeit ist sinnvoll und hilfreich, gut und förderlich, wenn sie vor allem über die natürlichen Veranlagungen, die Talente und Begabungen der Frauen und der Männer spricht. Wenn es um Gerechtigkeit geht, muss es auch immer um das Rechte und Richtige gehen. Die Veranlagungen und die Begabungen der Frauen müssen in den Blick kommen. Gott hat Frau und Mann verschieden geschaffen mit verschiedenen Charismen und Talenten. Eine technische und quantitative Gleichstellung, kann es nicht bringen, ja kann sogar Schaden anrichten. Wir brauchen echte frauliche Frauen und nicht Frauen, die die Männer imitieren. Mit den eigenen Veranlagungen, Gaben, Talenten und Charismen müssen Frauen und Männer die gleiche Würde und gleichen Rechte erlangen, das muss bei der Gender-Diskussion herauskommen, dann ist sie gut und hilfreich. Frauen haben ihre Talente und damit auch ihre Aufgaben. Die Fraulichkeit und die Mütterlichkeit müssen beim weiblichen Geschlecht gesehen, als Schatz gehoben und für die Gesamtgesellschaft fruchtbar gemacht werden. 4. Ich möchte ein ganz konkretes Beispiel nennen. Zur Zeit wird diskutiert, dass die Kinderbetreuung in Horten und Krippen besser ausgebaut werden soll, damit die Frauen, die Kinder geboren haben, wieder eher berufstätig sein können. Für diese Maßnahme wird vom Staat Geld zur Verfügung gestellt. Erhebt sich da nicht die Frage, warum dieses Geld nicht gleich den Frauen und Müttern gegeben wird, die Kinder haben, damit sie selbst ihre Kinder betreuen können? Wir alle wissen, dass gerade für Kleinkinder die beste Betreuerin die eigene Mutter ist. Wir brauchen Erziehungsgeld für die Mütter. Erziehungsarbeit muss auch Anerkennung in den Rentenansprüchen finden. 5. Ich bitte Sie, liebe Frauen, auch die religiöse Erziehung zu fördern und dafür aufmerksam zu sein. Die Einführung in den Glauben ist Ihr Charisma! Unsere Kinder und Jugendlichen brauchen in unserer immer komplizierter werdenden Welt mehr denn je gute Orientierung. Das beste Orientierungswissen ist das religiöse Wissen des Christentums. Gewähren wir es unseren Kindern und Jugendlichen. Seien Sie, liebe Frauen, wie Maria Magdalena, die für die Apostel die Erstverkünderin war, Erstverkünderinnen für Ihre Kinder. Das Kreuzchen auf die Stirn des Babys am Abend und am Morgen, das prägt. Die ersten Gebete, die beigebracht werden, das ist nachhaltiger als später aller Religionsunterricht bzw. als das, was dann Kindergärtnerinnen, Lehrerinnen und Lehrer, auch Priester und ausgebildete Theologen den Kinder geben können. Gottvertrauen, Zuversicht und Hoffnung müssen in den ersten Monaten und Jahren des Lebens grundgelegt werden. Dafür sind die Mütter Erstverantwortliche, Erstbegabte und auch Erstverpflichtete. 6. In der Kirche müssen die Frauen mehr Mitspracherecht haben und auch mehr Funktionen bekommen. Aber das darf kein Machtverteilungsgerangel werden, sondern Aufgabenverteilung gemäß den Anlagen und Begabungen, die mit dem weiblichen Geschlecht verbunden sind. Hier müssen sich alle, die in der Kirche Verantwortung tragen, anstrengen, damit dieses Desiderat mehr und möglichst bald erfüllt wird. 7. Liebe Schwestern und Brüder, vor allem liebe Frauen! Ich wünsche Euch, hier in Oberhessen, weiterhin alles Gute! Oft bin ich in den Gebeten bei Euch, erinnere mich an meine Kindheit und Jugend hier und alles Schöne, das ich erleben durfte. Ich verdanke selbst sehr viel meiner Mutter und vielen anderen Frauen (selbstverständlich auch vielen Männern). Bleibt Eurer Kirche, Euren Traditionen, Eurem guten Leben treu. Das wünsche ich Euch von ganzem Herzen. |
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| Datum: 04.08.2004 |
| Autor: Erzbischof Prof. Dr. Ludwig Schick |
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