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Maria-Ward-Schule – eine Schule mit Courage
Den Titel „Schule ohne Rassismus- Schule mit Courage“ erhielten die beiden Maria-Ward-Schulen von Landeskoordinator G. Bekas (rechts) im Rahmen des Schulfestes verliehen. Patin ist Dr. A. Deusel, 2. Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Bamberg(rechts).

Die Maria-Ward-Schulen Bamberg erhielten beim Sommerfest am 26.07.2011 offiziell den Titel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" verliehen. Das Projekt startete im Zeichen christlich-jüdischer Zusammenarbeit. Neue Patin ist Dr. Antje Deusel, 2. Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Bamberg und zukünftige Rabbinerin. Auch die Zusammenarbeit von MW-Schülerinnen mit der Willy-Aron Gesellschaft in Form einer Patenschaft zur Pflege von Stolpersteinen in der Austraße ist vereinbart. Weitere Aktionen sollen folgen.

„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, so dürfen sich seit kurzem die beiden Maria-Ward-Schulen in Bamberg nennen. Dieser Wahlspruch prangt auch in riesigen Lettern auf einem großen Metallschild, das zehn Schülerinnen aus Realschule und Gymnasium während des Schulfestes auf einer Bühne überreicht bekamen, zusammen mit einer Urkunde von der Bundeskoordinationsstelle in Berlin. Auf dieser Bühne, wo kurz zuvor die Schulband mit heißen Rhythmen das Sommerfest eröffnet hatte, erhielten nun die beiden Schulen von ihrem Aktiv-Coach und zukünftigen Landeskoordinator Gerasimos Bekas aus Würzburg offiziell den Titel „Schule ohne Rassismus- Schule mit Courage“ (SOR-SMC) verliehen; als 127. Schule in Bayern und 947. Schule in Deutschland.

Der feierliche Akt der Schildübergabe im Kreis der ganzen Schulfamilie, inklusive vieler Eltern sowie Schwestern der Congregatio Jesu, besiegelte eine Schülerinitiative, auf die man stolz ist.: „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Euch! Ihr wisst, dieser Titel ist auch ein Versprechen!“, kommentierte Koordinator G. Bekas kurz und knapp das Ereignis. Die Urkunde erklärt die Selbstverpflichtung, die die Schülerinnen freiwillig eingingen: „Mit Euren Unterschriften setzt Ihr ein Zeichen gegen alle Formen von Diskriminierung und Rassismus für ein gewaltfreies und respektvolles Miteinander, das über Eure Schulen hinaus in die Stadt Bamberg hineinwirkt. Ihr seid mit Eurem Engagement ein Vorbild für andere Schülerinnen und Schüler.“

Die Gymnasiastin Nadin Abu-Hossin (Q 11) erklärte in einer kurzen Ansprache während des Festakts Hintergründe und Ziele des Projekts: „Durch die Beschäftigung mit Rassismus letztes Jahr im Sozialkundeunterricht ist bei einigen Schülerinnen unserer Klasse großes Interesse entstanden, sich mit diesem Thema weiter zu beschäftigen und dies auch in die Öffentlichkeit zu tragen“. Über ihre Lehrerin Steffi Keen entstand die Idee, sich zusammen mit der Realschule, genauer der Arbeitsgruppe „Politik und Zeitgeschichte“, dem Netzwerk „SOR-SMC“ anzuschließen. Nach einer erfolgreichen Unterschriftenaktion, bei der über 70 Prozent aller Schülerinnen sowie Lehrer und Mitarbeiter unterschrieben hatten, ist nun das Ziel erreicht. „Mit dem Titel verpflichten wir uns, gegen Rassismus und für Zivilcourage einzutreten“, erklärte Nadin Abu-Hossin für die zehnköpfige Schülerinnengruppe öffentlich. Der Titel soll ein weiterer Meilenstein für ein friedliches Zusammenleben sein. Egal, ob es um Mobbing im Schulalltag geht oder um größere Dinge wie Fremdenhass, Anti-Semistismus, Anti-Islamismus oder Rechtsextremismus.

Die Schülerin kündigte für das nächste Schuljahr erste Aktionen an. So habe die Realschule bereits eine Patenschaft mit der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg übernommen zur Pflege der „Stolpersteine gegen das Vergessen“ in der nahe gelegenen Austraße. Damit wollen die Schülerinnen die Erinnerung an jüdischen Mitbürger wachhalten, die einst in der Austraße wohnten. Zusammen mit der jüdischen Gemeinde ist im November eine Aktion zum Gedenken an die Reichsprogromnacht geplant. Mit Plakaten, Ausstellungen und Aktionen soll über Rassismus, Rechtsradikalismus und Ausländerfeindlichkeit aufklärt werden, damit sich solch furchtbare Anschläge wie in Norwegen nicht wiederholen.

Bei der Suche nach einem Paten, den jede „Schule ohne Rassimus“ zur Unterstützung braucht, wurde man schnell fündig. Als Schulpatin stellte sich Dr. Antje Deusel zur Verfügung, zweite Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Bamberg und künftige Rabbinerin. In ihrem Grußwort verwies sie auf ihre langjährige gute Zusammenarbeit mit MW-Realschülerinnen und Lehrerin A. Stickler. Im Rahmen des Wahlfachs Politik und Zeitgeschichte hatten Schülerinnen intensive, mehrfach preisgekrönte Nachforschungen über das Schicksal ihrer ehemaligen jüdischen Mitschülerin Erika Löbl in der NS-Zeit betrieben und dabei öfter die jüdische Gemeinde besucht. „Die Schülerinnen kamen immer wieder zu uns, weil sie mehr über das Judentum wissen wollten.“ Die ganze Vielfalt der damaligen Bamberger Gesellschaft hätten sie in der Ausstellung zu Erika Löbl dokumentiert, die parallel zur Anne-Frank-Ausstellung in der Villa Dessauer lief. „Das Engagement der Mädchen in ihrer Freizeit hat mich beeindruckt!“, erklärte Patin A. Deusel.

Doch was steckt genau hinter diesem Projekt? G. Bekas, der sich vor der Titelverleihung zu einem Gespräch mit den beteiligten Schülerinnen traf, erklärte es genauer: Unsere Koordinationsstelle versteht sich als Ansprechpartner und Vermittler des SOR-SMS-Projekts. Ziel ist es, immer mehr Schulen verschiedenster Schularten in das Netz einzubinden, von der Förderschule bis zur Berufsschule. Die MW-Schülerinnen haben mit Unterstützung ihrer Lehrkräfte das Projekt gestartet. Es liegt aber in ihrem Ermessen, wie es aussehen soll. Dass bereits Realschülerinnen ab der 7. Klasse mitarbeiten, ist eine gute Basis. Auch die Patenschaft mit der jüdischen Gemeinde klingt glücklich.

Im Herbst können die Schülerinnen an einer SOR-SCM Fortbildung in Würzburg teilnehmen, die vom Bayerischen Landtag unterstützt wird. Tolle Projektideen werden von unserer Koordinationsstelle an andere Schulen weitergegeben. In Bamberg gibt es bereits einige SOR-SMS–Schulen, etwa das Eichendorff-Gymnasium, das FLG und die Wirtschaftsschule.

Für Schulleiterin OStDin Ingrid Käfferlein klingt vor allem der zweite Teil des Mottos, „Schule mit Courage“, interessant. „Rassismus ist eigentlich kein Thema an unserer kirchlichen Schule“, erklärte sie. „Aber die Courage aufzubringen, sich im Schulalltag für Schwächere einzusetzen, ist gerade für eine Maria-Ward-Schule auch heute wichtig!“ Schließlich sei die Schulgründerin Maria Ward vor rund 400 Jahren mutig ihren steinigen Weg gegangen. Vieler, selbst päpstlicher Anfeindungen zum Trotz, habe sie sich mit ihren Schulgründungen couragiert für die Förderung von Mädchen und Frauen eingesetzt.

Das große Metallschild „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“, soll nach den Sommerferien an der Schulhausfassade beim Schulpforten-Eingang hängen. Es wird künftig auch daran erinnern.

Datum: 03.08.2011
Autor: Eva Lederer